Arztpraxis Viele Praxen wollen Software wechseln

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt: Ärztinnen und Ärzte sind mit ihren Praxisverwaltungssystemen nach wie vor nicht zufrieden und denken über einen Wechsel nach. Hauptkritikpunkt: die Fehleranfälligkeit.

Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).(Bild:  Zi / Lopata)
Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).
(Bild: Zi / Lopata)

Jede dritte Arzt- und Psychotherapiepraxis möchte ihr Praxisverwaltungssystem (PVS) wechseln. Dies geht aus einer Befragung des Zentralinstituts kassenärztliche Versorgung (ZI) hervor, die zwischen Mai und Juni 2025 durchgeführt wurde. Die Unzufriedenheit mit der aktuell genutzten Software wird begründet mit

  • unzureichendem Kundensupport (52 Prozent),
  • versteckten Preissteigerungen (46 Prozent),
  • zu hohen Wartungskosten (46 Prozent),
  • Problemen beim Auslesen der elektronischen Gesundheitskarte (82 Prozent),
  • Fehlern beim Verbindungsaufbau des Konnektors mit der Telematikinfrastruktur (81 Prozent) sowie
  • Schwierigkeiten bei der Erstellung des elektronischen Rezepts (71 Prozent).

Immerhin: Die Nutzer bewerten die Benutzerfreundlichkeit ihrer Software als „exzellent“; dennoch würden sie 18 der 32 meistgenutzten Systeme nicht weiterempfehlen.

„Im Vergleich der beiden Befragungen 2024 und 2025 zeigt sich einerseits eine leichte Verbesserung im Bereich der Nutzerfreundlichkeit, die über alle betrachteten 32 Systeme um 3,4 Punkte anstieg. Andererseits blieb die Weiterempfehlungsneigung stagnierend, negative Bewertungen haben sogar zugenommen“, kommentiert Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried die Ergebnisse. Die Wechselwilligkeit sei hingegen leicht rückläufig – von 44 auf 33 Prozent. Für von Stillfried jedoch kein Zeichen für steigende Zufriedenheit: „Neben einer grundlegenden Zufriedenheit mit der aktuellen Anwendung bei gut zwei Dritteln der Befragten spielen befürchtete Probleme bei der Datenmigration oder zu hohe Wechselkosten sowie organisatorische Herausforderungen eine zentrale Rolle.“

Die befürchteten Migrationsprobleme sind laut Befragung nicht gerechtfertigt. Bei der Mehrheit sei die Datenmigration ohne Datenverlust verlaufen, die Überführung der Praxis- und Patientendaten erfolgte mit „angemessenem Aufwand“. Ein Wechsel sei dennoch mit Zeit-, Kosten- und Organisationsaufwand verbunden. „Diese Lasten tragen die Praxen allein“, betont von Stillfried. In der Übergangsphase komme es häufig zu Einschränkungen in der Patientenversorgung. Er ergänzt: „Da funktions- und leistungsfähige Softwaresysteme heute Voraussetzung für eine verlässliche ambulante Versorgung sind, darf der Umstieg auf eine qualitativ hochwertigere Praxissoftware kein Risiko sein, sondern sollte gezielt gefördert werden. In der Krankenhausdigitalisierung jedenfalls besteht ein solcher Fördertopf, warum also nicht auch für die Praxen?“

Das aktuelle Monitoring könne als Entscheidungshilfe bei einem geplanten Software-Wechsel dienen. „In unseren Erhebungen sind die Bewertungen insgesamt sehr konsistent. Systeme mit geringer Nutzerfreundlichkeit, hohen Fehlerraten und oft mangelhaftem Service werden weit überwiegend nicht weiterempfohlen. Auch wer erst kürzlich zu einem insgesamt eher schlecht bewerteten System gewechselt ist, kommt auch nach dem Wechsel kaum zu einer besseren Bewertung“, sagt von Stillfried. Für den Zi-Vorsitzenden gehört eine gute Praxissoftware zur Basis der medizinischen Versorgung. „Fällt die Software aus und gibt es Probleme, den Support zu erreichen, steht die Praxis still, die medizinische Versorgung kommt weitgehend zum Erliegen. Geht die Arbeit an der Praxissoftware hingegen leicht von der Hand, wird mehr Zeit für die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten frei“, führt er aus. Gute Software könne zudem die Qualität der Behandlung fördern: „Zum Beispiel, indem der Überblick über bereits vorhandene digitale Informationen schnell und zielstrebig gelingt, sodass diese effizient in den ärztlichen Entscheidungsprozess einfließen kann. Insofern ist die Leistungsfähigkeit der Praxissoftware ein wichtiger Faktor für die medizinische Versorgung der Patienten“, ist von Stillfried überzeugt.

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