Baden-Württemberg „The Länd“ fördert sechs Televisite-Projekte in der Pflege

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Baden-Württemberg fördert sechs Televisite-Projekte in Pflegeeinrichtungen mit 1,6 Millionen Euro. Die virtuelle Arztkonsultation soll pflegebedürftigen Menschen unnötige Transporte ersparen und gleichzeitig Notaufnahmen sowie Arztpraxen entlasten.

Baden-Württemberg unterstützt in der Förderperiode 2026/2027 sechs Televisite-Projekte in Pflegeeinrichtungen.(©  peterschreiber.media - stock.adobe.com)
Baden-Württemberg unterstützt in der Förderperiode 2026/2027 sechs Televisite-Projekte in Pflegeeinrichtungen.
(© peterschreiber.media - stock.adobe.com)

Baden-Württemberg investiert rund 1,6 Millionen Euro in die Weiterentwicklung digitaler Arztkonsultationen durch Pflegebedürftige. Das Land fördert in der Periode 2026/2027 sechs Televisite-Projekte sowie eine wissenschaftliche Gesamtevaluation.

„Televisiten ermöglichen älteren Menschen mit Pflegebedarf eine medizinische Betreuung auf Augenhöhe – sicher von der gewohnten Umgebung aus“, erklärte Gesundheitsminister Manne Lucha am 22. Dezember 2025 in Stuttgart. Mit den Förderprojekten adressiert das Bundesland zentrale Herausforderungen der Langzeitpflege: eingeschränkte Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner, den Fachkräftemangel sowie Abstimmungsprobleme zwischen verschiedenen Versorgungssektoren.

Fortsetzung bewährter Ansätze und neue Vorhaben

Bei dreien der sechs geförderten Projekte handelt es sich um weitergeführte Vorhaben aus der Laufzeit 2024/2025, drei weitere kommen neu hinzu. Das Projekt „HeimDoc“ des MVZ II der Kreiskliniken Reutlingen erhält 246.924 Euro und versorgt bereits zehn Pflegeheime mit telemedizinischer hausärztlicher Betreuung. Mobile Videotürme mit integrierten Untersuchungsgeräten wie Stethoskop und EKG ermöglichen Arztkonsultationen direkt im Bewohnerzimmer, begleitet von regelmäßigen Präsenzbesuchen.

Die Kirchliche Sozialstation Sinsheim kann mithilfe einer Fördersumme von 171.806,20 Euro die Erprobung von hausärztlichen Televisiten für unterstützungsbedürftige Patienten in ihrer Häuslichkeit und in der Tagespflege fortsetzen. Das Projekt ermöglicht medizinische Betreuung durch Fachkräfte, die Online-Visiten von Ärzten digital begleiten. Die „Digitale Gesundheitsbrücke Bodenseekreis“ wird mit 117.655,78 Euro gefördert. Das entsprechende Landratsamt setzt seit April 2025 Telekonsultationen in Pflegeheimen und Arztpraxen ein, unterstützt durch Kooperationen mit der Stiftung Liebenau und dem Gesundheitsamt. Neben hausärztlichen Konsultationen ist die Einbindung weiterer Fachärzte wie Neurologen und Dermatologen geplant.

Mit 385.896,32 Euro wird das Projekt „TeleViK“ der Kleeblatt Pflegeheime im Landkreis Ludwigsburg gefördert. Die gemeinnützige Gesellschaft betreibt 26 dezentrale Pflegeheime mit über 700 Dauerpflegeplätzen und startet Anfang 2026 mit dem Aufbau der telemedizinischen Infrastruktur. Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz – Klinikum GmbH erhält 168.629,42 Euro, es fokussiert sich auf die besondere Versorgungssituation in der palliativen und poststationären Kurzzeitpflege; und das Evangelische Altenzentrum des Diakonievereins Bruchsal befasst sich mit Televisiten bei Menschen mit Demenz in der gerontopsychiatrischen und allgemeinen stationären Langzeitpflege. Zur Evaluierung der Chancen, Herausforderungen und Implementierungsimpulse werden 136.955,24 Euro bereitgestellt.

Entlastung für mehrere Akteure

Die bisherigen Erfahrungen zeigen laut Lucha konkrete Vorteile: Wenn Pflege und Ärzteschaft verlässlich zusammenarbeiteten, steige die Versorgungsqualität deutlich. Televisiten würden Transportwege einsparen, Krankenhaustransporte reduzieren und Notaufnahmen sowie Arztpraxen entlasten. „Bereits vom Land geförderte Projekte haben gezeigt, dass insbesondere der Verbleib in der vertrauten Umgebung ein großer Vorteil für die Pflegebedürftigen ist“, so der Minister. Gleichzeitig ließen sich Wartezeiten verkürzen.

Technische Schnittstellen und Regelversorgung

Parallel zur praktischen Erprobung werden technische Schnittstellen weiterentwickelt. Im Fokus steht dabei die automatisierte Datenübernahme in bestehende Versorgungsprozesse. Zudem bereitet das Land die Überführung der Televisiten in die Regelversorgung vor, einschließlich möglicher Anpassungen bei Abrechnungsziffern. Lucha betonte die strategische Ausrichtung: „Die Televisite ist kein Zukunftsprojekt mehr – sie ist Gegenwart. Wir wollen diesen Standard weiterentwickeln und dauerhaft in der Regelversorgung verankern.“

Eine umfassende wissenschaftliche Evaluation begleitet die Projekte. Sie soll Erkenntnisse zur Implementierung, Akzeptanz, Wirksamkeit und Qualität der Televisiten liefern. Auch die Kosten-Nutzen-Relation sowie die Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen werden untersucht.

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