In den vergangenen Jahrzehnten gab es in der medizinischen Welt einen digitalen Umschwung. Dank der Digitalisierung werden nach und nach Prozesse vereinfacht und digitale Technologien finden Einzug in den Arzt-Patienten-Alltag. Es werden neue Behandlungsmöglichkeiten erforscht, Prozesse verbessert und Diagnose-Chancen erhöht.
In vielen operativen Bereichen werden die neuen Technologien bereits angewendet, bei administrativen Abläufen allerdings seltener. Das soll sich zukünftig ändern. Wie steht es um digitale Dienstleistungen wie Sprechstunden oder digitale Kommunikation? Wird es auch nach der Pandemie Sprechstunden via Computer geben? Welche Vorteile haben Videosprechstunden und Online-Krankschreibungen? Und sind Online-Krankschreibungen in Zukunft normal?
Besteht Bedarf an Online-Krankschreibungen?
Aufgrund der Pandemie sind Online-Sprechstunden immer beliebter geworden. Nach Begriffen wie „online Krankmeldung„ oder „Krankmeldung online„ wurde im Vergleich zum Vorjahr bisher um 130 Prozent mehr gesucht. Eine Studie des Bitkom aus dem Jahr 2020 zeigt, dass sich 13 Prozent der Befragten über eine Videosprechstunde mit einem Arzt in Verbindung gesetzt haben. Ganze 45 Prozent der Befragten konnten sich sogar vorstellen, auch in Zukunft Videosprechstunden zu vereinbaren. Auch Ärzte äußern, dass ein Bedarf an digitalen Ressourcen besteht. Insbesondere der elektronische Krankenschein erhält eine hohe Nachfrage, das bestätigt auch der eHealth Monitor 2020 (pdf) von McKinsey.
Das Konzept Online-Sprechstunde scheint insgesamt zu funktionieren und gut anzukommen. Eine Patienten-Umfrage der Online-Arztpraxis Zava mit mehr als 500 Teilnehmern ergab, dass es 71 Prozent für sinnvoll halten, auch nach der Pandemie Online-Krankschreibungen beizubehalten.
Die stellvertretende Ärztliche Leiterin bei Zava, Dr. Ulrike Thieme, spricht sich positiv für die Einführung von Online-Sprechstunden und Online-Krankschreibungen aus: „Das Wartezimmer in der Arztpraxis erhöht durchaus das Risiko, Infektionen, die über die Luft übertragen werden, zu verbreiten. Je voller das Wartezimmer und je geringer die Abstände zwischen den Patienten, desto leichter erfolgt eine derartige Übertragung. Es kann also sein, dass man sich bei der Routinekontrolle beim Hausarzt eine Erkältung mit nach Hause holt. Natürlich kann dies auch im Bus oder beim Einkaufen passieren. Risikogruppen können den Gang zum Arzt aber nicht immer vermeiden oder vorab planen. Hierzu gehören Menschen mit eingeschränktem Immunsystem, Patienten mit schweren Vorerkrankungen, die bei leichten Infekten zu Komplikationen führen, oder Schwangere. Zum Schutz dieser Gruppen werden daher spezielle Termine außerhalb der Stoßzeiten oder Hausbesuche vereinbart.“
Welche Vorteile hat die Online-Krankschreibung?
Online-Sprechstunden bringen einige Vorteile mit sich, die die klassische Sprechstunde nicht abdecken kann. Zum einen nehmen Videosprechstunden weniger Zeit in Anspruch, denn der Weg in die Praxis und das Warten im Wartezimmer bleiben aus. Hinzu kommt, dass für ältere Patienten das Ansteckungsrisiko geringer ist, wenn der Weg in die Praxis wegfällt. Alles zusammen mindert den Stress und spart Geld und Zeit.
Der wohl größte Vorteil der Videosprechstunden ist der erleichterte Zugang zu weiter entfernten Fachärzten. Besonders im ländlichen Raum besteht immer mehr ein starker Mangel an Ärzten. Ländlich geprägte Gebiete wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen haben mit 259 Einwohnern pro Arzt einen eingeschränkteren Zugang zu den Ärzten als Städte wie Berlin, Hamburg oder Bremen, bei denen rund 207 Einwohner auf einen Arzt kommen. Aus Patientensicht ist einer der Hauptvorteile die Verminderung der Ansteckungsgefahr. Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus wollen 85 Prozent laut der Bitkom-Studie lieber auf eine Online-Sprechstunde zurückgreifen.
Ist die Nutzung der Videosprechstunde aber auch gleichzeitig ein Indikator für die Nutzung einer Online-Krankschreibung? Nach Einschätzung von Dr. Thieme können die Gründe, aus denen sich Patienten für eine Nutzung der Videosprechstunde entscheiden, auch auf die Nutzung der Online-Krankschreibung übertragen werden.
Bis es zu einer vollkommenen Digitalisierung des Gesundheitssystems kommt, dauert es noch. Die ersten Schritte sind aber bereits getan: die Politik sowie verantwortliche Interessensgruppen haben die Digitalisierung von analogen Unterlagen eingefordert. Ein Blick in die Zukunft zeigt: Patienten werden sehr wahrscheinlich sowohl die digitale als auch die analoge Krankschreibung in Anspruch nehmen. Zu beachten ist nämlich, dass „je nach vorliegender Problematik der Gang zum Arzt nicht vermieden werden kann. In vielen Fällen kann die Online-Krankschreibung aber Zeit und Weg sparen und das Infektionsrisiko für einen selbst und andere verringern“, so Dr. Thieme.
Stand: 08.12.2025
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