Mit Open Source zur digitalen Souveränität

Der hippokratische Eid – aber digital

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Von anderen lernen

Ein Land, das das verstanden hat, ist Taiwan. Die Digitalisierungsministerin des Landes, Audrey Tang, hat es geschafft, Datenpools aufzubauen und die Menschen so – ebenso wie durch offene Quellcodes – zusammenzubringen. Peter Ganten beschreibt das als „Kultur-Shift“, der während der Pandemie in Taiwan stattfand. Tang habe es so geschafft, in dem Land eine gemeinsame Atmosphäre der Offenheit zu schaffen. „Und so konnten sehr schnell und sehr effizient Lösungen entwickelt werden. So etwa eine Karte, die während der Pandemie anzeigte, in welchen Geschäften und Apotheken noch Masken verfügbar waren“, erklärt er weiter.

Doch nicht nur im medizinischen Bereich sei Taiwan uns voraus. „Auch im gesamten E-Government-Bereich setzt das Land auf offene Plattformen mit offenen, allgemein verfügbaren Daten“, wie Ganten erläutert. „Und es gibt offenen Code – und so kann sich dann ein Ökosystem von Innovation entwickeln. Eine solche Plattform fehlt uns in Deutschland sowohl im E-Government als auch in der Medizin.“ Um auch in Deutschland mehr Innovation zu ermöglichen, sei eine solche Platform deshalb auch hierzulande notwendig.

Wir (be)schaffen das

Bereits heute bildet Open Source Software die Grundlage zahlreicher Anwendungen. Große Plattformen wie Facebook, Twitter, Amazon und Co. sind so etwa mit offenen Codes gebaut. Das Problem besteht jedoch darin, dass sie von den Herstellern nicht als solche zur Verfügung gestellt werden. Grund dafür sei die Absicht der Hersteller, Geld mit ihrer Software zu verdienen, wie Peter Ganten erklärt. „Hier muss regulatorisch abgewogen werden, ob das Gesamtsystem erfolgreicher und innovativer ist, wenn man das Gegeneinander und die fehlende Interoperabilität in Kauf nimmt, oder ob es auf bestimmten Ebenen nicht doch Open Source sein sollte.“

Um Open Source Software im staatlichen Bereich zu etablieren, könnten jedoch Marktanreize gesetzt werden, indem offenen System bei der Beschaffung der Vorzug gegeben würde. So könnten auch Dritte mit der Pflegesoftware beauftragt werden, was auch Herstellerwechsel ermöglichen würde. „Hierbei spielt die Nachfrageseite eine wichtige Rolle. Gleichzeitig – und das sehen wir, als Open Source Business Alliance, auch in anderen Industrien – ist das Verständnis dafür, dass man mit offenen Ansätzen sehr viel erfolgreicher und schneller vorankommt – in der IT-Industrie bereits teilweise angekommen. Wir sehen aber auch, dass es in anderen Industrien noch eine Weile dauert“, so Ganten.

Thema der digitalen Souveränität ist im Allgemeinen die Frage nach der Datenhoheit. „Und ich finde, das ist ein sehr legitimes und schützenswertes Interesse von Menschen“, resümiert Ganten. „Wir müssen den hippokratischen Eid also in die Digitalisierung übersetzen.“

Digitale Souveränität und Public Cloud

Ein wichtiger Punkt bei der Digitalen Souveränität ist, wo Daten gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Da speziell bei den US-amerikanischen Hyperscalern AWS, Microsoft Azure und Google immer die Frage offen bleibt, ob nicht doch US-Behörden Zugriff auf die gespeicherten Daten deutscher Kunden haben, sind viele Krankenhäuser und Arztpraxen hier vorsichtig. Als Alternative bringen sich hier europäische Cloud-Provider in Stellung, etwa die deutsche T-Systems mit der Open Telekom Cloud in Deutschland oder OVH in Frankreich. Dass auch mit Hyperscalern digitale Souveränität erreicht werden kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Japan, wo Fujitsu Azure für eine neue Healthcare-Plattform nutzt, die beispielsweise medizinische Daten automatisch so konvertiert, dass sie mit dem HL7-FHIR-Standard konform sind. Durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfüllt die Lösung die Richtlinien des japanischen Gesundheitsministeriums.
Gerade Krankenhäuser halten Daten lieber im eigenen Rechenzentrum, nicht zuletzt aus Performance-Gründen, etwa für den Zugriff auf Daten aus bildgebenden Verfahren. Hier stellen Datacenter-as-a-Service-Lösungen wie HPE Greenlake, Dell Apex oder Lenovo Truscale eine Möglichkeit für nutzungsabhängige Bezahlung und bessere Skalierung dar. kl

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