First Responder Wenn jede Sekunde zählt

Von Johannes Kapfer 3 min Lesedauer

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Medizinische Notfälle erfordern oftmals die schnellstmögliche Einleitung lebensrettender Sofortmaßnahmen. Bundeseinheitliche Hilfsfristen sind nicht definiert. Wir stellen zwei Konzepte vor, die Ersthelfer in wenigen Minuten zu Notfall-Patienten leiten.

Pro Minute, in der nicht reanimiert wird, sinkt die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand um rund zehn Prozent.(©  showcake - stock.adobe.com)
Pro Minute, in der nicht reanimiert wird, sinkt die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand um rund zehn Prozent.
(© showcake - stock.adobe.com)

Die sogenannte Hilfsfrist beschreibt die Zeitspanne zwischen einem eingegangenen Notruf und dem Eintreffen von Rettungskräften beim Einsatzort. Sie ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich definiert. Einwohnerinnen und Einwohner Hamburgs und der urbanen Bereiche NRWs erhalten in durchschnittlich acht Minuten adäquate Hilfe bei Notfällen. In Bayern beispielsweise ist die Hilfsfrist auf 12 Minuten festgelegt. Diese Differenz von vier Minuten kann buchstäblich über Leben und Tod entscheiden. Verschiedene Projekte und Konzepte haben sich der Reduzierung der Hilfsfrist und damit der schnellstmöglichen Einleitung von lebensrettenden Maßnahmen verschrieben.

Helfer vor Ort: Leben retten im Ehrenamt

In Deutschland erleiden pro Jahr etwa 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Neun von zehn Patientinnen und Patienten überleben diesen nicht. Experten gehen davon aus, dass in jeder Minute, in der keine Herz-Druck-Massage durchgeführt wird, die Überlebenschance um rund zehn Prozentpunkte abnimmt. Bei einer Hilfsfrist von 12 Minuten ist das Ergebnis für Patienten und deren Angehörige ernüchternd. Zumal diese Zeit ab dem Eingang des Notrufs bei der integrierten Leitstelle (ILS) und nicht ab dem Zeitpunkt des Kreislaufstillstands gerechnet wird. Das Bayerische Rote Kreuz hat diesen Umstand erkannt und seit Mitte der 1990er Jahre die sogenannten Helfer vor Ort (HVO) im Einsatz. Dabei handelt es sich um Personen mit medizinischem oder Rettungskräfte-Hintergrund, die bei Bedarf – parallel zum Rettungsdienst – von der ILS alarmiert werden und innerhalb kürzester Zeit – oft in weniger als fünf Minuten – am Einsatzort eintreffen können. Dort können sie durch das sofortige Einleiten von Reanimationsmaßnahmen die Zeitspanne bis zum Eintreffen der regulären Einsatzkräfte überbrücken und im Zweifelsfall Leben retten.

Die HVOs verfügen während ihrer Dienste – die ausschließlich im Ehrenamt stattfinden – oftmals über Fahrzeuge, die medizinisch vergleichbar zu Notarztfahrzeugen ausgestattet sind. Bei Einsätzen verfügen sie – analog zu regulären Rettungskräften – über besondere Wegerechte und sind wie ihre Kolleginnen und Kollegen über einen umfassenden Versicherungsschutz des Roten Kreuzes. Die Finanzierung der Helfer vor Ort geschieht in der Regel über Spenden, da ihr Betrieb keine kommunale Pflichtaufgabe darstellt – wenngleich die Hauptprofiteure die Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum sind. Auch in anderen Bundesländern existieren derartige Ersthelfer-Konzepte. In NRW sind sie beispielsweise als Notfallhelfer, in Hessen als Voraus-Helfer bekannt.

Mobile Retter: Die App die First Responder ruft

In vielen Spielfilmen und Serien fällt er. Der ikonische Satz „Ist ein Arzt anwesend?“, der stets Wunder wirkt. Wie von Geisterhand ist plötzlich qualifiziertes Personal en masse in unmittelbarem Umkreis anwesend und verunglückte Personen können in letzter Sekunde wiederbelebt werden. Happy End. Dass sich das im echten Leben nicht derart einfach gestaltet, muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Bei der Entwicklung der App Mobile Retter, die bei der Dortmunder adesso-Tochter medgineering GmbH entstanden ist, könnte der Gedanke „Was wenn doch immer ein ‚Arzt‘ anwesend ist?“ dennoch eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung sind – statistisch betrachtet – Angehörige der (freiwilligen) Feuerwehren, des THW, des Rettungsdienstes oder des DLRG und verfügen damit über die medizinischen Qualifikationen, die benötigt werden, um Teil von ‚Mobile Retter‘ werden zu können. Das entspricht über 1,6 Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Die mobilen Retter werden in Notfällen per App alarmiert und erhalten von der jeweiligen ILS – vollautomatisiert – Meldung über die Art des Notfalls sowie die exakten GPS-Daten des Einsatzortes direkt auf ihr Smartphone geschickt. Sollten sie den Einsatz annehmen, werden sie auf dem kürzesten Weg dorthin navigiert.

Seit 2013 wurden auf diese Art und Weise von 13.600 registrierten First Respondern rund 24.400 Einsätze absolviert. Die durchschnittliche Zeitspanne zwischen Alarmierung und dem Beginn von Reanimationsmaßnahmen betrug dabei 257 Sekunden. Vereinfacht gesagt, weniger als viereinhalb Minuten. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu überleben – rein rechnerisch – bei über 50 Prozent. Etablierte Rettungsdienste können zwar weder durch die Helfer vor Ort noch durch die mobilen Retter in Gänze ersetzt werden, doch bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt buchstäblich jede Sekunde.

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