Fachkräftemangel Pflege neu gedacht

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

Deutschlandweit haben Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser mit papierdünnen Personaldecken zu ringen. Um für Entlastung zu sorgen, haben einige Verantwortliche tiefgreifende strukturelle Maßnahmen umgesetzt. Mit Erfolg.

Das Thema New Work gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch im Gesundheitswesen sind die Vorzüge neuartiger Konzepte durchaus vielversprechend und ressourcenschonend zu bewerten.(©  peopleimages.com - stock.adobe.com)
Das Thema New Work gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch im Gesundheitswesen sind die Vorzüge neuartiger Konzepte durchaus vielversprechend und ressourcenschonend zu bewerten.
(© peopleimages.com - stock.adobe.com)

Die Entscheiderinnen und Entscheider im Gesundheitssystem sind momentan wahrlich nicht zu beneiden. Neben finanziellen und bürokratischen Hürden ist insbesondere das Thema der nachhaltigen Bewältigung des Fachkräftemangels ein ständiger Begleiter. Sie müssen sich stets fragen, wie sie die Berufsbilder innerhalb der Pflege für Berufs- oder Quereinsteiger attraktiv und die Arbeitsabläufe effizienter gestalten können.

Der Pflegewissenschaftler Christian Köbke und die New-Work-Expertin Katharina Lutermann haben sich zusammengetan und einige innovative Konzepte in einem Podcast vorgestellt. Hierin besprechen sie beispielsweise eine Initiative aus dem niedersächsischen Melle. Hier habe man den „Sprung ins kalte Wasser gewagt“, indem man autonome Pflegeteams etabliert habe, sagt einer der Initiatoren im Interview. Autonom bedeute in diesem Kontext, dass es keine dedizierten Führungskräfte mehr gebe.

Beinahe alle Entscheidungen, wie etwa zu Dienst-, Vertretungs- oder Urlaubsplänen, würden hier mittlerweile – erfolgreich – vom gesamten Pflegeteam gemeinschaftlich beschlossen. Dadurch sei vor allem die Zufriedenheit der Beschäftigten gestiegen. Auch auf eine Stationsleitung wird im Klinikum Aschaffenburg-Alzenau verzichtet. Johanna Stecher und Nadja Nardini stellten im Podcast ihr Projekt „Meine Station“ vor. Darin wird die Zusammenarbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berufsgruppen- und hierarchieübergreifend neu gedacht.

Im Gegensatz zu klassisch aufgebauten Stationen gestalte das Stationsteam die Arbeitsbedingungen überwiegend selbst, treffe gemeinsame Entscheidungen und sei deswegen in der Lage, die eigenen Bedürfnisse bestmöglich in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die Absenz einer klassischen Führungsposition werde dadurch kompensiert, dass sämtliche Aufgaben auf verschiedene Teammitglieder verteilt werden. Für dieses Projekt sei ein komplett neues Team aus hausinternen und externen Bewerberinnen und Bewerbern zusammengestellt worden. Während einer viermonatigen Vorbereitungs- und Teamfindungsphase erhielten diese eine Ausbildung in rollen- und spannungsbasiertem Arbeiten, gewaltfreier Kommunikation und Methoden der Selbstorganisation.

Neuartig ist hierbei, dass die Patienten aktiv in ihren Behandlungs- und Heilungsprozess einbezogen werden. So gebe es beispielsweise keine Visite mehr. Stattdessen finde eine Visitensprechstunde statt, die von Patienten aktiv genutzt werde. Ebenfalls werde – Regelfall – auf eine Essensausgabe am Krankenbett verzichtet. Vielmehr hätten die Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, gemeinsamen im Bistro ihre Mahlzeiten einzunehmen. Dadurch ließe sich gleichermaßen Arbeitskraft einsparen und soziale Interaktion fördern. Der Impuls hinter diesen Veränderungen sei es, die Patienten möglichst zeitnah, proaktiv und niederschwellig am eigenen Gesundungsprozess zu beteiligen. Iterativ sollen diese zudem auf neue, postoperative Situationen im häuslichen Umfeld vorbereitet werden.

Schlussendlich sind solche „Out-of-the-box“ gedachten Ansätze – wenngleich sie auch wenig bis gar nichts mit Digitalisierung zu tun haben – die Voraussetzung dafür, dass finanzielle und kapazitäre Reserven für die Zukunft gebildet werden können.

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