MB-Monitor 2024 Bürokratie, Personalmangel und IT als Stressfaktoren

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Personalknappheit und eine ohnehin schon hohe Arbeitsbelastung machen angestellten Ärztinnen und Ärzten zu schaffen, berichtet der Marbuger Bund im MB-Monitor 2024; und die IT macht ihnen das Leben offenbar nicht gerade leichter.

Angesichts Bürokratie, ineffizienter IT und zunehmenden Personalmangels denken nicht wenige angestellte Ärzte und Ärztinnen über einen Jobwechsel nach.(©  Elnur – stock.adobe.com)
Angesichts Bürokratie, ineffizienter IT und zunehmenden Personalmangels denken nicht wenige angestellte Ärzte und Ärztinnen über einen Jobwechsel nach.
(© Elnur – stock.adobe.com)

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen soll die Angestellten eigentlich entlasten. In einer vom Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) durchgeführten Online-Befragung von 9.649 angestellten Ärztinnen und Ärzten zeigte sich jedoch: Etwa zwei von drei Befragten sind sind mit der IT-Ausstattung an ihrem Arbeitsplatz „eher unzufrieden“ (38 Prozent) oder gar „unzufrieden“ (27 Prozent). Wenig zuträglich dürfte dabei der Umstand sein, dass 52 Prozent der Ärztinnen und Ärzte angaben, identische Daten häufig mehrfach eingeben zu müssen. Gelegentlich kommt dies noch bei 37 Prozent der Befragten vor, nur 12 Prozent berichten von seltenen Mehrfacheingaben.

Gleichzeitig hemmt die Bürokratie die Effizienz im Arbeitsalltag: Durchschnittlich drei Stunden pro Tag verbringen Ärzte mit Verwaltungstätigkeiten und Dokumentation, berichtet der Marburger Bund. All dies trägt seinen Teil dazu bei, dass die Arbeitsbelastung fast durchweg als hoch oder zu hoch empfunden wird: 49 Prozent der Befragten fühlen sich häufig überlastet, elf Prozent gehen nach eigenen Angaben ständig über ihre Grenzen. Bei 38 Prozent hält sich der Stress in Grenzen und nur zwei Prozent empfinden bei ihrer Arbeit keinen Stress.

Schwerer fällt allerdings die angespannte Personalsituation ins Gewicht: 59 Prozent der Befragten beurteilen die ärztliche Personalbesetzung in ihrer Einrichtung als „schlecht“ (16 Prozent) oder „eher schlecht“ (43 Prozent). 37 Prozent empfinden sie als „eher gut“, nur fünf Prozent als „sehr gut“. Dies könnte sich in Zukunft weiter verschärfen, denn nicht wenige Umfrageteilnehmer denken über einen Berufswechsel nach. Auf die Frage „Erwägen Sie, Ihre ärztliche Tätigkeit in der Patientenversorgung ganz aufzugeben?“ antworteten 28 Prozent mit „ja“, das sind drei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2022. Für 56 Prozent kommt ein Berufswechsel nicht infrage, 16 Prozent sind unentschlossen.

Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, äußert sich mit Blick auf diese Zahlen besorgt: „Eine zunehmende Anzahl von angestellten Ärztinnen und Ärzten in den Kliniken sieht keine dauerhafte Perspektive in der kurativen Medizin. Das muss uns sehr zu denken geben.“ Erschwerend käme das Wegbrechen der „Babyboomer“ hinzu. „Die Krankenhäuser müssen die Bedingungen so gestalten, dass Höchstgrenzen eingehalten werden, flexible Arbeitszeitmodelle zur Anwendung kommen und auch ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind“, rät Johna. „Und natürlich muss der Personalschlüssel so bemessen sein, dass nicht zwei die Arbeit von dreien machen.“

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