Die Active PD-App bietet Menschen mit Parkinson-Krankheit die Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu testen und Fragen zu ihrem allgemeinen Wohlbefinden zu beantworten.
Die neue Anwendung läuft innerhalb eines Projekts bis Ende 2025: Forscher untersuchen die Lebensqualität von Parkinson-Patienten mithilfe digitaler Lösungen.
Man ist ganz ruhig, doch die Arme und Beine beginnen zu zittern. Die Muskeln werden steif und im Gehirn sterben Nervenzellen ab – Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, für die es bislang keine Heilung gibt. Medikamente gegen Parkinson können die Symptome lindern, indem die Botenstoffe – mit Zuführung von Dopamin oder der Unterbindung des Abbaus von vorhandenem Dopamin – ins Gleichgewicht gebracht werden. Doch verhindern Arzneimittel nicht das Absterben von Nervenzellen und somit auch nicht das Fortschreiten der Krankheit. Was folgt, sind oft weitere negative Effekte, körperlich wie auch geistig. Zum Beispiel können Sehstörungen, Demenz oder Depressionen auftreten.
In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an Parkinson. Die Erkrankung schreitet schleichend voran, weshalb neue Symptome häufig weder von Patienten, noch von Angehörigen erkannt werden. Für viele Betroffene ist allein der Weg in die Arztpraxis schon eine besondere Herausforderung, zumal die Praxen in ländlichen Gebieten auch schwer zu erreichen sind. Informationen können folglich schlecht an die Ärzte und das zuständige Behandlungsteam weitergegeben werden.
Da die Krankheit bei jedem Menschen aber unterschiedlich verläuft und die Prognose dadurch erschwert wird, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten, -Praxen, und -Unternehmen, eine Webplattform und eine mobile App entwickelt, die die Lebensqualität von Parkinson-Patienten verbessern soll. Die Technologie hilft, die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten aufrechtzuerhalten und regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu ermöglichen.
Am Anfang mussten zunächst grundsätzliche Fragen geklärt werden: Wie eine App für Parkinson-Patienten entwickelt werden kann, welche Informationen diese Menschen erhalten wollen und wie die Daten in beiden Anwendungen am besten – benutzerfreundlich für alle betroffenen Gruppen – visualisiert werden können. „Wie erfüllen wir die Anforderungen am effektivsten?“, fasste Wolferts zusammen. Er und sein Team arbeiteten gemeinsam an dem Ziel, dass künftig alle notwendigen Tests und Untersuchungen direkt auf dem eigenen Handy durchzuführen sind. Übungen, die zwar herausfordernd für Parkinson-Patienten, aber machbar sind.
Wie das nun genau möglich wird, geschieht folgendermaßen: Sowohl die Webplattform als auch die Smartphone-App sind über Bluetooth mit einer Apple Watch gekoppelt. „Die App mit dem Namen ‚Active PD‘ wird nach einer ersten Eingewöhnungsphase von den Patienten selbst genutzt. Die mit der App gesammelten Daten werden an die Webplattform übermittelt, die Ärzten zur Verfügung steht“, erklärte Daniel Wolferts, Wissenschaftler am Fraunhofer FIT. Über jene Plattform kommunizieren die Mitarbeiter und Experten im Gesundheitswesen miteinander. Die Technologie verfolgt dabei ein proaktives, bedarfsorientiertes und sektorübergreifendes Versorgungsmodell, das Angehörige entlasten und vor allem eine bessere Patientenversorgung gewährleisten soll.
Momentan laufen die Anwendungen innerhalb des Projekts „ParkProReakt“ und befinden sich noch bis Dezember 2025 in der Testphase. Beteiligt daran sind die Studienzentren, die sowohl die App als auch die Webplattform in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg, sowie in der Praxis für Neurologie Hamburg-Walddörfer testen und anwenden.
Die Klinische Studie
Die Studie zum Projekt wird im Juni nächsten Jahres enden. Über 170 Erkrankte sind daran beteiligt: Eine Gruppe erhält die technischen Hilfsmittel, eine andere nicht. Die Patienten mit den Applikationen sollen etwa zweimal pro Woche ihre motorischen Fähigkeiten über die Apple Watch durchführen. Die Sensorik nimmt dabei die Motorik und die Befindlichkeit auf und hilft den Ärzten, Symptome besser einzuschätzen und schneller reagieren zu können. Die Kamera des Handys erkennt den Daumen und Zeigefinger und misst deren Abstand zueinander. Möglichst schnell hintereinander sollen dann Daumen und Zeigefinger zusammen getippt werden, was den Betroffenen aber aufgrund ihrer Krankheit eher schwerfallen wird. In der nächsten Übung soll mit einer Hand eine Faust geformt und dann wieder ganz weit geöffnet und geschlossen werden.
Außerdem wird getestet, ob die Patienten in der Lage sind ihre Hand für einen bestimmten Zeitraum ohne Zittern ruhig zu halten. Zu den Übungen werden dann noch Fragen zum Wohlbefinden gestellt. So unterstützt die App die Patienten auch auf emotionaler Ebene. Wenn sich der Zustand des Erkrankten drastisch verschlechtern sollte, informiert ein Ampelsystem den behandelnden Arzt. Außerdem können auch andere Fälle über die App gemeldet werden, beispielsweise im Falle eines Sturzes.
Stand: 08.12.2025
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„Wir hoffen, den Versorgenden mit der digitalen Lösung einen besseren Einblick in den Alltag der Patientinnen und Patienten geben zu können und die Lebensqualität der Betroffenen positiv beeinflussen zu können, sodass sich das Konzept im Erfolgsfall auf andere neurologische Erkrankungen ausweiten lässt“, so Wolferts. Noch sind die Applikationen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, zudem wurden die technischen Anwendungen vorerst nur für Apple-Betriebssysteme entwickelt. Nach Ende der Projektlaufzeit werden allerdings die Ergebnisse nochmal zusammenfasst und schließlich veröffentlicht.