Digitale Entscheidungsunterstützung Blutstrominfektionen mittels Web-App besser behandelbar

Von Johannes Kapfer 1 min Lesedauer

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Blutstrominfektionen gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen und stellen Kliniken vor große therapeutische Herausforderungen. Eine im Rahmen der BMBF-Medizininformatik-Initiative entwickelte Web-App zeigt nun vielversprechende Ergebnisse bei der Unterstützung klinischer Entscheidungen.

Sogenannte Krankenhauskeime, also während eines Krankenhausaufenthalts erworbene Infektionen, sind der Ärzteschaft seit langem ein Dorn im Auge. Gelangen diese Keime in die Blutbahn, kann eine Infektion in kurzer Zeit lebensgefährlich werden. Mittels einer Web-App sollen diese Infektionen zügiger erkannt werden.(Bild: ©  wiparat - stock.adobe.com)
Sogenannte Krankenhauskeime, also während eines Krankenhausaufenthalts erworbene Infektionen, sind der Ärzteschaft seit langem ein Dorn im Auge. Gelangen diese Keime in die Blutbahn, kann eine Infektion in kurzer Zeit lebensgefährlich werden. Mittels einer Web-App sollen diese Infektionen zügiger erkannt werden.
(Bild: © wiparat - stock.adobe.com)

Staphylokokken-Blutstrominfektionen erfordern eine spezialisierte infektiologische Expertise, die nicht in allen Kliniken verfügbar ist. Besonders kleinere Häuser ohne eigene Infektiologen stehen vor der Herausforderung, komplexe Therapieentscheidungen zu treffen. Hier setzt das HELP-Manual an. Dabei handelt es sich um eine digitale Lösung, die Ärztinnen und Ärzten direkt am Patientenbett evidenzbasierte Entscheidungsunterstützung bietet. Ein Konsortium der Universitätskliniken Jena, Aachen, Essen, Halle und Leipzig hat die Web-App als digitales Handbuch konzipiert. Die Anwendung führt die Anwenderinnen und Anwender schrittweise durch die leitliniengerechte Diagnostik und Therapie von Staphylokokken-Blutstrominfektionen und beantwortet zentrale Fragen wie etwa die Notwendigkeit einer Antibiotikatherapie oder die optimale Therapiedauer.

In einer prospektiven, multizentrischen Studie über 134 Stationen deutscher Kliniken mit mehr als 5.000 Patientinnen und Patienten wurde die App evaluiert. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen eine geringfügig niedrigere Sterblichkeit auf Stationen mit HELP-Manual im Vergleich zu Kontrollstationen. Obwohl sich bei der Langzeitsterblichkeit und den Reinfektionsraten keine signifikanten Unterschiede nachweisen ließen, bestätigt dies – in den Augen des BMBF – die Sicherheit und Wirksamkeit der App-gestützten Behandlung. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Einsatz von Antibiotika zwischen App-betreuten und „regulären“ Stationen kaum unterschied. Dies deute darauf hin, dass die digitale Unterstützung nicht zu einer Über- oder Untertherapie führe, sondern vielmehr die Behandlungsqualität stabilisiere, betonen die Verantwortlichen der Applikation.

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