„Frau.Herz.KI – Gerechte Medizin für Frauen“ KI hilft, Herzkrankheiten bei Frauen früher zu erkennen

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

Mit Hilfe von KI lassen sich koronare Herzerkrankungen um bis zu 19 Prozent besser vorhersagen, das zeigt eine neue Machbarkeitsstudie in Bayern. Bei Frauen liegt dieser Wert aber noch weit niedriger, es braucht also auch neue Daten.

Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen oft mit ganz anderen Symptomen als bei Männern. Das Projekt „Frau.Herz.KI – Gerechte Medizin für Frauen“ nutzt KI, um frauenspezifische Symptome und Risikofaktoren einer koronaren Herzerkrankung früher zu erkennen.(© Oleksandr - stock.adobe.com / KI-generiert)
Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen oft mit ganz anderen Symptomen als bei Männern. Das Projekt „Frau.Herz.KI – Gerechte Medizin für Frauen“ nutzt KI, um frauenspezifische Symptome und Risikofaktoren einer koronaren Herzerkrankung früher zu erkennen.
(© Oleksandr - stock.adobe.com / KI-generiert)

Die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Frauen wird noch immer unterschätzt, dabei sind diese Krankheiten in Deutschland auch für Frauen die häufigste Todesursache. Besonders Herzinfarkte werden bei Frauen häufig nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, weil die Patientinnen oft nicht die typischen, starken Brustschmerzen, sondern andere Symptome wie Übelkeit oder Rückenschmerzen zeigen. In klinischen Studien sind Frauen zumeist unterrepräsentiert.

Künstliche Intelligenz (KI) kann jedoch wichtige Hinweise für die frühzeitige Erkennung koronarer Herzkrankheiten (KHK) liefern, das zeigt die Machbarkeitsstudie des Projekts „Frau.Herz.KI“, die Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach und der bayerische Digitalminister Dr. Fabian Mehring jetzt vorstellten. Ziel der Studie war es, die Früherkennung von KHK sowie Risikokonstellationen für Herzinfarkte bei Frauen mithilfe von geschlechtsspezifischer KI zu verbessern.

Im Rahmen dieses Projekts, das im Mai 2023 unter der Schirmherrschaft der damaligen bayerischen Digitalministerin Judith Gerlach startete, wurden Patientendaten des Klinikums rechts der Isar in München und des Osypka-Herzzentrums mit knapp 40 unterschiedlichen KI-Modellen analysiert. Die besten dieser Modelle konnten KHK um bis zu 19 Prozent besser vorhersagen als die an der Studie beteiligten Ärztinnen und Ärzte ohne KI-Unterstützung.

„In Bayern sind mehr als ein Drittel der Todesfälle bei Frauen auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurückzuführen und damit die häufigste Todesursache“, erklärte Judith Gerlach. Oft litten Frauen bei einem Herzinfarkt an Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch - also an Symptomen, die sehr unspezifisch sind und viele Ursachen haben könnten. Die erste Phase der Machbarkeitsstudie habe belegt, dass das Projekt „Frau.Herz.KI“ Ärzte dabei unterstützen kann, „frauenspezifische Symptome und Risikofaktoren einer koronaren Herzerkrankung früher zu erkennen und Frauen so vor dem Tod durch Herzinfarkt zu schützen.“

Das Bayerische Staatsministerium für Digitales hat die Datenauswertung des Pilotprojekts mit rund 200.000 Euro gefördert. Umgesetzt wurde die Studie von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, PwC Deutschland, dem Peter Osypka Herzzentrum München und der TU München; als Technologiepartner waren AWS und Applied AI beteiligt.

Jedoch zeigte sich der Gender-Bias auch im Rahmen der Studie, wie strategy& verdeutlichte. Denn bei den Frauen lag der Vorteil der KI-gestützten Prognosen nur bei 7 Prozent gegenüber den Experteneinschätzungen. Grund seien Verzerrungen in den von den beteiligten Kliniken zur Verfügung gestellten Datensätzen, die überwiegend männlich assoziierte Einflussfaktoren und deutlich mehr männliche Patienten beinhalteten.

„Jetzt gilt es, die nächsten Schritte anzugehen und neue, umfassendere Datensätze zu beschaffen, die erstens mehr Frauen und zweitens mehr entsprechende weibliche Einflussfaktoren beinhalten“, sagte Judith Gerlach. Damit könnten die trainierten Modelle „so optimiert werden, dass sie individualisierte Diagnostik und Behandlung wirksam unterstützen und auch die Prävention verbessern“.

In Zukunft sei es denkbar, so Digitalminister Mehring, „auf Basis der Ergebnisse unseres Projekts eine Art ‘digitalen Assistenzarzt‘ zu entwickeln, der Medizinerinnen und Medizinern in allen Regionen Bayerns dabei hilft, das Gender-Health-Gap zu überwinden und ihre Patientinnen mithilfe von KI noch besser zu behandeln.“

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