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Heldenepos oder Epic Fail?

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Die Finanzierung steht auf tönernen Füßen

200 Millionen Euro bis zum stabilen Regelbetrieb, das ist der Plan. Darin enthalten sind Lizenzkosten, eine modifizierte IT-Infrastruktur und die Implementierungsbegleitung vonseiten des Herstellers. Finanziert ist davon noch nicht alles. Die Charité muss mit dem Berliner Senat verhandeln.

Charité-Chef Professor Heyo K. Kroemer hat eine Kreditfinanzierung mit Landesbürgschaft als „nicht leistbar“ abgelehnt. Berlin ist knapp bei Kasse, die Krankenhauslandschaft steht unter Druck. Bleibt der Senat. Ob der das Geld tatsächlich bewilligt und ob 200 Millionen Euro für die Umstellung ausreichen, ist unklar.

Branchenexperten hatten früher von 90 Millionen Euro gesprochen. Die jetzt offiziell genannten 200 Millionen bestätigen: Das Projekt wird deutlich teurer als ursprünglich gedacht. Andere Epic-Projekte haben ihre Budgets weit überzogen. Dänemark führte Epic landesweit ein, das Budget verdoppelte sich. Schweden kämpft mit Verzögerungen. Großbritannien testet Epic an einzelnen Standorten – mit durchwachsenen Erfolgen.

War die Ausschreibung auf Epic zugeschnitten?

Dedalus, der europäische Marktführer, wurde ausgeschlossen und warf der Charité vor, die Ausschreibung sei so gestaltet worden, dass am Ende nur Epic übrig bleibt. Die Charité wies das zurück. Doch die Vergabe wirft Fragen auf. Warum schied DER etablierte europäische Anbieter aus? Warum wurde das Verfahren derart gestaltet, dass am Ende ein US-Anbieter ohne Deutschland-Erfahrung den Zuschlag bekommt?

Die Charité argumentierte mit internationaler Forschung, Interoperabilität mit Harvard, Stanford, der Mayo Clinic als strategischem Ziel sowie einem gemeinsamen Datenstandard, der die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg erleichtere. Epic ist in der internationalen Forschungslandschaft etabliert, wodurch die Attraktivität für eine Uniklinik mit Weltklasse-Anspruch durchaus gegeben sein dürfte.

Doch der Preis ist hoch. Epic ist kein Produkt von der Stange, sondern ein Gesamtpaket. Entweder die Charité zieht das Projekt konsequent durch – mit allem, was dazugehört: Budget, Geduld, Change Management. Oder das Projekt scheitert, und die Charité wird zum Lehrbeispiel für gescheiterte Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen.

Ende 2029 muss das System laufen. Dann zeigt sich, ob die Charité die richtige Entscheidung getroffen hat. Bis dahin stehen massive Herausforderungen an. Insbesondere die Schulung, die Migration von Altdaten sowie die Integration in bestehende Infrastrukturen könnten zur Belastungsprobe für die Berliner werden.

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