Studie Telemedizin für Senioren mit Sehschwäche

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Augenpflege über Ferndiagnostik: Eine Studie zeigt, wie Telemedizin bei Augenuntersuchungen für Senioren in Pflegeheimen unterstützt und damit erfolgreich Mehrwert in der Digitalisierung der Pflege bietet.

Für das Ausbleiben augenärztlicher Untersuchungen in Pflegeheimen spielt der Pflegegrad und die Aufenthaltsdauer von Senioren eine große Rolle. (© Shining Pro – stock.adobe.com / KI-generiert)
Für das Ausbleiben augenärztlicher Untersuchungen in Pflegeheimen spielt der Pflegegrad und die Aufenthaltsdauer von Senioren eine große Rolle.
(© Shining Pro – stock.adobe.com / KI-generiert)

Zur Hochrisikogruppe für Augenerkrankungen zählen Menschen mit Vorerkrankungen, wie Diabetes oder deren Verwandte und Menschen hohen Alters. Allein in Deutschland leben über 800.000 Senioren in über 13.600 Pflegeeinrichtungen. Gerade für diese Gruppe ist die medizinische Versorgung eine Hürde: immobile Patienten, aufwendige Transporte, fehlende Unterstützung, kaum Aufklärung und wenig Vorsorgeuntersuchungen. Es ist aber wichtig, nicht nur betroffene Menschen mit Sehverlust oder -behinderung, sondern vor allem auch Risikogruppen regelmäßig zu untersuchen, um eine mögliche Erkrankung zu verhindern.

Dr. Leon von der Emde, Assistenzarzt der Augenklinik am UKB Universitätsklinikum Bonn, untersuchte in seiner Studie, wie die Telemedizin helfen kann, um die ophthalmologische Versorgung von älteren Menschen zu gewährleisten und so einen möglichen Sehverlust zu verhindern. Dabei wurden im März 2023 verschiedene Augenuntersuchungen an etwa 109 von 139 Senioren aus drei verschiedenen Altersheimen in Bonn vorgenommen.

Zu den Untersuchungen zählten Sehtests, eine Augeninnendruckmessung, ein Amsler-Gitter-Test, eine Spaltlampenuntersuchung, eine OCT des Augenhintergrundes und andere. Durchgeführt wurden die Tests von speziell geschultem, aber nicht-augenärztlichem Personal. Die Ergebnisse wurden daraufhin über eine Telemedizinplattform an Augenärzte übermittelt, diagnostiziert und dann den Patienten mitgeteilt.

Von der Emde teilte mit, dass bei über 60 Prozent der Patienten die Brillen nicht adäquat angepasst waren, fast jeder zweite Bewohner einen grauen Star hatte, der die Sehkraft einschränkte, und dass fast jeder Vierte AMD-typische Veränderungen aufwies. Die Bildqualität erreichte dabei 4 von 5 möglichen Punkten. Nur etwa ein Drittel der Senioren kannte die eigene Diagnose und den Behandlungsbedarf: „Diese Risikofaktoren zu kennen, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Versorgung“, sagte Privatdozent Dr. med. Thomas Ach, Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Die Studie zeigt, dass Telemedizin für Augenuntersuchungen durchaus geeignet und erfolgreich ist: Die Patienten waren zufrieden und wiesen eine „sehr hohe Akzeptanz für telemedizinische Beurteilungen auf, ohne den Arzt persönlich gesehen zu haben“, so von der Emde. 96 Prozent gaben an, dass sie definitiv noch einmal teilnehmen würden.

„Teleophthalmologie kann die Versorgung verbessern.“ Doch ist das vielmehr ein zusätzliches Angebot, das unterstützend sein kann, indem es diagnostische Barrieren in Pflegeheimen abbaut. Eine Kombination von Untersuchungen vor Ort und telemedizinischen Diagnosen ist noch viel effizienter: Denn nicht alle Krankheiten lassen sich per Telemedizin diagnostizieren. Manche brauchen wirksame Behandlungen und Therapien, wie zum Beispiel in der AMD, wo eine Augenlicht-Behandlung mit regelmäßigen Injektionen einhergehen sollte und das erfordert nach wie vor einen Besuch in der Praxis. Auch ist noch nicht geklärt, wie bettlägerige, immobile Menschen am besten telemedizinisch untersucht werden können. Von der Emden teilte auch mit, dass sich einige Patienten nicht mehr an ihren digitalen Befund erinnern konnten. Ein Besuch vor Ort bleibt also nicht ganz ersetzbar, allein weil es mehr Erinnerungswert für die Menschen hat, vor Ort zu erscheinen und den Arzt persönlich zu sehen.

(ID:50064357)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung