Cybersicherheit Digitale Resilienz – wie Kliniken ihre Angriffsflächen verringern

Ein Gastbeitrag von Bastian Schmederer 4 min Lesedauer

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Die immer stärkere Vernetzung von Medizintechnik macht Kliniken zu bevorzugten Zielen von Cyberkriminellen. Während Einzellösungen versagen, bieten integrierte Sicherheitsplattformen einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Kostendruck und Patientensicherheit.

Die zunehmende Vernetzung, gepaart mit einem Wildwuchs an IoMT-Geräten, gestaltet die Sicherheitsaufgaben in Gesundheitseinrichtungen nicht gerade einfacher.(Bild:  EwaStudio - stock.adobe.com)
Die zunehmende Vernetzung, gepaart mit einem Wildwuchs an IoMT-Geräten, gestaltet die Sicherheitsaufgaben in Gesundheitseinrichtungen nicht gerade einfacher.
(Bild: EwaStudio - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung verändert die stationäre Gesundheitsversorgung grundlegend: Patientendaten werden mobil verfügbar, Medizingeräte kommunizieren in Echtzeit, Prozesse laufen zunehmend softwaregestützt. Gleichzeitig wächst die Bedrohungslage rasant. Krankenhäuser werden immer häufiger zur Zielscheibe von Cyberangriffen mit massiven Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Schon heute zählt der Gesundheitssektor zu den am stärksten betroffenen Bereichen kritischer Infrastrukturen in Europa. Laut ENISA wurden allein 2023 über 300 schwerwiegende Vorfälle in Gesundheitseinrichtungen gemeldet. Das ist mehr als in jedem anderen Sektor.

Trotz des zunehmenden Risikos reagieren viele Einrichtungen verhalten. Der Grund liegt häufig in einer über Jahre gewachsenen IT-Landschaft, die oftmals fragmentiert, unübersichtlich und schwer steuerbar ist. Finanzielle Restriktionen, Fachkräftemangel und ein hoher Investitionsstau erschweren die Modernisierung zusätzlich. Sicherheitslücken bleiben deshalb oft über lange Zeit bestehen, obwohl sie bekannt sind.

Vom Flickenteppich zur Sicherheitsarchitektur

Viele Einrichtungen arbeiten mit parallelen und punktuellen Sicherheitslösungen. Zwar mag jede Maßnahme für sich wirksam sein, doch in der Summe entsteht ein unübersichtliches Gesamtbild. Unterschiedliche Systeme erfordern individuelle Schulungen, separate Wartung und aufwendige Integrationsarbeit – eine Belastung, die viele IT-Teams kaum bewältigen können.

Hinzu kommt: Die Zahl internetfähiger Medizingeräte wächst rasant. Bis 2026 sollen mehr als 70 Prozent aller medizinischen Geräte vernetzt sein. Damit vervielfacht sich die potenzielle Angriffsfläche, denn viele Geräte verfügen nicht über ausreichende Sicherheitsvorkehrungen. In der Praxis sind sogar veraltete Betriebssysteme oder ungeschützte WLAN-Verbindungen keine Seltenheit. Herkömmliche Schutzkonzepte stoßen hier an ihre Grenzen.

Ein Ausweg liegt in einheitlichen Sicherheitsplattformen, die Endgeräte, Netzwerke, Medizintechnik und Cloud-Anwendungen konsolidiert absichern. Solche Lösungen reduzieren die Komplexität und schaffen zugleich eine gemeinsame Datenbasis sowie zentrale Steuerungsmöglichkeiten. Das macht die Sicherheitsarchitektur insgesamt robuster und ermöglicht schnellere Reaktionen im Ernstfall.

Plattform statt Produkt – ein Paradigmenwechsel

Immer mehr Kliniken verabschieden sich von Einzellösungen und setzen stattdessen auf integrierte Plattformen, die mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) potenzielle Bedrohungen erkennen, Risiken bewerten und automatisch gegensteuern. Auffällige Datenbewegungen lassen sich so stoppen und infizierte Geräte ohne manuelles Eingreifen vom Netz trennen. Das erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit und entlastet die IT-Abteilung.

