Digitalisierung

Die Cloud im Gesundheitswesen

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Der Wille ist da

Gleichzeitig sind den Befragten aber die Vorteile bewusst: 89 Prozent denken zum Beispiel, dass durch eine Cloud-Nutzung das Personal entlastet werden kann. Die Kommunikation werde durch den ortsunabhängigen Zugriff erleichtert. Und: Die IT-Sicherheit könne besser gewährleistet werden. „Security-Spezialisten sind sehr rar auf dem Markt, und mit einer gehosteten Lösung verpflichtet man sich auch, einen gewissen Standard an Security einzukaufen. Dies entlastet das eigene Team“, bestätigt Sebastian Polag, Vorstand der Agaplesion gAG.

Und weshalb wird sie dann nicht genutzt? Auch darauf gibt die Umfrage Antworten: 71 Prozent sehen das Fehlen an qualifizierten Fachkräften in der IT als Hürde für die Nutzung der Cloud, und für 55 Prozent ist die Skepsis hinsichtlich des Datenschutzes das größte Hindernis. Diesem Argument widerspricht Polag. Er sagt, dass „ein Hauptgrund für die Skepsis gegenüber Cloud das Bedürfnis ist, die Daten bei sich selbst liegen zu haben, wohlwissentlich, dass der Serverschrank im Keller eines Krankenhauses wahrscheinlich viel mehr Risiken birgt als eine gut abgesicherte Cloud-Lösung“.

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In Zukunft wird ein eigener Cloud Broker im Haus gebraucht werden, um die verschiedenen Anbieter und Systeme managen zu können, denn es wird nie die eine Cloud für alle Lösungen sein

Stefanie Kemp, Chief Transformation Officer der Sana Kliniken

Als weiteres Hindernis wurde genannt, dass zwar die Beschaffung von Cloud-basierten Kapazitäten flexibler sei – aber schwerer budgetierbar. Flexible Finanzierungsmodelle, wie Leasing oder Pay-per-use, die die Vorteile der Cloud im Bereich Skalierung ermöglichten, seien in der klassischen Budgetplanung im Krankenhaus wie auch im KHZG nicht abgebildet, wie Stefanie Kemp, Chief Transformation Officer der Sana Kliniken AG, betont. Ein krankenhausübergreifender Roll-out sei eine „große ökonomische Herausforderung“. Im Falle der Sana Kliniken müssten laut Kemp bei einer konzernweiten Implementierung alle der 19 im Betrieb befindlichen KIS-Systeme einzeln über Schnittstellen angeschlossen werden. „Damit wäre das ökonomische Prinzip und die Effizienzsteigerung der Digitalisierung nicht erfüllt“, betont Kemp. Eine harmonisierte Infrastruktur oder eine Zentralisierung durch eine Plattform würden hier bedeutende Vorteile bieten und Produktivität schaffen.

Hohes Potenzial – hohe Hürden

Das Potenzial wird also hoch eingeschätzt, aber ebenso die Hürden. Transparenz dürfte hier eines der Schlüsselwörter sein, um Vertrauen zu schaffen und die Nutzung zu befeuern. Hier ist laut Reinhardt bereits ein Umdenken zu spüren. Man habe „mittlerweile realisiert, dass Datenschutz und -sicherheit nur durch überprüfbare Standards und deren Kontrolle gewährleistet werden kann“.

Die Befragten der Studie fordern ebendiese klaren, einheitlichen Standards für den Austausch von Daten und die Kommunikation im Gesundheitswesen. Außerdem müsse die jeweilige, individuelle Cloud-Lösung bedarfsorientiert aus den verschiedenen Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Konzepten ausgewählt werden. „Die SBK fährt dabei eine Multi-Vendor-Strategie, bei der die Hersteller mit der jeweils höchsten Kompetenz zu einem Use-Case beauftragt werden“, erklärt Dr. Ullrich das Vorgehen seiner Kasse. Auch die Sana Kliniken setzen auf Vielfalt. „In Zukunft wird ein eigener Cloud Broker im Haus gebraucht werden, um die verschiedenen Anbieter und Systeme managen zu können, denn es wird nie die eine Cloud für alle Lösungen sein“, erläutert Kemp.

Unter den Beteiligten der Umfrage herrschte Konsens, dass der Umbau auf eine moderne Infrastruktur inklusive Cloud nicht nur eine technische Herausforderung sei, sondern auch eine von „People and Culture“. Es brauche eine „Bereitschaft zur Veränderung“. Nur so könne das Zielbild einer inter­sektoralen Versorgung erreicht werden.

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