Patienten und Patientinnen suchen sich durch verschiedene Portale, Praxistelefone stehen nicht still: Die Arztterminsuche in Deutschland ist ineffizient für alle Beteiligten. Warum nicht eine Suchmaschine bauen, die beide Seiten entlastet, fragte sich Stefan Eger.
Frustiert von der Terminfindung im deutschen Gesundheitswesen, hat Stefan Eger eine Art Meta-Suchmaschine für die bestehenden Plattformen entwickelt.
(Bild: Meppo)
Stefan Eger, hauptberuflich CTO bei einem Primärsystemhersteller im Gesundheitswesen, kennt die deutsche E-Health-Branche aus erster Hand. Was er auch kennt: ständige Anfragen aus seinem Umfeld. Familie, Freunde, Bekannte aus dem Handballverein – alle wollten seine Kontakte nutzen, um schneller an Arzttermine zu kommen, berichtet Eger: „Irgendwann fragte ich mich: Warum ist das eigentlich so kompliziert?“
Die Antwort war seiner Meinung nach denkbar simpel: „Wer heute einen Facharzttermin sucht, muss Doctolib durchforsten, dann Jameda, dann Samedi, dann die nächste Plattform. Jedes Portal zeigt nur die eigenen Ärzte. Wer Pech hat, verpasst den perfekten Termin – einfach, weil er auf der ‚falschen‘ Plattform gesucht oder telefonisch niemanden erreicht hat.“
Vom Proof of Concept zur lauffähigen Plattform
Am 29. Mai 2025 setzte sich Eger an seinen Esstisch und begann zu prüfen, ob er das nicht einfach selbst bauen kann. Knapp drei Wochen später, Mitte Juni, lief bereits eine lokale Instanz mit zwei Crawlern auf seinem MacBook. Er konnte Termine von verschiedenen Plattformen abrufen und anzeigen. Ende Juli hatte der Entwickler die ersten Workflows für eine automatisierte Pipeline entworfen. Das Produkt war containerisiert und bereit für den Betrieb in einem Rechenzentrum. Der Proof of Concept für eine Metasuchmaschine – vergleichbar mit den deutschen Diensten Metager oder Metacrawler – war erbracht.
Die treibende Kraft hinter dem Projekt war auch ein gewisser Frust über die Dynamik in der Branche. Anfang Juni war Eger als Speaker beim TI Summit 2025 zur elektronischen Patientenakte eingeladen – also kurz nachdem er mit dem Bau seiner Suchmaschine begonnen hatte. „Was ich dort und in den wöchentlichen Sprechstunden der gematik immer wieder höre: ‚Wir müssen …‘, ‚Wir werden …‘, ‚Wir bilden den Arbeitskreis XYZ …‘ Verbindliche Aussagen? Fehlanzeige. Hauruck-Mentalität? Nicht vorhanden“, kritisiert der Entwickler. Immer seien andere verantwortlich, immer werde etwas mitgenommen, selten jedoch auch gemacht.
Eger wollte nicht warten, bis irgendein Gremium in drei Jahren eine Lösung beschließt, die dann in weiteren zwei Jahren umgesetzt wird. „Ich wollte eine Lösung, die ‚jetzt gleich‘ funktioniert“, so der Gründer. Aus gesundheitlicher Perspektive diskutabel, nutzte Eger seinen Familienurlaub auf Sardinien dazu, das größte technische Problem zu lösen: die Entfernungsberechnung.
Ein Mini-Google-Maps als Kernkomponente
Bei der Metasuche nach Fachärztinnen und -ärzten berücksichtigt die Plattform Meppo sechs verschiedene Portale.
(Bild: Meppo)
Ungefiltert liefern die Buchungsportale teilweise Ergebnisse von Hamburg bis Heidelberg – völlig unbrauchbar für jemanden, der einen Arzt in der Nähe sucht. Öffentliche APIs waren zu langsam oder zu teuer. Also baute Eger sein eigenes System – eine Art Mini-Google-Maps, das in wenigen Millisekunden 25 Adressen gleichzeitig in Koordinaten umwandelt und die Entfernung zum Nutzenden berechnet. Heute ist das einer der Kernbestandteile von meppo, wie die Plattform heißt. Anfang August ging die erste Testversion online. Aktuell durchsucht die Suchmaschine sieben Buchungsportale gleichzeitig und zeigt in 20 Sekunden alle verfügbaren Termine an.
