Das Gesundheitswesen muss hohe Anforderungen an die Datensicherheit mit der effizienten Bereitstellung von Versorgungsleistungen in Einklang bringen. Die jüngsten Angriffe auf Einrichtungen im Gesundheitswesen zeigen, wie verwundbar kritische Infrastrukturen und wie komplex und verzahnt Lieferketten sind.
Cyber-Resilienz heißt auch, die Patientenversorgung zu sichern.
Das Pathologielabor Synnovis führt in der Regel 10.000 Bluttests in Großbritannien durch. Aufgrund eines Ransomware-Angriffs im Juni 2024 sank die Zahl der Bluttests auf 400 täglich und zwang die betroffenen Londoner Krankenhäuser, insgesamt rund 800 Operationen und etwa 700 ambulante Termine zu verschieben.
Bei einem anderen Angriff waren 12,9 Millionen Australier (fast die Hälfte der australischen Bevölkerung) von einem Hackerangriff auf MediSecure betroffen, einem Anbieter elektronischer Rezepte. Die Opfer werden möglicherweise nie erfahren, dass ihre persönlichen Daten kompromittiert wurden. So erklärte der australische Premierminister, dass er nicht wisse, ob er selbst betroffen sei. Es wurde bekannt, dass 6,5 TB Daten eines Datenbankservers nach einem Ransomware-Angriff kompromittiert wurden, den das Unternehmen im April entdeckt hatte. MediSecure meldete nach dem Hackerangriff Insolvenz an. Viele Gesundheitseinrichtungen mussten sich nach einer Alternative umsehen, wodurch die Patientenversorgung beeinträchtigt war.
Auch in Deutschland wurden in den letzten Monaten immer wieder Gesundheitseinrichtungen Opfer von Cyberattacken. So fand im Juni 2024 ein Hackerangriff auf das Krankenhaus Agatharied in Bayern statt, was erhebliche IT-Probleme und Einschränkungen in der Kommunikation zur Folge hatte. Anfang September dieses Jahres ging in den Wertachkliniken in Bobingen und Schwabmünchen nichts mehr – alle IT-Systeme waren blockiert, Operationen mussten abgesagt werden, alles lief nur noch analog auf Papier. 300 Gigabyte Daten wurden später im Darknet veröffentlicht. Und das, obwohl die Kliniken im Vorfeld bereits einiges getan hatten, um das Risiko zu verringern. Dennoch fanden die Cyberkriminellen ein Schlupfloch.
Auch die Johannesstift Diakonie in Berlin wurde Mitte Oktober 2024 Opfer eines Hackerangriffs. Wie der Konzern auf seiner Webseite mitteilte, waren alle zentralen Server betroffen. Eine Kommunikation per E-Mail war nicht mehr möglich. Der Großteil der IT-Systeme sei ausgefallen. Patientendaten, die Personaleinsatzplanung und die Terminplanung waren betroffen. Krankenhäuser mussten einige planbare Eingriffe verschieben.
Wie Gesundheitsorganisationen reagieren können
Aufgrund der Auswirkungen auf das Wohlergehen und Leben der Bürger wird die Politik neue Vorschriften und Regelungen veranlassen, um die IT-Widerstandsfähigkeit zu stärken. Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten jetzt damit beginnen, ihre Resilienz gegenüber destruktiven Cyber-Angriffen zu verbessern, um eine kontinuierliche Patientenversorgung zu gewährleisten. Zudem verringern sie damit den künftigen Aufwand zur Einhaltung von Vorschriften, sobald diese in Kraft treten. Folgende Schritte sind auf diesem Weg unerlässlich:
Genaues Verständnis der Daten: Unternehmen müssen genau wissen, welche Daten sie besitzen, welchen Wert diese für die Bereitstellung von Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen haben und welche regulatorischen Verpflichtungen für diese Daten gelten. Nur dann können sie den Behörden melden, welche Daten bei einem Angriff beschädigt oder gestohlen wurden. Unternehmen müssen ihre Daten indizieren und klassifizieren, einschließlich der Klassifikation gemäß ihrer jeweiligen Datenstrategie. Dies sollte nicht nur für strukturierte Datenquellen wie Datenbanken gelten, sondern auch für alle unstrukturierten Daten, die im Unternehmen verteilt sind.
Zugriff regeln: Sind die Daten korrekt klassifiziert, können Richtlinien und Rechte automatisch durchgesetzt werden, die den Zugriff auf die Daten regeln.
