Meta-Analyse unmöglich Mehr Forschungsbedarf zu Tele-Intensivmedizin

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Telemedizin auf Intensivstationen wird laut einer Übersichtsarbeit der Uniklinik Würzburg bereits breit eingesetzt, doch der wissenschaftliche Nachweis für einen konkreten Patientennutzen fehlt. Die vom Netzwerk Universitätsmedizin geförderte Studie mahnt robuste, patientenzentrierte Forschung an.

Am Universitätsklinikum Würzburg ist rund um die Uhr telemedizinische Betreuung möglich.(Bild:  UK Würzburg)
Am Universitätsklinikum Würzburg ist rund um die Uhr telemedizinische Betreuung möglich.
(Bild: UK Würzburg)

Die Telemedizin gilt als vielversprechender Ansatz für die intensivmedizinische Versorgung in Zeiten des Fachkräftemangels. Doch wie groß ist der tatsächliche Nutzen für kritisch behandlungsbedürftige Menschen? Eine vom Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) im Rahmen des Projekts „Universitäres Telemedizin Netzwerk“ (UTN) geförderte systematische Übersichtsarbeit des Universitätsklinikums Würzburg liefert ernüchternde Ergebnisse.

Das Forschungsteam um Erstautorin Tamara Pscheidl analysierte 26 kontrollierte Studien mit Daten von über zwei Millionen Intensivpatienten. Die in PLOS Digital Health veröffentlichte Studie sollte klären, ob Telemedizin zu geringerer Sterblichkeit, kürzeren Intensivaufenthalten oder besserer Lebensqualität führt.

Heterogene Studienlage verhindert eindeutige Aussagen

„Telemedizin wird in der Intensivmedizin bereits breit eingesetzt, doch wissenschaftlich können wir noch nicht klar sagen, unter welchen Bedingungen sie den größten Nutzen für Patientinnen und Patienten bringt“, erklärt Pscheidl. Eine quantitative Zusammenfassung bestehender Studien hat sich nicht angeboten. Wie Letztautorin und Privatdozentin Dr. Stephanie Weibel feststellt, machten unterschiedliche Telemedizin-Modelle und erhebliche Verzerrungsrisiken eine Meta-Analyse unmöglich: „Das Ergebnis war für uns [...] eher ernüchternd.“

„Wir müssen Forschung und Praxis zusammendenken und Telemedizin nicht nur technisch umsetzen, sondern auch systematisch evaluieren“, betont Professor Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik. Das UKW verbindet dabei evidenzbasierte Forschung, Leitlinienarbeit und praktische Umsetzung. So war die Klinik maßgeblich an der Erarbeitung der AWMF-S3-Leitlinie zur Telemedizin in der Intensivmedizin beteiligt.

Praktische Umsetzung bereits im Klinikalltag

Parallel zur wissenschaftlichen Arbeit ist die Tele-Intensivmedizin am UKW bereits etabliert. In einem bayernweiten Pilotprojekt mit ZOOM Deutschland werden Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung durch virtuelle Visiten mit universitären Zentren vernetzt. Am UKW ist rund um die Uhr telemedizinische Betreuung möglich – tagsüber durch ein spezialisiertes Team, des nächtens durch oberärztliche Rufbereitschaft. Ein eigens entwickelter Tele-Visitenwagen ermöglicht die unkomplizierte Anbindung regionaler Partner direkt am Patientenbett.

Die Studie fordert künftig methodisch hochwertige, patientenzentrierte Forschung mit transparenter Berichterstattung. Nur so lasse sich klären, welche Telemedizin-Modelle in welchen Settings tatsächlich Mehrwert bieten. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und der alternden Bevölkerung sei es entscheidend, evidenzbasierte Strategien für telemedizinische Konzepte zu entwickeln.

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