Für mehr Umwelt- und Nutzerfreundlichkeit Die Digitalisierung des Beipackzettels

Von Chiara Maurer 2 min Lesedauer

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Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt voran – aber die Packungsbeilage kommt noch immer in Papierform als Arzneimittel-Origami mit jedem Medikament. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern muss auch nicht so sein.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie macht sich für die Digitalisierung der Packungsbeilage stark.(©  Santje09 – Getty Images via Canva.com)
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie macht sich für die Digitalisierung der Packungsbeilage stark.
(© Santje09 – Getty Images via Canva.com)

Es kann lästig sein. Ein Origami aus einer schier endlosen Liste von Nebenwirkungen, Anwendungsbereichen und Warnungen – einmal aufgefaltet kaum zu bändigen, geschweige denn in den kleinen Karton zu bekommen, aus dem sie kam. Die Packungsbeilage für Arzneimittel dürfte die Meisten schon einmal in den Wahnsinn getrieben haben. Dabei bietet die Digitalisierung dieser Informationen nicht nur zahlreiche Vorteile, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Eine aktuelle Studie, beauftragt unter anderem vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) e.V., zeigt, dass die herkömmlichen Beilagen aus Papier echte Umweltsünder sind. So trägt die Herstellung, der Druck, die Verpackung und der Transport von Papier-basierten Packungsbeilagen erheblich zur Umweltbelastung bei. Dr. Boris Thurisch, Geschäftsführer Safety Affairs und Geschäftsfeldleiter Umwelt und Nachhaltigkeit beim BPI, erklärt dazu: „Im Jahr 2022 wurden in Deutschland mehr als 1,5 Milliarden Packungsbeilagen produziert, was hochgerechnet 10.500 Tonnen CO2-Äquivalenten entspricht. Durch die Digitalisierung der Packungsbeilage ließen sich 90 Prozent davon einsparen.“

Um pharmazeutischen Unternehmen eine transparente Bewertung zu ermöglichen, haben das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML sowie das IGES Institut den „Carbon Calculator“ entwickelt. „Das Tool erlaubt es pharmazeutischen Unternehmen, ihren CO2-Fußabdruck der papierbasierten Gebrauchsinformationen mit der elektronischen Version zu vergleichen. Berücksichtigt wird dabei der gesamte Herstellungs- und Vertriebsprozess sowie Größe, Gewicht, Gesamtauflage der Packungsbeilage“, erklärt Thurisch. Berücksichtigt werden dabei der gesamte Herstellungs- und Vertriebsprozess sowie Größe, Gewicht und Gesamtauflage der Packungsbeilage.

Umwelt- und benutzerfreundlich

Die Vorteile der digitalen Packungsbeilage gehen jedoch über die Umweltaspekte hinaus. Patientinnen und Patienten profitieren von stets aktuellen Informationen, der Möglichkeit zur individuellen Anpassung der Schriftgröße und der Option, sich Texte vorlesen zu lassen. In Situationen von Arzneimittel-Lieferengpässen können auf digitale Versionen in verschiedenen Sprachen zugegriffen werden, was die Patientenversorgung verbessert.

Um die Digitalisierung der Packungsbeilage weiter voranzutreiben, wurde das Projekt Gebrauchsinformation 4.0 (projekt GI 4.0) ins Leben gerufen. Ein Zusammenschluss von Industrie, Zulassungsbehörden, Verbänden und Patientenvertretungen, koordiniert unter anderem vom BPI, stellt digitale Gebrauchsinformationen kostenlos und werbefrei zur Verfügung. Dabei werden alle Angaben behördlich geprüft, um höchste Qualität und Sicherheit zu gewährleisten.

Europäische Standards

Die Europäische Union erkennt die Bedeutung elektronischer Packungsbeilagen an und hat bereits einheitliche Standards für die sogenannte ePI (electronic product information) entwickelt. Dennoch behalten Patientinnen und Patienten vorerst das Recht auf eine Papierversion, da die elektronische Packungsbeilage nach geltender Gesetzeslage lediglich zusätzlich erlaubt ist. Apotheken könnten jedoch auf Wunsch weiterhin die Packungsbeilage ausdrucken, um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden.

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