13. Nationaler Fachkongress Telemedizin Telemedizin: Gegenwart und Zukunftsmusik

Von Nicola Hauptmann Lesedauer: 3 min |

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Telemedizin gehört in die Regelversorgung: Viele der Anwendungen sind erprobt und verfügbar; positiv evaluierte Projekte in fast allen Bundesländern auch schon umgesetzt. Auf Bundesebene aber fehle es an Transparenz und dem Willen zur Umsetzung – so die Erkenntnis beim Nationalen Fachkongress Telemedizin in Berlin.

Nationaler Fachkongress Telemedizin 2023: V.l.n.r.: Dr. h.c. Lutz Stroppe, Staatssekretär Bundesministerium für Gesundheit a. D., und Mitglieder des DGTelemed-Vorstands – Prof. Dr. med. Neeltje van den Berg, Annette Hempen, Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Dr. med. Franz Bartmann, Prof. Dr. rer. nat. Britta Böckmann, Günter van Aalst
Nationaler Fachkongress Telemedizin 2023: V.l.n.r.: Dr. h.c. Lutz Stroppe, Staatssekretär Bundesministerium für Gesundheit a. D., und Mitglieder des DGTelemed-Vorstands – Prof. Dr. med. Neeltje van den Berg, Annette Hempen, Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Dr. med. Franz Bartmann, Prof. Dr. rer. nat. Britta Böckmann, Günter van Aalst
(© ZTG / DGTelemed)

Projektberichte, Diskussionsrunden und ein Science Slam: Der 13. Nationale Fachkongress Telemedizin der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) fand mit Unterstützung der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH am 16. und 17. Mai in Berlin statt und bot einen Überblick, was bereits heute mit Telemedizin möglich ist.

Ein Beispiel dafür ist das durch den Innovationsfonds des G-BA geförderte Projekt SLEEP WELL, das auf dem Kongress anhand einer Patient Journey vorgestellt wurde.

Hintergrund

Schlafapnoe, also das kurzzeitige Aussetzen des Atems während des Schlafs, beeinträchtigt nicht nur Lebensalltag und Leistungsfähigkeit der Betroffenen aufgrund der Müdigkeit, auch das Risiko für Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Diabetes, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Depressionen sowie Demenz ist erhöht.

Schlafapnoe – eine Patientenreise

„Telemedizin ist Gegenwart“, lautete die Eingangsthese in der Präsentation von Prof. Dr. Brita Böckmann. Die Technologien seien erprobt und verfügbar, es gehe nun darum, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Christoph Schöbel, Spezialist für Schlafmedizin und Leiter des Zentrums für Schlaf- und Telemedizin der Ruhrlandklinik/ Universitätsklinikum Essen, stellte sie eine virtuelle Patientenreise zum Thema Schlafapnoe vor – basierend auf einem echten Anwendungsfall. Zugeschaltet waren der betroffene Patient und dessen Hausarzt. Etwas Phantasie oder Zukunftsmusik sei noch dabei, erläuterte Prof. Böckmann, wenn etwa eine funktionierende elektronische Patientenakte vorausgesetzt würde.

In dem vorgestellten Szenario wurden digitale und telemedizinische Anwendungen kombiniert. So erweisen sich schon vor der ersten Konsultation Smartwatches als hilfreich, die das Schlafverhalten aufzeichnen. Der Hausarzt beurteilt das Risiko einer Schlafapnoe anhand eines strukturierten Fragebogens. Für den eigentlichen Befund wird dann ein Polygraphie-Messystem eingesetzt, das eine Nacht lang vom Patienten zu tragen ist, um Werte wie Atmung, Puls, Sauerstoffsättigung aufzuzeichnen. Die Daten werden anschließend ausgewertet und in einem Telekonsil zwischen Arzt und externen Experten besprochen. Damit lässt sich die Behandlung häufig auch erheblich beschleunigen, weil der Hausarzt dann bei klarem Befund unmittelbar eine Schlafmaske verordnen kann, ohne erst einen Termin in einem Schlaflabor zu vereinbaren, auf den Patienten bis zu 24 Monate warten müssten.

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Fehlender Umsetzungswille auf Bundesebene kritisiert

In den Fachvorträgen des Kongresses wie auch beim Science Slams zum diesjährigen Telemedizinpreis wurden viele weitere Ansätze und Innovationen vorgestellt. Projekte für die Regelversorgung gebe es genug, jedes Land habe mittlerweile sein eigenes Vorzeigeprojekt, so der Tenor in einer Diskussionsrunde mit Landesvertretern aus Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Auch auf Bundesebene ist die Bedeutung der Telemedizin klar: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Telemedizin entscheidende Mehrwerte in der Versorgung schafft und in der Zukunft in weitaus größerem Umfang schaffen wird und auch bringen muss", sagte Dr. Antje Draheim, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, in ihrer Videobotschaft zum Kongress. Telemedizin dürfe nicht als dritte Säule neben die ambulante und stationäre Versorgung gestellt werden, sondern müsse Bestandteil patientenzentrierter Behandlungspfade werden.

Bei der Umsetzung aber hapere es, so die Kritik beim Telemedizin-Kongress. Es fehlten „die notwendige Transparenz und der Wille zur dauerhaften und zügigen Umsetzung auf Bundesebene". Eine zügige Überführung von positiv evaluierten Projekten aus dem Innovationsfonds in die Regelversorgung sei derzeit nicht gewährleistet. „Es ist nicht länger akzeptabel, dass jährlich aus Versichertengeldern ein dreistelliger Millionenbetrag für immer neue unterschiedlichste Projektentwicklungen ausgegeben wird, aber die hierbei gewonnenen Erkenntnisse nicht konsequent für die Versorgung genutzt werden”, sagte Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Vorstandsvorsitzender der DGTelemed.

Telemedizinpreis 2023

Auch in diesem Jahr wurde im Rahmen des Nationalen Fachkongresses Telemedizin wieder der Telemedizinpreis für die beste eHealth-Innovation vergeben. Die vorab von einer Jury nominierten Finalisten stellten ihre Projekte in einem Science Slam vor, anschließend entschied das Publikum im Live-Votum.

  • „smartcor – Digitale Schlaganfallprävention NRW“ war der diesjährige Gewinner. Das Projekt verfolgt das Ziel, das Screening von Vorhofflimmern mit Hilfe von Wearables zu vereinfachen. Dazu ist unter anderem ein sektorübergreifendes Telemedizinzentrum geplant, das Arztpraxen und Kliniken verbinden soll.
  • Den zweiten Platz belegte Optimal@NRW: Im Rahmen dieses Projekts werden Pflegeheime mit einem Frühwarnsystem, einem digitalen Visitenwagen zur Durchführung von Telekonsultationen sowie einer zentralen ePA ausgestattet. Unnötige Krankenhauseinweisungen sollen so verhindert werden.
  • Das Projekt „Telespactive – Telemedizin für eine verbesserte Versorgung von Patient:innen mit axialer Spondylarthritis" der Unikliniken Erlangen und Würzburg kam auf den dritten Platz.

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