Gesundheitsdaten europaweit verfügbar machen AOK-Pilotprojekt zur europäischen Patientenkurzakte

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

Die AOK hat in einem Pilotprojekt mit Nutzergruppen Anforderungen an die europäische Patientenkurzakte ermittelt. Die Ergebnisse des Projekts sollen in die weitere Entwicklung der Patientenkurzakte einfließen.

Im Pilotprojekt wurden die Anforderungen an die Patientenkurzakte gemeinsam mit den künftigen Nutzern – Versicherten und Leistungserbringern – erarbeitet.(Bild: ©  Evodigger - stock.adobe.com / KI-generiert)
Im Pilotprojekt wurden die Anforderungen an die Patientenkurzakte gemeinsam mit den künftigen Nutzern – Versicherten und Leistungserbringern – erarbeitet.
(Bild: © Evodigger - stock.adobe.com / KI-generiert)

Während an Funktionalität und Attraktivität der ePA noch gearbeitet wird, ist parallel auch die europäische Patientenkurzakte zu entwickeln, die Ärztinnen und Ärzten EU-weit den Zugriff auf wichtige medizinische Informationen ermöglichen soll. Entsprechend der EHDS-Verordnung soll sie ab März 2029 verfügbar sein. Wie die elektronische Patientenkurzakte fachlich und technisch ausgestaltet werden sollte, hat die AOK connect, die Einheit für digitale Lösungen der AOK-Gemeinschaft, in einem Pilotprojekt untersucht. Das Projekt lief von August bis Dezember 2025 und hatte zum Ziel:

  • die technische Kompatibilität zwischen der zentralen Schnittstelle zum europäischen Gesundheitswesen, dem NCPeH (National Contact Point for eHealth) und dem ePA-Aktensystem zu verifizieren sowie
  • ein PoC (Proof of Concept) zum nutzerzentrierten Vorgehen zu entwickeln, einschließlich einer Pilotimplementierung zur Erprobung der technischen Machbarkeit und Prozesslogik.

„Nur wenn klar ist, was spätere Nutzergruppen benötigen und wie ihr Alltag aussieht, können Anwendungen entstehen, die in der Praxis angenommen werden“, erklärte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, den starken Fokus auf Nutzer- und Praxistauglichkeit im Projekt. Versicherte wie auch Leistungserbringer waren daher von Anfang an in Form von Nutzergruppen beteiligt.

So wurden die Anwender eingebunden

Für die Testgruppe der Versicherten wurden Teilnehmende zwischen 30 und 75 Jahren mit ausgewogener Geschlechterverteilung ausgewählt, die regelmäßig die ePA nutzten und auch schon einmal im Ausland auf ärztliche Hilfe angewiesen waren. In ca. 60-minütigen Interviews sollten sie zunächst berichten, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten haben, welche Hürden es zu überwinden gab und was ihnen geholfen hätte. Auch ihre Erwartungen zum Prozess und den zu teilenden Daten wurden erfragt. Im nächsten Schritt konnten sie einen Prototyp der AOK-App testen, in den die Patientenkurzakte integriert war.

Um die Sicht der Leistungserbringer zu erfassen, organisierten die Projektverantwortlichen einen halbtägigen Workshop mit Fachärzten und Notfallmedizinerinnen. Dabei wurden typische Versorgungsszenarien durchgespielt, etwa im Notfall oder bei der Weiterbehandlung chronisch Erkrankter im europäischen Ausland. Vertreter der gematik brachten zudem die regulatorische Perspektive ein und beantworteten Fagen zu Interoperabilität, Datensicherheit und Integrationsfähigkeit in bestehende nationale und europäische Infrastrukturen.

Erkenntnisse aus der Pilotierung

Den Mehrwert der europäischen Patientenkurzakte sahen die Teilnehmenden der Nutzergruppen vor allem bei akuten Erkrankungen, Notfällen und Unfällen sowie bei der Behandlung chronischer Erkrankungen im Ausland. Wichtig in diesen Situationen: ein schneller Zugriff der Leistungserbringer auf zentrale medizinische Informationen. Kornell Adolph, Geschäftsführer von AOK connect, schildert eine typische Situation: „Sie kommen im Urlaubsort an und stellen fest, dass Sie Ihre Medikamente vergessen haben oder unerwartet krank geworden sind“. Der Arzt zuhause kann telefonisch oder per Videogespräch kontaktiert werden, doch wie kommt man im Urlaubsort an die verordneten Medikamente? Die europäische Patientenkurzakte werde dem Apotheker notwendige medizinische Informationen und verordnete Medikamente anzeigen, so Adolph.

Vorgesehen ist ein „EU-Zugriffscode“, den Versicherte künftig über ihre nationale elektronische Patientenakte erzeugen können, um bei Bedarf relevante Informationen wie Diagnosen oder Medikationsplan freizugeben. Den Versicherten sind Transparenz, Sicherheit und Kontrolle wichtig. So sollte etwa der Ablauf der Datenfreigabe verständlich, am besten auch visuell dargestellt werden. Zu den weiteren Anforderungen gehören eine integrierte Dolmetscher-Funktion (die Patientenkurzakte sollte in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung stehen) sowie ein schneller Zugriff durch Integration in die Notfalldaten des Endgeräts und Anzeige als Widget auf dem Sperrbildschirm.

Leistungserbringer wünschen sich eine einfache, intuitive Bedienung und sehen die vollständige Integration in die Praxis- und Krankenhaus-Software als wichtige Voraussetzung für das Nutzen der Patientenkurzakte. Auch zu Inhalten und Daten formulierten sie konkrete Anforderungen. In einem Whitepaper hat AOK connect die Erkenntnisse aus dem Projekt zusammengefasst und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Die Ergebnisse der Pilotierung, die die AOK stellvertretend für die Krankenkassen in Deutschland übernommen hat, sind an das Bundesgesundheitsministerium und die gematik übergeben worden und sollen in die weitere Entwicklung der europäischen Patientenkurzakte einfließen. Im Rahmen des Projekts hat die elektronische Patientenakte der AOK, die von den Dienstleistern Partnern EY und IBM weiterentwickelt wird, zudem als erstes deutsches Aktensystem die Zulassung auf europäischer Ebene erhalten.

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