Bericht zum Bayerischen E-Health Kongress 2025 Pflegetechnik: „Zeigen, was möglich ist“ und finden, was nützlich ist

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

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Pflegeroboter, Exoskelette und KI: beim diesjährigen Bayerischen E-Health Kongress standen Innovative Pflegetechnologien im Fokus. Es gab viel zu entdecken, angeregte Diskussionen und Denkanstöße.

Der Bayerische E-Health Kongress 2025 fand am 23. Mai – und wie gewohnt im Augsburger Kongress im Park statt.(Bild:  Nicola Hauptmann)
Der Bayerische E-Health Kongress 2025 fand am 23. Mai – und wie gewohnt im Augsburger Kongress im Park statt.
(Bild: Nicola Hauptmann)

Das Thema Pflege wird oft zugespitzt auf Fachkräftemangel und die wachsende Zahl älterer und somit pflegebedürftiger Menschen. Beim Bayerischen E-Health Kongress wurde schon mit dem ersten Impulsvortrag von Samuel Koch klar: Pflege geht uns alle an, es kann jeden betreffen. Und betroffen sind darüberhinaus ganz unterschiedliche Akteure: Pflegebedürftige und deren Angehörige, Pflegende aus dem stationären wie auch ambulanten Bereich, aber auch Menschen die sich mit der Technologie und Digitalisierung auseinandersetzen. Sie alle gilt es einzubinden.

Das Motto des Kongresses war daher auch nicht einfach: „Pflegetechnologie“, sondern: „Innovative Pflegetechnik – Kräfte bündeln, Wissen teilen, Kooperationen stärken“.

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Bayern kann dabei nicht nur auf langjährige Erfahrungen aus Einzelprojekten aufsetzen. Im November 2024 hat das Landesgesundheitsministerium die HighCare Agenda ins Leben gerufen, die bis 2029 mit rund 31 Millionen Euro gefördert wird. Kernvorhaben sind der Aufbau des Kompetenzclusters innovative Pflege (KiPf) am ZTM in Bad Kissingen, die Forschungsinitiative FiPtec an der Hochschule Kempten und die 100-Prozent-WLAN-Strategie für Pflegeeinrichtungen. Judith Gerlach, die bayerische Gesundheitsministerin, stellte die Ziel vor. Damit Digitalisierung den Menschen wirklich dient und als Hilfe empfunden wird, müssenoch an verschiedenen Punkten gearbeitet werden, so die Ministerin.

Dass der Ansatz dieser Agenda, alle Akteure an einen Tisch zu bringen, offenbar Früchte trägt, zeigte sich auch darin, dass im Rahmen des Kongresses zwölf neue Partner im „DigitalPakt Pflege“ begrüßt werden konnten, die die Umsetzung der HighCare Agenda künftig unterstützen werden.

In den Podiumsgesprächen zu Lösungsansätzen wie auch in der anschließenden Podiumsdiskussion zur Umsetzung der HighCare Agenda ist es gelungen, die Standpunkte ganz unterschiedlicher Akteure einzubinden, etwa aus der Pflege, der WIR! Stiftung pflegender Angehöriger, der Hochschulen und Forschungseinrichtungen oder Start-ups. Was zu interessanten, teils auch kontroversen Diskussionen führte. Das Auto habe sich zuvor auch niemand vorstellen können. Man müsse daher den Menschen zunächst „zeigen, was möglich ist" und „einfach mal machen", lautete etwa die dringende Empfehlung von Prof. Dr. Alexander König, Lehrstuhl für Robotik und Systemintelligenz der TUM, – während Prof. Dr. Constanze Giese, Professorin für Ethik und Anthropologie in der Pflege an der Katholischen Stiftungshochschule München, dafür plädierte, zuvor auch die Pflegewissenschaft zu fragen.

KI mit Strickmützchen

Ein Schwerpunkt, auch bei den Themeninseln im Foyer, lag auf dem Einsatz von Robotern. In der anschließenden Session zum Thema „Robotik in der Pflege – welchen Beitrag kann/ soll sie künftig leisten?“ wurden mehrere Projekt vorgestellt, darunter die Plattform hospOS für den Robotereinsatz in Krankenhäusern. Anbieter ist ein Start-up, Athegus, das im Anschluss an ein Verbundprojekt an der Technischen Hochschule Deggendorf gegründet wurde. Dabei konzentrieren sich die Gründer beim Robotereinsatz zunächst auf zwei Anwendungsfälle, die in der Projektstudie das größte Potenzial gezeigt hatten: die Begleitung von Patienten zu ihren Behandlungen oder Untersuchungen innerhalb des Krankenhauses und Transporte, zum Beispiel von Laborproben oder Dokumenten. Damit werden Pflegende entlastet, die zuvor diese Begleit- oder Transportgänge übernehmen mussten.

Die langen Laufstrecken von 8 bis 12 Kilometern, die Pflegende im Krankenhaus pro Schicht zurücklegen, nannte auch Wassim Saeidi, CEO der United Robotics Group Health & Food, als einen Ausgangspunkt für die Entwicklung spezieller Roboter im Krankenhausbereich.

Selbst für die Wahrnehmung und Akzeptanz solcher Funktionsroboter spiele das Design eine Rolle, wie Saeidi erläuterte. Viel weitreichender aber sind in dieser Hinsicht die Anforderungen an soziale Roboter, die mit Menschen nicht nur sprechen, sondern auch mimisch interagieren sollen. Wie das gelingen kann, demonstrierte Claude Toussant, CEO der navel robotics GmbH. Die Navel-Roboter sind ähnlich einem Comic-Charakter gestaltet. Sie halten Blickkontakt, bewegen Kopf und Augen und könnten sich an Gespräche mit einzelnen Personen erinnern und auf Gesagtes zurückkommen. Die kleinen, kindlich wirkenden Roboter mit Kulleraugen und gestrickten Mützchen seien gerade bei Pflegeheimbewohnern beliebt. Wissenschaftliche Studien zeigten zudem eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten der Pflegebedürftigen, wie Claude Toussant erläuterte.

Insgesamt also spannende Möglichkeiten, aber wie können sie schneller in die Pflegepraxis kommen? Das war die Frage in der anschließenden Diskussion. Als Hürden wurden die kaum zu überblickenden Vorschriften, Rechtsunsicherheiten auf der einen, Überregulierung auf der anderen Seite identifiziert, aber auch die Finanzierung.

Um (individuelle) Telemedizinkonzepte ging es in einer der anschließenden Sessions. Darin wurden mehrere Projekte vorgestellt, zu Televisiten wie auch zur vernetzten Betreuung in Pflegeeinrichtungen. Noch recht neu ist der Einsatz im Rahmen der Prähabilitation. In einem Projekt soll untersucht werden, wie Telemedizin genutzt werden kann, um Patienten durch personalisierte Ernährungs- und Bewegungsunterstützung und psychologische Vorbereitung vor onkologischen Eingriffen zu stärken.

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Als weitere Themen wurden in den Sessions diskutiert:

  • Die Zeit läuft – der Weg der Pflege in die Telematikinfrastruktur;
  • Digitalisierung, Entbürokratisierung in der stationären Langzeitpflege – ein Schritt in die richtige Richtung: Initiative Klartext Pflegedokumentation;
  • Schlaglichter für erfolgreiche Pflegeprojekte und wie deren Implementierung in den Pflegealltag funktionieren kann und
  • Das große Ganze – nur die Integration von digitalen Einzelanwendungen bringt nachhaltigen Nutzen.

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