Studie des DZNE und der Universität Magdeburg „Schnitzeljagd“ per Handy: Alzheimer früher erkennen

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Forschende des DZNE und der Universität Magdeburg haben eine App entwickelt, um anhand von Bewegungsdaten ein erhöhtes Demenzrisiko zu erkennen.

Die Studienteilnehmer mussten Standpunkt und Zielort einprägen, sobald sie losliefen, verschwand die Darstellung in der App.(© Shi – stock.adobe.com)
Die Studienteilnehmer mussten Standpunkt und Zielort einprägen, sobald sie losliefen, verschwand die Darstellung in der App.
(© Shi – stock.adobe.com)

Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, entwickelt sich über Jahre, lang bevor die ersten Symptome auftreten. Die Krankheit ist nicht heilbar, doch mit frühzeitiger Behandlung kann ein Fortschreiten verzögert werden. Eine frühzeitige Diagnose ist jedoch bei fehlenden Symptomen schwierig. „Aktuell wird Alzheimer oft zu spät behandelt, um eine wirksame Therapie zu gewährleisten“, erklärt Dr. Anne Maass, Forschungsgruppenleiterin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Gastprofessorin an der Universität Magdeburg. Auch die derzeit viel diskutierten neuen Antikörper-Medikamente wirkten nur, wenn sie frühzeitig verabreicht würden, so Maass. durchgeführt.

Dr. Anne Maass, Forschungsgruppenleiterin am DZNE und Gastprofessorin an der Universität Magdeburg (© Jana Dünnhaupt/Uni Magdeburg)
Dr. Anne Maass, Forschungsgruppenleiterin am DZNE und Gastprofessorin an der Universität Magdeburg
(© Jana Dünnhaupt/Uni Magdeburg)

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen arbeitet sie derzeit an einem neuartigen Ansatz, um Orientierungsschwierigkeiten als erste Symptome früher zu erkennen und somit die Diagnostik zu verbessern. Dazu wurde eine Studie mit Probanden im Alter zwischen Mitte zwanzig und Mitte sechzig

Initiiert hatte das Projekt Dr. Nadine Diersch, die heute neben ihrer Arbeit in der Privatwirtschaft auch weiterhin als Gastforscherin für das DZNE tätig ist. „Unsere Studie beruht auf einer Art Schnitzeljagd, bei der vorgegebene Orte gefunden werden mussten“, so die Neurowissenschaftlerin.

Schnitzeljagd auf dem Uni-Campus

Die Probanden sollten mit Hilfe der speziell entwickelten Smartphone-App auf einer rund 800 Meter langen Route auf dem Campus nacheinander fünf Gebäude aufsuchen. Dabei wurden ihre Bewegungsdaten per GPS erfasst. Die Benutzung der App wurde zuvor geübt, die Teilnehmenden waren alle Smartphone-erfahren und kannten sich ähnlich gut auf dem Campus aus.

Die App zeigte eine Straßenkarte mit der aktuellen Position und dem nächsten Ziel – mit einem Foto. Sobald die Probanden losliefen, verschwand die Darstellung. „Die Versuchsteilnehmer mussten sich Straßenbild, Standpunkt und Zielort einprägen und dann ihrem Orientierungssinn und räumlichen Gedächtnis folgen“, erläutert Jonas Marquardt, Erstautor der Studie und Doktorand im Forschungsteam von Anne Maass. Wenn die Probanden unterwegs nicht weiterwussten, konnten sie über einen Hilfe-Button die Navigation erneut einblenden.

Als möglicher Hinweis auf ein erhöhtes Risiko gelten subjektive kognitive Beeinträchtigungen – „subjective cognitive decline“ (SCD): Menschen empfinden ein Nachlassen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit, das sich aber mit objektiven Testverfahren nicht nachweisen lässt. Ein Drittel der insgesamt 72 Studienteilnehmer gab an, solche subtilen Beeinträchtigungen wahrzunehmen.

In der Auswertung zeigte sich, dass ältere Teilnehmende mit SCD häufiger kurz angehalten hätten, wohl, um sich zu orientieren, als Ältere ohne SCD. „Wir haben festgestellt, dass sie vor allem an Wegkreuzungen eher zögern. Das deutet darauf hin, dass bei ihnen gewisse Entscheidungsprozesse verlangsamt ablaufen“, erklärte Nadine Diersch. Die Daten ließen aber noch keine eindeutige Aussage zu. Sie sieht dennoch eine Chance für die Früherkennung von Demenz: „Ich könnte mir vorstellen, dass künftig derartige Apps dabei helfen können, Risikopersonen zu identifizieren und daraufhin zu entscheiden, ob weitere Untersuchungen oder bereits eine Therapie nötig sind.“

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