Angriffe überstehen: Um weiterhin Dienstleistungen für Patienten und die Versorgungskette zu erbringen, muss eine Organisation in der Lage sein, ihre kritischen Dienste schnell wieder in einen vertrauenswürdigen Zustand zu versetzen. Ein Ransomware- oder Wiper-Angriff kann bedeuten, dass nichts mehr funktioniert: Zutrittskontrollsysteme, E-Mail, Voice-over-IP-Telefonsysteme oder Authentifizierungsserver, die den Zugang zu medizinischen Geräten steuern. Die Systeme zur Untersuchung und Ursachenermittlung des Vorfalls können ebenfalls nicht verfügbar sein. Möglicherweise muss das IT-Betriebsteam das Sicherheitsteam bei der Wiederherstellung der Reaktionsfähigkeit unterstützen, bevor die Untersuchung beginnen kann. Infizierte Hosts und Netzwerke zu isolieren, um den Vorfall einzudämmen, kann Probleme mit einigen Sicherheitstools verursachen. Dies erschwert die Reaktion und verzögert die Wiederherstellung zusätzlich. Eine Wiederherstellung ohne Untersuchung und Schadensbegrenzung führt dazu, dass Lücken in den Sicherheitskontrollen, Schwachstellen und Persistenzmechanismen bleiben. Sogar Phishing-E-Mails, die den Vorfall ausgelöst haben, schlummern oft weiterhin in wiederhergestellten E-Mail-Postfächern. Um die Auswirkungen auf die Patientenversorgung zu minimieren, ist es notwendig, die Untersuchung zu beschleunigen und eine schnelle Reaktion zu ermöglichen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Clean Room
Für den Fall eines Angriffs müssen Gesundheitsinstitutionen daher vorbeugend einen „Clean Room“ bereitstellen, auf den Angreifer keinen Zugriff haben. Dieser muss innerhalb von Minuten einsatzbereit sein und vertrauenswürdige Werkzeuge sowie andere wesentliche Elemente bereitstellen, wie Arbeitsabläufe und Kontaktlisten, um den Vorfall zu bewältigen. Ein solcher „Clean Room“ ermöglicht auch dann Untersuchungen, wenn Systeme isoliert wurden, und beschleunigt so die Recovery-Prozesse zusätzlich. Die Vorbereitung und die Reaktion auf einen Vorfall bilden die Grundlage der meisten aktuellen Vorschriften, einschließlich NIS-2, DORA und DSGVO.
Effiziente Backup- und Recovery-Lösung
Einrichtungen des Gesundheitswesens stehen bei der Verwaltung und Sicherung von digitalen Gesundheitsdaten und elektronischen Patientenakten vor vielen Herausforderungen. Diese ergeben sich aus der schieren Menge und Komplexität der Gesundheitsdaten, Patientenakten, Bilddateien, Laborergebnisse und Verwaltungsdokumente, die eine sorgfältige Verwaltung und Sicherung erfordern. Gesundheitsdienstleister müssen strenge regulatorische Anforderungen erfüllen, die robuste Datenschutzmaßnahmen umfassen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten und das Risiko rechtlicher Sanktionen zu verringern.
Bei der Behandlung und Pflege von Patienten ist Zeit ein entscheidender Faktor. Jede Ausfallzeit kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Deshalb benötigen Einrichtungen des Gesundheitswesens eine moderne Backup- und Recovery-Lösung, die eine hohe Performance bietet und schnelle Sicherungs- und Wiederherstellungsprozesse ermöglicht, um Unterbrechungen der Patientenversorgung und der betrieblichen Abläufe zu minimieren. Ein schneller Zugriff auf präzise Patienteninformationen ist für eine zeitnahe und effektive Versorgung unerlässlich, daher sind Geschwindigkeit und Effizienz der Backup- und Wiederherstellungsprozesse von entscheidender Bedeutung.
Zudem ist der Schutz der Datenintegrität im Gesundheitswesen unverzichtbar. Funktionen, die ein unbefugtes Ändern oder Löschen von Backup-Daten verhindern, stellen die Integrität und Zuverlässigkeit von System-Backups sicher.
Werden die oben genannten Faktoren berücksichtigt und arbeiten Organisationen im Gesundheitswesen mit einem vertrauenswürdigen Datenmanagement-Anbieter zusammen, können sie ihre Cyber-Resilienz erhöhen sowie ihre Reaktions- und Wiederherstellungsfähigkeiten verbessern. Zudem gewährleisten sie die Kontinuität der Patientenversorgung und der medizinischen Forschungsinitiativen angesichts der wachsenden Bedrohung durch Ransomware.
James Blake Global Head of Cyber Resilience Strategy bei Cohesity