E-Health Pioneers Podcast zu DiGA 2.0 Was bleibt vom Versprechen der App auf Rezept?

Von Stephan Augsten 5 min Lesedauer

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Fünf Jahre nach Einführung digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) fällt die Bilanz gemischt aus. In der ersten Live-Folge des Podcast „E-Health Pioneers“ diskutierten Gastgeberin Andrea Buzzi, Co-Host Oliver Struckmeier und Henrik Emmert von Sidekick Health, wo der DiGA-Markt heute steht – und was sich ändern muss.

In der ersten Live-Folge des Podcast E-Health-Pioneers diskutierten Gastgeberin Andrea Buzzi und Co-Host Oliver Struckmeier mit Henrik Emmert über den Status quo bei den Digitalen Gesundheitsanwendungen.(Bild: ©  The Medical Network)
In der ersten Live-Folge des Podcast E-Health-Pioneers diskutierten Gastgeberin Andrea Buzzi und Co-Host Oliver Struckmeier mit Henrik Emmert über den Status quo bei den Digitalen Gesundheitsanwendungen.
(Bild: © The Medical Network)

Seit im September 2020 die erste digitale Gesundheitsanwendung im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet wurde, sind insgesamt 78 DiGA zugelassen worden. Aktuell sind 61 davon verschreibungsfähig. Die Marke von einer Million Verordnungen ist geknackt, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung belaufen sich auf mehr als 230 Millionen Euro. Für 2025 rechnet die Branche mit 650.000 bis 700.000 eingelösten DiGA-Rezepten – der Trend zeigt steil nach oben.

Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer von The Medical Network, einer auf E-Health spezialisierten Kommunikationsberatung. Neben Healthcare- und Pharma-Expertise verfügt er über langjährige PR-Erfahrung in Launch- und Unternehmenskommunikation, digitalem Marketing und Krisenkommunikation.(Bild: ©  The Medical Network)
Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer von The Medical Network, einer auf E-Health spezialisierten Kommunikationsberatung. Neben Healthcare- und Pharma-Expertise verfügt er über langjährige PR-Erfahrung in Launch- und Unternehmenskommunikation, digitalem Marketing und Krisenkommunikation.
(Bild: © The Medical Network)

Zahlen, die Oliver Struckmeier, Geschäftsführer der Kommunikationsberatung The Medical Network, durchaus als Erfolgsgeschichte wertet: „Wenn man sich überlegt, das ist ein komplett neues System. Wir sind die Einzigen und Ersten in Europa, die sowas gemacht haben. Und wir Deutschen sind nicht unbedingt immer diejenigen, die die Digitalinnovation als Erste […] umarmen.“ Im Verhältnis zum Gesamttopf der GKV-Ausgaben seien die DiGA-Kosten „wirklich Peanuts“.

Bekanntheitsdefizit als größte Hürde

Doch bei den Versicherten selbst ist das Angebot nach wie vor weitgehend unbekannt. Henrik Emmert, Managing Director Germany bei Sidekick Health und verantwortlich für die DiGA Zanadio und Pink gegen Brustkrebs, schätzt: „Wenn man heute auf die Straße gehen würde und 100 Deutsche fragen würde, ich glaube […] mindestens 90 würden sagen: ‚DiGA […]? Noch nie gehört.‘“ Wer allerdings einmal eine DiGA nutze, reagiere in der Regel positiv: 81 Prozent der Nutzer lösten ihren Aktivierungscode tatsächlich ein, 30 bis 50 Prozent nutzten die Anwendung über die gesamte verschriebene Dauer intensiv. Im Vergleich mit der Adhärenz im Pharmamarkt stehe man damit „gar nicht schlecht da“, meinte Emmert.

Das Problem liegt eher auf dem Weg dorthin. Sowohl auf Patientenseite als auch bei Verschreibenden fehlt es an Information. Eine Befragung unter Internisten aus dem Jahr 2024 ergab einen DiGA-Kenntnisstand von gerade einmal 3,17 von zehn möglichen Punkten. Emmert sieht darin die zentrale Aufgabe: „Das sind ja Werkzeuge, die in ärztliche Hand gehören, um ihr Repertoire zu erweitern.“ Man konkurriere um die Aufmerksamkeit der Ärztinnen und Ärzte mit der Pharmaindustrie – und bediene sich zunehmend auch deren Methoden: Sidekick Health beschäftigt laut Emmert mehr als 30 Mitarbeiter im Außen- und Innendienst, die das System DiGA in Praxen erklären.

Kommerzialisierung wird unterschätzt

Andrea Buzzi ist Gründerin der Kommunikationsberatungen FRAUWENK und The Medical Network. Die examinierte Krankenschwester und studierte Betriebswirtin berät seit 2008 Unternehmen der digitalen Wirtschaft in der strategischen Kommunikation. Als Host des „E-Health Pioneers Podcast“ gibt sie Start-ups und Innovierenden im E-Health-Bereich eine Bühne.(Bild: ©  The Medical Network)
Andrea Buzzi ist Gründerin der Kommunikationsberatungen FRAUWENK und The Medical Network. Die examinierte Krankenschwester und studierte Betriebswirtin berät seit 2008 Unternehmen der digitalen Wirtschaft in der strategischen Kommunikation. Als Host des „E-Health Pioneers Podcast“ gibt sie Start-ups und Innovierenden im E-Health-Bereich eine Bühne.
(Bild: © The Medical Network)

Die Kosten für die Kundengewinnung sind erheblich. Je nach Indikation und Kanal könne bei der ersten Verordnung „mehr oder weniger nur für Kundengewinnungskosten draufgehen“, berichtet Emmert. Bei einem Erstverordnungspreis von rund 180 Euro bedeutet das: Der gesamte Erlös fließt zunächst ins Marketing. In hart umkämpften Indikationsfeldern wie Adipositas lägen die Akquisitionskosten pro Patient um den Faktor zehn höher als etwa in der Onkologie.

Viele DiGA-Hersteller unterschätzten diesen Aufwand, warnt Emmert. Nach der oft millionenschweren und langwierigen Zertifizierung gehe „so ein bisschen auch die Luft aus und das Geld auch“, ergänzt Buzzi. Emmert rät Gründern daher zu zwei Dingen: „Kommerzialisierung nicht unterschätzen“ und „von vornherein ärztlich mitdenken“. Eine DiGA gemeinsam mit Medizinerinnen und Medizinern zu entwickeln, sei „das Beste, was man machen kann“.

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