Universitäten Augsburg und Bamberg Meta-Analyse: Gesundheits-Apps wirksam bei Ängsten und Depression

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Personalisierte digitale Gesundheitsinterventionen bewirken schon nach kurzer Dauer langfristige Symptomverbesserungen von bis zu sechs Monaten, speziell bei Angststörungen und Depressionen – das zeigte jetzt eine Meta-Analyse von Forschenden der Universitäten Augsburg und Bamberg.

In ihrer Meta-Analyse analysierten die Forschenden besonders das Potenzial sogenannter „Just-in-Time Adaptive Interventions“, die dynamisch auf die jeweilige Situation reagieren können.(Bild: ©  Creative mind - stock.adobe.com / KI-generiert)
In ihrer Meta-Analyse analysierten die Forschenden besonders das Potenzial sogenannter „Just-in-Time Adaptive Interventions“, die dynamisch auf die jeweilige Situation reagieren können.
(Bild: © Creative mind - stock.adobe.com / KI-generiert)

Ein Forschungsteam der Universität Augsburg (Lehrstuhls für Digital Health Communication) und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg haben in einer Meta-Analyse untersucht, wie effektiv – auch auf längere Sicht – Apps für die psychische Gesundheit sind. Diese mobilen Anwendungen greifen über kleine Interaktionen in den Alltag der Betroffenen ein, indem sie zum Beispiel an eine Atemübung oder eine kurze Reflexionsaufgabe erinnern. Damit können psychologische Strategien, etwa der kognitiven Verhaltenstherapie, unterstützt werden. Den Forschenden ging es dabei vor allem um die langfristige Wirksamkeit und um einen ganzheitlichen Ansatz, der auch positive Aspekte über die Linderung der Symptome hinaus berücksichtigt.

In der Analyse wurden zwei Varianten mobiler Gesundheitsanwendungen berücksichtigt:

  • Ecological Momentary Interventions (EMIs), die sich in festen Intervallen oder vorgegebenen Abläufen melden, und
  • Just-in-Time Adaptive Interventions (JITAIs). Diese reagieren dynamisch auf die jeweilige Situation, zum Beispiel auf einen erhöhten Puls – die App könnte dann eine Atemübung vorschlagen. Dieser „Just-in-Time”- Vorteil wurde laut den Forschenden zuvor nicht ausreichend berücksichtigt: In fast einem Drittel der in einer früheren Metaanalyse berücksichtigten Studien sei nicht angegeben, wie die Interventionen ausgelöst wurden.

„In unserem Review haben wir Studien inkludiert, die diese Gesundheitsinterventionen in Alltagssituationen von Menschen mit und ohne psychische Krankheitssymptome experimentell testen“, erklärte Ulrike von Lützow (Uni Bamberg), Erstautorin der Studie.

Langfristige Verbesserungen selbst bei kurzen Programmen

Beim allgemeinen psychisches Wohlbefinden zeigten sich dabei nur moderate Auswirkungen, anders bei den Symptomen: Hier konnten die Forschenden signifikante und langfristige Symptomverbesserungen durch solche personalisierten Gesundheitsinterventionen bei Angststörungen und Depressionen nachweisen – selbst kurze Programme von bis zu 6 Wochen führten demnach zu Verbesserungen bis zu einem halben Jahr. Dies deute darauf hin, „dass schon eine kurze, aber gezielte digitale Unterstützung ausreichen kann, um nachhaltige Effekte anzustoßen“, sagte Nathalie L. Neuendorf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Digital Health Communication der Universität Augsburg.

„Diese Interventionen können professionelle Unterstützung im Alltag zugänglicher und skalierbarer machen“, charakterisiert Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Sebastian Scherr das Potenzial der mobilen Gesundheitstechnologien.„Gleichzeitig brauchen wir klarere Standards für die Entwicklung und Erprobung solcher Tools“. Die digitalen Interventionen sollten künftig anhand transparenter Entscheidungsregeln, etwa für den Zeitpunkt und die Häufigkeit solcher Impulse, einheitlicher bewertet werden können – um auch die Konsistenz klinischer Studien sowie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erhöhen.

Für die Meta-Analyse hat das Forscherteam 23 internationale Studien mit insgesamt 2.563 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einem systematischen Review unterzogen. Die Arbeit wurde im Fachmagazin BMJ Mental Health veröffentlicht.

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