Die Überprüfung, ob eine theoretische Projektidee sich in der Praxis realisieren lässt, nennt man im Projektmanagement Proof of Concept, kurz PoC, oder alternativ Proof of Principle. Diese Machbarkeitsstudie entscheidet über den weiteren Projektverlauf.
Ein Proof of Concept soll die praktische Umsetzbarkeit einer Projektidee evaluieren.
(Bild: scyther5, Getty Images via Canva.com)
Am Anfang steht immer eine Idee. Erst darauf folgt in der Regel das detaillierte Projektkonzept, was innerhalb der Projektentwicklung aber weiterhin lediglich theoretischer Natur ist. In der Folge ist das eigentliche Proof of Concept auch stets ein wichtiger Meilenstein, denn damit wird die Theorie erstmals tatsächlich in der Praxis auf die Probe gestellt. Die Ergebnisse aus dem Proof of Concept liefern damit gleichermaßen eine Orientierung für den weiteren Projektverlauf.
Im Deutschen lässt sich der Proof of Concept daher auch treffend mit der Bezeichnung „Machbarkeitsstudie“ übersetzen. Ziel dessen ist es, den Verantwortlichen hinter dem Projekt aussagekräftige Eindrücke darüber zu liefern, ob aus der Idee und dem theoretischen Konzept tatsächlich ein praktisches, nützliches, entwicklungsfähiges und baufähiges Produkt entstehen kann. Auf welchem Fokus genau der Proof of Concept dabei liegt, variiert auch entsprechend der Branche: In der IT beziehungsweise innerhalb der Digitalisierung würde beispielsweise eine Schlüsselrolle spielen, ob das Konzept einerseits tatsächlich technisch machbar ist, aber auch dahingehend, ob es strikte Vorgaben des Gesetzgebers erfüllt – speziell wenn sich das anvisierte Produkt innerhalb des Gesundheitswesens bewegt.
Aus Sicht der Projektverantwortlichen, und damit auch des produktführenden Unternehmens, ist ein Proof of Concept deshalb unweigerlich mit einem finanziellen und Ressourcenaufwand verbunden – der aber notwendig ist. Ohne Proof of Concept würde die theoretische (Weiter-)Entwicklung ohne praktisch bewiesene Machbarkeit ein zu hohes Risiko darstellen. Erst nachdem der Proof of Concept erfolgreich ist, sind Unternehmen (und deren Stakeholder sowie Investoren) im Regelfall gewillt, weitere Ressourcen in die Entwicklung zu investieren.
Zweck und Anwendung eines Proof of Concept
Bereits aus den vorherigen Erklärungen geht der grundlegende Zweck des Proof of Concept hervor:
Es soll auf technische und betriebswirtschaftliche Machbarkeit prüfen,
das finanzielle Risiko des Unternehmens frühzeitig innerhalb der Projektentwicklungsphase begrenzen,
wichtige Erkenntnisse und Entscheidungsgrundlagen für die weitere Entwicklung liefern und zugleich
Stakeholder und Investoren überzeugen, gegebenenfalls weitere Mittel in die Entwicklung zu investieren.
Proof of Concepts kommen deshalb zugleich auf vielfältige Weise und in ganz unterschiedlichen Branchen zum Einsatz: Beispielsweise in der IT und der Softwareentwicklung, genauso aber auch bei physischen Produkten und deren Entwicklung sowie in der Wissenschaft. In abgewandelter Form existieren Proof of Concepts zudem in der Welt der Unternehmensgründungen, wobei sich die Vorgehensweise da deutlich von der innerhalb des Projektmanagements und der Produktentwicklung unterscheidet.
Proof of Concepts können außerdem sogar bei bereits existenten Produkten genutzt werden, sofern diese um weitere Funktionen und Features erweitert werden sollen. Ein gutes Beispiel hierfür aus dem Gesundheitswesen wäre beispielsweise die erstmalige Entwicklung sowie spätere Weiterentwicklung der digitalen Patientenakte.
Worin unterscheidet sich ein Proof of Concept von einem Prototyp?
Proof of Concepts sind nicht mit Prototypen zu verwechseln, auch wenn beide Methoden innerhalb der Projekt- und Produktentwicklung Überschneidungen aufweisen. Ein Proof of Concept wird in einer weitaus früheren Phase umgesetzt als ein Prototyp, zudem soll ersterer lediglich die grundlegende Machbarkeit beweisen – während ein Prototyp bereits eine abgespeckte beziehungsweise grundlegende Umsetzung des späteren Produkts darstellt. Ein Prototyp wird daher immer erst dann produziert, wenn der Proof of Concept bereits positive Ergebnisse brachte und die grundlegende Machbarkeit unter Beweis stellte.
Schritte zur Erstellung und Phasen eines Proof of Concept
Einem Proof of Concept gehen immer theoretische Überlegungen voraus. Zunächst ist also eine Idee zu definieren. Anschließend werden Leistungsziele festgelegt – diese enthalten auch wichtige Erfolgskennzahlen, die das Produkt später erreichen soll. Die Idee und die Erfolgskennzahlen werden zusammen im eigentlichen Proof of Concept auf den Prüfstand gestellt.
Nach einer anschließenden Analyse stehen drei Szenarien im Raum: Entweder die Machbarkeit ist bewiesen und der Proof of Concept erreichte die anvisierten Erfolgskennzahlen, dann können die Ergebnisse Stakeholdern und Investoren vorgestellt werden, beispielsweise um weitere Gelder einzusammeln. Bliebe der Proof of Concept gänzlich erfolglos, muss die Idee erneut überprüft und gegebenenfalls verworfen werden. Ist die Idee hingegen generell machbar, aber die Erfolgskennzahlen erreichen nicht die Erwartung, sind detaillierte Anpassungen vorzunehmen – auf die dann typischerweise später ein erneuter Proof of Concept folgt.
Zu berücksichtigen ist hierbei: Der Proof of Concept kann zwar Aspekte der wirtschaftlichen Machbarkeit enthalten, zum Beispiel mit Hinblick auf die Entwicklungskosten, stellt aber keine Marktanalyse dar. Es geht ausschließlich um die generelle Machbarkeit, nicht aber beispielsweise um die spätere Marktreife des Produkts oder die am Markt zu erwartende Nachfrage und Rentabilität. Da lediglich die Machbarkeit geprüft wird, dauert die Erstellung eines Proof of Concept normalerweise nur wenige Tage oder wenige Wochen. So lässt sich zugleich schnell, verlässlich und ressourceneffizient prüfen, ob aus einer reinen Idee in der Praxis tatsächlich mehr werden kann.
Stand: 08.12.2025
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