Ein Praxisbeispiel: Die britische Klinikgruppe Nuffield Health konnte mithilfe eines plattformbasierten Sicherheitskonzepts den Aufwand für ihr gesamtes Security-Management halbieren. Schulungen, Wartungen und Lizenzverwaltung wurden zentralisiert, gleichzeitig stieg die Sichtbarkeit potenzieller Risiken deutlich.

Auch in der DACH-Region vollzieht sich ein Umdenken. Denn Plattformlösungen senken den operativen Aufwand, vereinheitlichen Regelwerke und sorgen für mehr Transparenz. In einem Umfeld knapper Budgets und steigender Anforderungen ist dieser Effizienzgewinn ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Regulatorische Anforderungen als Treiber

Auch die regulatorische Entwicklung zwingt viele Einrichtungen zum Umdenken. Die EU-Richtlinie NIS2 sowie die Medical Device Regulation (MDR) setzen hohe Maßstäbe für die IT-Sicherheit in Krankenhäusern. Gefordert sind unter anderem systematische Risikobewertungen, kontinuierliche Überwachung und belastbare Notfallpläne.

Gerade kleinere und mittlere Einrichtungen sehen sich dadurch erheblichen Herausforderungen gegenüber. Wo bislang eher reaktiv gearbeitet wurde, sind nun strategisch fundierte Sicherheitskonzepte gefragt. Ein konsolidierter Plattformansatz erleichtert die technische Umsetzung und die Einhaltung der regulatorischen Vorgaben. Zentralisierte Dashboards, automatisierte Reports und integrierte Audit-Funktionen helfen dabei, den Überblick zu behalten. Kliniken, die diese Möglichkeiten nutzen, sind nicht nur besser geschützt, sie sind auch revisionssicher aufgestellt.

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Vertrauen sichern, Versorgung stabilisieren

IT-Sicherheit im Gesundheitswesen ist längst mehr als eine technische Pflichtaufgabe. Sie entscheidet mit über die Betriebsfähigkeit einer Einrichtung, die Qualität der Versorgung und das Vertrauen der Patienten. Wenn durch eine Cyberattacke OP-Pläne blockiert oder Labordaten unzugänglich werden, geraten ganze Klinikstandorte in Schwierigkeiten.

Zugleich steigt die Erwartungshaltung an digitale Dienste. Patienten fordern sichere Patientenportale, digitale Befundübermittlung oder KI-basierte Diagnostik. Doch Innovation funktioniert nur, wenn Sicherheit mitgedacht wird – als Grundbedingung jeder Anwendung. Kliniken, die frühzeitig in moderne Plattformlösungen investieren, sichern sich deshalb entscheidende Vorteile. Sie entlasten ihre IT-Teams, beschleunigen Auditprozesse und schaffen eine stabile Basis für neue digitale Angebote. Nicht zuletzt wird auch die Resilienz gegenüber Angriffen in der Zukunft deutlich gestärkt.

Weniger Komplexität, mehr Wirkung

Cybersicherheit im Klinikalltag muss nicht kompliziert oder teuer sein. Wer Komplexität abbaut, Zuständigkeiten klar regelt und auf integrierte Systeme setzt, erreicht mit weniger Aufwand bessere Ergebnisse. Digitale Resilienz wird so zum zentralen Baustein einer modernen Patientenversorgung und zur Voraussetzung für Sicherheit, Qualität und Vertrauen.

Bastian Schmederer
ist seit Juli 2024 als District Sales Manager Healthcare bei Palo Alto Networks tätig und bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Cybersicherheitsbranche mit. Als Cloud-Enthusiast und erfahrener People Manager treibt er gemeinsam mit seinem Team praxisnahe Sicherheitslösungen für den digitalen Wandel voran.

Bildquelle: Palo Alto Networks

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