Digital Health Virtuelle Visite statt Wartezimmer

Ein Gastbeitrag von Dr. Art Timmermeister 4 min Lesedauer

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Digitalisierung in der Arztpraxis: Dr. Art Timmermeister erläutert am Beispiel seines eigenen MVZ, wie digitale Kommunikation die ambulante Versorgung transformieren kann.

Telemedizin, Online-Terminbuchungen oder Messenger-Apps können die Prozesse in der Arztpraxis effizienter gestalten.(© RioPatuca Images – stock.adobe.com)
Telemedizin, Online-Terminbuchungen oder Messenger-Apps können die Prozesse in der Arztpraxis effizienter gestalten.
(© RioPatuca Images – stock.adobe.com)

Das theoretische Nutzenpotenzial der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen liegt einer aktuellen McKinsey-Studie zufolge bei bis zu 42 Milliarden Euro jährlich, was rund 12 Prozent der gesamten Gesundheits- und Versorgungsausgaben entspricht.

Besonders vielversprechend sind digitale Anwendungen wie Telemedizin, Online-Terminbuchungen oder interdisziplinäre Kommunikation via Messenger-Apps. Sie sollen nicht nur Prozesse effizienter gestalten, sondern auch die Versorgungsqualität und das Patientenerlebnis verbessern. Der Großteil dieses Potenzials ließe sich durch Produktivitätssteigerungen bei Leistungserbringern und durch die Vermeidung unnötiger Behandlungen heben. Doch bislang wurden davon lediglich 1,4 Milliarden Euro realisiert – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Transfer in die Praxis stockt. Umso wichtiger sind konkrete Beispiele aus dem Versorgungsalltag, die zeigen, wie Digitalisierung bereits heute wirkt.

Digitale Kommunikation als Rückgrat der Versorgung

So wird beispielsweise an sechs Praxisstandorten der 4smile MVZ GmbH in Nordrhein-Westfalen die Versorgung komplett über eine datenschutzkonforme Messenger-Infrastruktur organisiert. Damit wird eine neue Form digital gestützter, interdisziplinärer Zusammenarbeit im Sinne der Patientinnen und Patienten etabliert. Die digitale Kommunikation ist hier nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein zentraler Baustein der Versorgungsqualität. Ob intern zwischen den Standorten oder extern mit Hausärztinnen, Schlafmedizinern oder Osteopathinnen – der strukturierte Austausch über Messenger-Gruppen ist in den Arbeitsalltag integriert. Dabei geht es längst nicht mehr um Einzelfallabsprachen, sondern um eine durchdachte Infrastruktur mit klaren Gruppenstrukturen, definierten Prozessen und standardisierten Abläufen.

Das Resultat: eine schnelle und dokumentierte Kommunikation. Diese ist unabhängig vom Ort der Beteiligten und maximal transparent. Fallinformationen wie Röntgenbilder, Anamnesebögen oder Verlaufsschilderungen sind in einer fallbezogenen Timeline chronologisch dokumentiert und für alle Beteiligten einsehbar. Dies gewährleistet einen kontinuierlichen, transparenten Datenfluss – insbesondere bei Übergaben zwischen Kollegen. Ungefähr zwei bis drei Stunden täglich verbringt das Fachpersonal mit dem digitalen Fallmanagement. Was für Außenstehende nach Zusatzaufwand klingt, ist für die behandelnden Ärztinnen jedoch ein zentraler Bestandteil ihrer Versorgung. Die investierte Zeit spart doppelte Untersuchungen, sorgt für Klarheit und schafft Vertrauen.

Ambulante „Visite“ neu gedacht

Was in Kliniken unter den Bezeichnungen „Tumorkonferenz“ und „Oberarztvisite“ etabliert ist, wird bei 4smile auch ambulant umgesetzt. Die tägliche, interdisziplinäre Fallbesprechung erfolgt digital – synchron wie asynchron. Dieser Ansatz bietet insbesondere bei komplexen Diagnosen wie craniomandibulären Dysfunktionen (CMD), Schlafapnoe oder kombinierter Schienentherapie erhebliche Vorteile. Verschiedene Fachdisziplinen analysieren gemeinsam Befunde, planen Therapieschritte und stimmen sich über den weiteren Verlauf ab.

