Gesundheitsversorgung unter Druck Warum internationale Fachkräfte unverzichtbar sind

Ein Gastkommentar von Tobias Frese 3 min Lesedauer

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Mehr Patienten, eine älter werdende Bevölkerung und ein akuter Mangel an qualifiziertem Personal: Dem deutschen Gesundheitssystem droht eine personelle Schieflage. Besonders spürbar ist diese Entwicklung in der Physiotherapie. Hier fehlen bundesweit tausende Fachkräfte, viele Stellen bleiben monatelang vakant.

Im Ringen um internationale Kräfte sollte Deutschland alle Register ziehen und einheitliche, digitale Anerkennungsverfahren auf den Weg bringen.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Im Ringen um internationale Kräfte sollte Deutschland alle Register ziehen und einheitliche, digitale Anerkennungsverfahren auf den Weg bringen.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Die Versorgungslücke wächst stetig. Zahlreiche Praxen finden kaum noch Bewerber und kämpfen mit lange unbesetzten Positionen. Termine verzögern sich, Wartezeiten steigen, und die Belastung für bestehende Teams nimmt weiter zu. Ohne Unterstützung aus dem Ausland wird es in vielen Regionen kaum noch möglich sein, die Nachfrage zuverlässig zu bedienen. Internationale Fachkräfte sind daher längst ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Versorgung.

Der Fachkräftemangel ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern das Ergebnis langfristiger Entwicklungen. Während der Bedarf durch eine alternde Gesellschaft steigt, verlassen gleichzeitig viele erfahrene Therapeuten den Beruf. Hinzu kommen schwierige Arbeitsbedingungen: geringe Vergütung, hohe Arbeitsdichte und bürokratische Belastung.

Die Folge: Viele Fachkräfte steigen aus oder orientieren sich neu. Gleichzeitig wirken Maßnahmen wie steigende Ausbildungszahlen nur verzögert. Der Bedarf bleibt hoch und wird sich ohne neue Lösungsansätze weiter verschärfen.

Internationale Fachkräfte – und ein analoges System

Physiotherapeuten aus dem Ausland bringen häufig hohe Qualifikationen und große Motivation mit. Für sie bietet Deutschland attraktive Perspektiven. Doch genau hier zeigt sich ein zentrales Problem: Der Weg nach Deutschland ist zwar formal geregelt, aber in weiten Teilen noch immer analog organisiert.

Visaanträge, Anerkennungsverfahren und Behördenkommunikation erfolgen häufig papierbasiert, uneinheitlich und mit langen Bearbeitungszeiten. Zuständigkeiten sind komplex, Prozesse unterscheiden sich je nach Bundesland. Für Fachkräfte bedeutet das: lange Wartezeiten, hohe Kosten und oft Unsicherheit im gesamten Verfahren. Auch für Praxen ist der Aufwand erheblich. Ohne Erfahrung sind die Abläufe kaum effizient zu bewältigen. Das führt dazu, dass vorhandenes Potenzial internationaler Fachkräfte nicht ausgeschöpft wird, obwohl der Bedarf längst akut ist.

Digitalisierung als entscheidender Hebel

Ein zentraler Schlüssel zur Entlastung liegt in der Digitalisierung dieser Prozesse. Einheitliche, digitale Anerkennungsverfahren könnten Bearbeitungszeiten deutlich verkürzen und Transparenz schaffen. Digitale Plattformen für Visa, Dokumentenprüfung und Behördenkommunikation würden Abläufe standardisieren und planbarer machen. Auch für Praxen ergeben sich dadurch Vorteile: Recruiting-Prozesse lassen sich strukturierter aufbauen, Fortschritte besser nachverfolgen und Integration gezielter steuern.

Erste Ansätze wie beschleunigte Fachkräfteverfahren zeigen, dass Verbesserungen möglich sind, aber bislang hinter ihrem Potenzial zurückbleiben. Ohne eine konsequente Digitalisierung droht Deutschland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte weiter an Attraktivität zu verlieren.

Was jetzt passieren muss

Um die Versorgung langfristig zu sichern, braucht es entschlossenes Handeln. Neben besseren Rahmenbedingungen im Beruf sind vor allem schlanke, digitale und bundesweit einheitliche Verfahren notwendig. Anerkennung, Visa und Integration müssen schneller, transparenter und planbarer werden. Auch Praxen sind gefordert, ihre Prozesse weiterzuentwickeln.

Wer internationale Fachkräfte erfolgreich gewinnen will, braucht klare Strukturen, digitale Unterstützung und ein professionelles Onboarding. Entscheidend ist, Integration nicht dem Zufall zu überlassen, sondern aktiv zu gestalten. Fest steht: Der Fachkräftemangel wird nicht verschwinden. Die Frage ist nicht mehr, ob internationale Fachkräfte gebraucht werden, sondern wie schnell es gelingt, ihnen den Weg nach Deutschland effizient zu ermöglichen.

Der Autor
Tobias Frese ist Gründer und Geschäftsführer der Frese Recruiting GmbH. Die Personalagentur vermittelt Physiotherapeuten aus dem Ausland an deutsche Praxen. Dabei übernimmt die Agentur den kompletten Prozess von Auswahl bis Integration.

Bildquelle: Frese Recruiting

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