Fraunhofer IESE bringt Expertise zu digitalen Zwillingen ein EU-Projekt will Herstellung von CAR-T-Zellen automatisieren

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Die Therapie mit CAR-T-Zellen gilt als bahnbrechend, doch die Herstellung der modifizierten Zellen ist langwierig, teuer und nicht flächendeckend verfügbar. Im Projekt EASYGEN wollen 18 Partner eine vollautomatisierte Plattform entwickeln, mit der personalisierte CAR-T-Zellen in wenigen Tagen vor Ort im Krankenhaus hergestellt werden können.

Konsortium des Projekts EASYGEN(Bild:  © Johannes Krzeslack)
Konsortium des Projekts EASYGEN
(Bild: © Johannes Krzeslack)

Mit der CAR-T-Therapie werden T-Zellen eines Patienten genetisch so modifiziert, dass sie Krebszellen erkennen und vernichten können. Um den Herstellungsprozess für diese Zellen zu automatisieren, haben sich 18 Projektpartner im Projekt EASYGEN unter Leitung der Fresenius SE & Co. KGaA zusammengeschlossen. Derzeit dauert die Herstellung, die nur an einigen spezialisierten Standorten stattfinden kann, mehrere Wochen. Trotz klinischer Eignung bleibe der Zugang zur CAR-T-Zelltherapie für Patienten in ganz Europa begrenzt, konstatiert Fresenius unter Verweis auf eine Studie des IQVIA Institut für Human Data Science. Demnach liegt die durchschnittliche Behandlungsrate in fünf europäischen Ländern unter 20 Prozent.

Im Projekt EASYGEN wollen die Partner eine automatisierte, modulare Point-of-Care-Plattform für die Zell- und Gentherapie entwickeln, die alle manuellen Schritte von der Entnahme der Blutzellen bis zur Verabreichung der modifizierten Zellen automatisiert. Damit sollen die Zellen direkt in den Krankenhäusern hergestellt werden können – innerhalb von 24 Stunden.

„Die Automatisierung patientenspezifischer Therapien wie CAR-T ist entscheidend, um diese Behandlungen breiter verfügbar zu machen – insbesondere auch in nicht-universitären Kliniken“, erklärte Dr. Sonja Steppan, Leiterin des Research Office bei Fresenius SE und Projektleiterin von EASYGEN.

Im Projekt geht man zudem davon aus, dass die Plattform die Behandlungskosten um die Hälfte senken wird.

Digitale Zwillinge

Als einer der Projektpartner bringt das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE seine Expertise ins Projekt ein. Während das in der Anfangsphase die Erfassung und Abstimmung der technischen Anforderungen betrifft, ist im weiteren Verlauf das Know-how des Instituts zur Erstellung standardisierter digitaler Zwillinge gefragt. Diese digitalen Zwillingen sind zum einen für die effiziente und vorausschauende Entwicklung der Plattform wichtig, zum anderen, um die Interoperabilität mit anderen Systemen im Krankenhaus oder Labor zu gewährleisten, denn die Lösung soll kompatibel zu bestehender wie auch zukünftiger Infrastruktur sein.

„Wir vom Fraunhofer IESE verfügen über eine langjährige Erfahrung im Bereich der Individualisierung von Herstellungsprozessen. Dieses Wissen werden wir nun auch beim EASYGEN-Projekt gezielt einsetzen und so gemeinsam mit den weiteren Projektpartnern dafür sorgen, die Herstellung von CAR-T-Zelltherapien auf eine völlig neue Stufe zu heben“, so Prof. Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer IESE. Perspektivisch solle diese Therapieform nicht länger nur wenigen einzelnen Patientinnen und Patienten, sondern allen Personen, die diese Hilfe benötigen, zu Verfügung stehen.

Über das Projekt EASYGEN

Das Forschungsprojekt EASYGEN ist auf fünf Jahre ausgelegt. Es wird vom Innovative Health Initiative Joint Undertaking (IHI JU) mit insgesamt 8 Millionen Euro gefördert.

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