Eger ist kein gelernter Programmierer, betont aber seinen technischen Hintergrund und die Fähigkeit, komplexe Architekturen exakt zu beschreiben. „Wochenlange Recherchen, Podcasts, Selbststudium – und ja, auch der Einsatz von KI-Tools“, beschreibt er seinen Weg. Manche täten das ab mit „Der hat’s ja nur in die KI eingegeben“, räumt er ein. „Aber welches Fachwissen und welche detaillierten Prompts dahinterstecken, bis auf Microservice-Ebene – das geht über den KI-Horizont der meisten Menschen hinaus.“
Frontend, Backend, Crawler-Technologie, CI/CD-Pipelines, Dokumentation – alles wurde vom Gründer selbst entwickelt. Vieles gelernt, manches weggeworfen und von vorne begonnen. Immer mit dem Anspruch, dass jede Komponente dokumentiert und nachvollziehbar ist. Mit jeder neuen Plattform wurde die Crawler-Technologie seiner Einschätzung nach besser. „Heute kann ich eine neue Plattform in wenigen Stunden integrieren“, berichtet Eger.
Portale zeigen Interesse an der Kooperation
Die Reaktionen auf das Projekt fallen unterschiedlich aus. Eine One-Man-Show, die eine Enterprise-Plattform hochzieht, sorgt durchaus für Verwunderung. Die Portale selbst reagieren jedoch interessiert. „Ich biete massive Sichtbarkeit – gerade für die Nicht-Marktführer“, erklärt der Entwickler. Sogar Ärzte fragten bereits an, wann ihre Plattform integriert werde. Mit einigen Anbietern führe er vielversprechende Gespräche über direkte API-Zugänge. Familie und Freunde des Gründers nutzen meppo bereits regelmäßig und haben Termine gefunden, die sie sonst nie entdeckt hätten – weil sie vorher nur ein Portal durchsucht oder unzählige Anrufe getätigt haben.
Stand: 08.12.2025
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Aktuell haben fast alle Buchungsportale ein gemeinsames Problem: Wichtige Informationen fehlen oder erscheinen erst im letzten Buchungsschritt. Ist es ein Selbstzahler-Termin? Eine Videosprechstunde? Ein Checkup oder eine normale Sprechstunde? Egers Ziel ist eine einheitliche API-Struktur mit allen Portalen. „Ein fester Datensatz: Datum, Uhrzeit, Arzt, Termintyp (GKV/PKV/Selbstzahler), Art (Checkup/Sprechstunde), Ort (Vor-Ort/Video). Alle Informationen sofort sichtbar, ohne zehn verschiedene Termine durchklicken zu müssen“, beschreibt er die Vision.
In drei Jahren könnte meppo die zentrale Anlaufstelle für Arzttermine in Deutschland sein. Mit Benachrichtigungen wie „Ein früherer Termin ist verfügbar“, mit allen Plattformen integriert, vielleicht sogar mit ergänzenden Diensten wie Fahrtmöglichkeiten zur Praxis. Den vielen Arbeitskreis-Menschen in der Branche möchte Eger vor allem eines mitgeben: „Einfach mal machen. Verantwortung übernehmen.“ Wer nichts mache, könne auch nichts falsch machen – davor hätten viele Angst in der heutigen Zeit. „Aber die Gesundheitsversorgung sehnt sich nach funktionierenden Abläufen und besserer Zugänglichkeit. Die Menschen warten nicht darauf, dass Gremien in fünf Jahren eine Lösung finden. Sie brauchen jetzt Hilfe.“
Der Gründer habe sich hingesetzt und angefangen – nicht aus Größenwahn, sondern weil er helfen wollte. „Meine Frau hat mich motiviert, weil sie den gesellschaftlichen Nutzen gesehen hat. Irgendwann kam der Ehrgeiz dazu – und das Gefühl, hier etwas wirklich Großes schaffen zu können“, so Eger. Es sei sicherlich verrückt, all das allein machen zu wollen. „Aber es funktioniert. Und während andere noch diskutieren, werden bei meppo bereits Termine gefunden.“