Dabei kommt es nicht auf die physische Anwesenheit der Experten an, sondern auf das digitale Zusammenspiel. Die Ärztinnen beteiligen sich, wann immer es in den Praxisalltag passt und das, ohne dass die Patienten zusätzliche Wege oder Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Somit stehen sie stets im Zentrum und ihre Behandlung wird zum koordinierten Gemeinschaftsprojekt.

Digitalisierung als wirtschaftlicher Hebel

Die Vorteile des digitalen Setups zeigen sich somit auch wirtschaftlich. Die strukturierte Kommunikation spart Zeit, vermeidet doppelte Untersuchungen, reduziert Informationsverluste und ermöglicht eine Maximalversorgung auch ohne Vollzeitpräsenz von Spezialistinnen. Für die zahnärztlichen Praxen rund um Bielefeld, Gütersloh und Paderborn ist klar: Digitale Kommunikation ist ein echter Wirtschaftsbooster.

Lösung

Im 4smile MVZ ist Doctolib Siilo im Einsatz. Die Kollaborationsplattform wurde laut Anbieter speziell entwickelt, um die Zusammenarbeit und Koordination zwischen medizinischen Teams und Organisationen zu optimieren.

Insbesondere in großen MVZ-Strukturen bietet die konsequente Digitalisierung der Prozesse die Chance, die wirtschaftliche Effizienz zu steigern, ohne an Patientiennähe zu verlieren. Die Kombination aus individueller Betreuung und standortübergreifender Kompetenz wird so zum Markenkern. Das 4smile MVZ hat sich das Motto „So individuell wie eine Einzelpraxis, so kompetent wie ein Krankenhaus“ auf die Fahne geschrieben.

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Bottom-up statt Top-down: Digitalisierung im Alltag verankern

Die Digitalisierung der gesamten Praxisstruktur war kein Top-down-Projekt, sondern entwickelte sich schrittweise aus dem Alltag. Da die Nutzung von standardisierten Messenger-Apps aus Datenschutzgründen problematisch ist, wurde das datenschutzkonforme Tool eingeführt und die Prozesse sowie Arbeitsabläufe sukzessive angepasst. So ist das digitale Fallmanagement heute ein fester Bestandteil des Alltags und umfasst mehrere Stunden täglicher Arbeit. Es stellt keinen Zusatzaufwand dar, sondern ist eine effiziente Form strukturierter Versorgung.

Gerade für erfahrene Ärztinnen, die viele Jahre ohne digitale Tools gearbeitet haben, bieten solche interdisziplinären Kollaborationsplattformen einen idealen Einstieg: Sie sind niedrigschwellig, intuitiv bedienbar und lassen sich problemlos in den Alltag integrieren. Für junge Kollegen hingegen ist die Digitalisierung selbstverständlich. Sie erwarten moderne, digitale Arbeitsprozesse und entscheiden sich bewusst für Praxen, in denen diese Realität sind. Entscheidend ist dabei nicht die Technologie an sich, sondern ihr konkreter Nutzen. Wenn digitale Anwendungen Abläufe vereinfachen statt verkomplizieren, entsteht echte Akzeptanz. Das Beispiel von 4smile zeigt, dass praktikable Lösungen dort entstehen, wo Fachleute eigenverantwortlich handeln und sich sinnvoll vernetzen – ganz ohne aufwendige Change-Prozesse.

Fazit: Vernetzung für eine neue Versorgungsrealität

Die digitale Transformation im Gesundheitswesen wird häufig auf Systemebene als Herausforderung diskutiert. Doch Fortschritt entsteht bereits oft im Kleinen: In Praxen, MVZs und engagierten Teams, die ihre Arbeit neu denken. Das Beispiel des zahnärztlichen MVZs in Nordrhein-Westfalen zeigt, wie sich digitale Kommunikation, interdisziplinäre Zusammenarbeit und wirtschaftlicher Nutzen verbinden lassen – ganz konkret und praktisch. Wer Digitalisierung wirklich als Chance begreift, beginnt im Alltag und gestaltet eine an Patienten orientierte Versorgung.

Dr. Art Timmermeister
ist Zahnarzt und Geschäftsführer der 4smile MVZ GmbH, einem Verbund aus sechs zahnmedizinischen Standorten. Seit über 13 Jahren führt er eigene Praxen, seit rund sechs Jahren entwickelt er praxisübergreifende Versorgungsmodelle mit dem Ziel, Patienten individuell und gleichzeitig standortübergreifend kompetent zu versorgen.

Bildquelle: 4smile MVZ GmbH

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