Fraunhofer IAIS, Deutsche Telekom und Stadt Köln KI-Agenten für den Schockraum

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

In einem gemeinsamen Projekt entwickeln Fraunhofer IAIS, Deutsche Telekom und die Kliniken der Stadt Köln gGmbH einen KI-Agenten, der Teams im Schockraum unterstützt.

Die im Projekt zu entwickelnde  KI soll die Gespräche im Notfall-Eingriffsraum erfassen, Befunde und Maßnahmen identifizieren und daraus fortlaufend ein Live-Bild in Ampellogik nach dem ABCDE-Schema erstellen.(Bild:  © Bild erstellt mit GPT-5 / Fraunhofer IAIS)
Die im Projekt zu entwickelnde KI soll die Gespräche im Notfall-Eingriffsraum erfassen, Befunde und Maßnahmen identifizieren und daraus fortlaufend ein Live-Bild in Ampellogik nach dem ABCDE-Schema erstellen.
(Bild: © Bild erstellt mit GPT-5 / Fraunhofer IAIS)

Im Schockraum der Notaufnahmen zählen Sekunden, es ist nicht die Zeit, in Unterlagen zu blättern – die wichtigen medizinischen Informationen werden verbal kommuniziert. Entsprechend hoch ist der Druck, unter dem die Teams stehen, Ärzte und Pflegende müssen die Angaben sofort erfassen und reagieren; Diagnostik und Therapie laufen parallel.

Um die Teams der Notaufnahmen künftig zu entlasten, arbeiten das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, Deutsche Telekom und das Krankenhaus Merheim der Kliniken der Stadt Köln derzeit an einem KI-Agenten. Dieser soll die Gespräche im Schockraum erfassen und nicht nur dokumentieren, sondern die erkannten Befunde und Maßnahmen fortlaufend in Echtzeit nach dem ABCDE-Schema visualisieren. Damit sollen auch Fehler reduziert und die Versorgung der Schwerstverletzten verbessert werden.

Das ABCDE-Schema strukturiert die Arbeit in den Notaufnahmen. Nach dem Prinzip „Treat first what kills first.“ (Behandle zuerst das, was zuerst tötet), unterteilt es die Behandlung nach Dringlichkeit: Atemwege (Airways), Beatmung (Breathing), Kreislauf (Circulation), neurologisches Defizit (Disability) und erweiterte Informationen (Exposure).

in dem im September gestarteten, einjährigen Projekt soll ein Prototyp entwickelt werden. Das Vorhaben setzt dabei auf den Ergebnissen des vom BMG geförderten Projekts TraumAInterfaces auf und arbeitet mit Schockraum-Simulationen. „Indem wir medizinisches Fachwissen und realistische Schockraum-Simulationen einbringen, verzahnen wir Forschung und Praxis und tragen dazu bei, dass KI-Agenten im Schockraum künftig einen spürbaren Fortschritt für die Notfallversorgung bringen könnten", erklärt Jerome Defosse, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Kliniken der Stadt Köln. Beratende Unterstützung kommt auch vom Bundeswehrkrankenhaus Berlin und vom Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf.

Ein zweiter wichtiger Aspekt, neben dem KI-Einsatz, ist die Edge-Fähigkeit und Resilienz gegenüber Infrastruktur-Ausfällen. Die KI-Anwendung soll sowohl lokal (oder offline) über den Super-Minicomputer DGX Spark von NVIDIA als auch über die AI Foundation Services in der Open Telekom Cloud betrieben werden können. Das Projekt wird im Rahmen des europäischen Förderprogramms IPCEI-CIS (Wichtige Projekte von gemeinsamem europäischem Interesse – Cloud-Infrastruktur und -Dienste der nächsten Generation) gefördert.

„Mit der Entwicklung eines vielseitig einsetzbaren Multi-Agenten-Frameworks und seiner Anpassung an die Anforderungen in der Notfallmedizin schaffen wir die Grundlage für eine Entlastung des Personals bei der Versorgung Schwerstverletzter“, sagt Stefan Rüping, Abteilungsleiter am Fraunhofer IAIS. Wichtige Bausteine dafür seien „eine gut durchdachte Systemarchitektur, die Einbindung vertrauenswürdiger Komponenten für Sprachverarbeitung und Datenmanagement sowie die Edge-Fähigkeit für den Betrieb direkt vor Ort“.

„Unser KI-Agent für die Notfallmedizin hat auch für andere Branchen Vorbildcharakter. Mit dieser praxisnahen Lösung zeigen wir den Nutzen souveräner digitaler Infrastruktur für die Wirtschaft und das Gemeinwohl“, so Ferri Abolhassan, CEO T-Systems und Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG.

(ID:50654683)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung