Künstliche Intelligenz Wie ChatGPT und Co. unser Gehirn verändern

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Im Gehirn arbeiten Milliarden vernetzter Nervenzellen, verschiedene Areale haben unterschiedliche Aufgaben. Die Digitalisierung verändert Experten zufolge Lernprozesse im Gehirn. Und auch Künstliche Intelligenz (KI) stellt mit Programmen wie ChatGPT teils neue Anforderungen an die menschliche Steuerzentrale.

Kognitive Veränderungen durch den Einsatz von KI-Programmen. Was wie ein Ammenmärchen klingt, ist tatsächlich wissenschaftlich begründbar.(©  volodyar - stock.adobe.com)
Kognitive Veränderungen durch den Einsatz von KI-Programmen. Was wie ein Ammenmärchen klingt, ist tatsächlich wissenschaftlich begründbar.
(© volodyar - stock.adobe.com)

Psychologe und Hirnforscher Peter Gerjets vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen geht davon aus, dass ChatGPT und ähnliche Angebote einen großen Einfluss auf das Bildungswesen haben werden. Eine sinnvolle, kompetente Nutzung sei dabei keineswegs ein Selbstläufer.

„Es darf nicht passieren im Bildungsprozess, dass der aktive Lernprozess an ChatGPT ausgelagert und das Gehirn nicht gefordert wird“, sagt der Bildungswissenschaftler zum Internationalen Tag der Bildung am 24. Januar. „Es ist wichtig, was im Kopf passiert und was als echte Lernleistung herauskommt. Ob das mit oder ohne Unterstützung von GPT passiert, ist letztlich nicht entscheidend.“

„Kognitives Off-Loading“

Kognitive Arbeitsleistungen an KI abzugeben sei immer mit der Frage verbunden, ob damit Freiräume entstehen, die das Gehirn für andere Aufgaben nutzen könne. So war es einst auch heiß diskutiert worden bei der Einführung von GPS-Navigationssystemen.

„Fakt ist: Wird eine bestimmte Fähigkeit nicht mehr benötigt, dann werden die Hirnareale, die diesen Skill implementieren, geschwächt.“ Gerjets nennt als Beispiel: „Wenn ich den Taschenrechner zum Dividieren nutze, bin ich im Ergebnis wesentlich schneller, aber meine Fähigkeit, zu dividieren, leidet und das wirkt sich auf die entsprechenden Hirnareale aus.“ Das sei aber kein Drama. „Was im Gehirn verschüttet ist, kann wiederbelebt werden, ist also nicht verloren.“

Der Forscher erläutert: Bestimmte Bereiche „schwellen“ quasi an bei besonders starken Anforderungen. „Sie werden größer und dichter.“ Und sie verkleinern sich bei abnehmender Anforderung. Ein permanentes Multitasking führe zu Erschöpfung im Gehirn.

Präfrontaler Cortex stärker beansprucht

Schon das Nutzen technischer Geräte wie Tablets beim digitalen Lernen benötigt extra Aufmerksamkeit und Energie, weil neben der inhaltlichen Verarbeitung auch die Bedienung der Technik Konzentration beanspruche, schildert Neurobiologe Martin Korte von der TU Braunschweig. Beim Scrollen über mehrere Seiten hinweg und Eintauchen in Hyperlinks sei es anstrengend, den inhaltlichen Bezug nicht zu verlieren, den Überblick im Kopf wieder herzustellen. Vor allem der präfrontale Cortex im Frontallappen – „Kommandozentrale im Gehirn und das Cockpit, in dem alle Informationen zusammenlaufen und Aufgaben verteilt werden“ – sei deutlich mehr beansprucht.

Da nun absehbar KI mit Tools wie ChatGPT verstärkt hinzukommen, gelte umso mehr: „Wenn wir beim Lernen durch vorgefertigte Antworten nur passive Zuschauer sind, ist das Lernen nicht nachhaltig“, sagt Korte. Aktivität sei wichtig – und ebenso, dass man Inhalte und Informationen reflektieren könne. Daraus entstehe dann Wissen, das im Gehirn abgespeichert werde – was wiederum „die Verschaltungen, also die Struktur des Gehirns verändert“. Eine KI, die verstanden werde in ihren Stärken und Schwächen, könne ein Gewinn sein. „Aber nur, wenn wir – Lehrer wie Schüler – in gleichem Maße klüger werden wie die Maschinen ‚klüger‘ werden“, unterstreicht Korte.

Auf der nächsten Seite: Langfristige Folgen für das Gehirn und Perspektiven aus der Forschung.

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