Krankenhausinformationssysteme Wie sich die geeignete Nachfolge für SAP IS-H findet

Ein Gastbeitrag von Gerrit Schröder 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Wie sollten Krankenhäuser bei der Auswahl einer Nachfolgelösung für SAP IS-H vorgehen? Gastautor Gerrit Schröder erklärt, worauf es bei der Anforderungsanalyse und der Projektplanung ankommt und warum eine Aufteilung in zwei Projekte zu empfehlen ist.

Im Rahmen von Pilotprojekten sollen Gesundheitseinrichtungen aktiv an der Entwicklung der Abrechnungslösungen durch die KIS-Anbieter mitwirken können. (© Suriyo – stock.adobe.com)
Im Rahmen von Pilotprojekten sollen Gesundheitseinrichtungen aktiv an der Entwicklung der Abrechnungslösungen durch die KIS-Anbieter mitwirken können.
(© Suriyo – stock.adobe.com)

Durch die Ankündigung des Anbieters, SAP IS-H als Branchenlösung für Gesundheitseinrichtungen nicht auf S/4HANA lauffähig zu betreiben, gibt es keine direkte Nachfolgelösung. Viele Gesundheitseinrichtungen stehen nun vor der Herausforderung, den Funktionsumfang des SAP IS-H durch eine geeignete Alternative zu ersetzen. Inzwischen kristallisieren sich Partnerlösungen auf S/4HANA oder Nicht-SAP-Technologien als mögliche Optionen heraus.

Zuerst sollte die strategische Fragestellung geklärt werden, ob weiterhin eine SAP-Strategie für die Organisation verfolgt wird – dann ist ein Umstieg des ERP auf S/4HANA unumgänglich. Dessen Betrieb ist einerseits mit hohen Implementierungs- und Lizenzkosten verbunden. Gleichzeitig entscheiden sich Organisationen für eine konstante und langlebige Software-Lösung und profitieren von technischen Innovationen. Die S/4HANA-Transformation ermöglicht, Prozesse innerhalb der Organisation neu zu entwickeln, zu standardisieren und ein neues zukunftsfähiges ERP aufzubauen.Der Anbieter stellt hier Best-Practice-Lösungen bereit, um die hauseigenen Prozesse mit der Außenwelt (branchenunabhängig) zu vergleichen. Hierbei sollte das Thema einer möglichen Cloud-Lösung (Public oder Private Cloud) geprüft werden.

Aufteilung in zwei Projekte

Die allgemeine Empfehlung lautet, dass die S/4HANA-Transformation von der Ablöse vom SAP IS-H getrennt und in zwei Projekte aufgliedert werden sollte. So werden die Themen SAP-ERP-Core und SAP IS-H entkoppelt, dabei ist der Side-by-Side-Ansatz hilfreich. Dieser bietet die Möglichkeit, das ERP auf S/4HANA zu transformieren, während das SAP IS-H zunächst im R/3 ECC verbleibt. Hierzu stehen die Transformationsansätze Greenfield oder Selective Data Transition zur Verfügung. Welcher Ansatz der bessere für die jeweilige Organisation ist, hängt vom Grad der Individualisierung und somit von der Abweichung vom SAP-Standard ab. Durch die Zweiteilung wird die Komplexität aus den Projekten genommen und die Projektteilnehmenden werden entlastet. Parallel kann eine Marktbetrachtung für eine Nachfolgelösung weitergeführt werden.

Funktionsumfang ermitteln und Anforderungen definieren

SAP IS-H unterteilt sich im Wesentlichen in Patientenadministration und -management sowie die Leistungsabrechnung. Den Teilbereich der Administration können viele Krankenhausinformationssysteme (KIS) meist vollständig übernehmen. Komplexer ist der Teilbereich der Leistungsabrechnung. Hier müssen je nach Einrichtung (teil-)stationäre und ambulante Leistungen, die Patienten in der Einrichtung erhalten, regulatorisch korrekt abgerechnet werden. Dabei ist SAP IS-H oft das führende System, in dem alle Leistungsdaten aus den am medizinischen Arbeitsplatz verwendeten Systemen zusammenlaufen. Aus der medizinischen Dokumentation werden abrechenbare Leistungen zusammengefasst, intern in die Finanzbuchhaltung überführt und extern meist elektronisch an die Kostenträger oder an intermediäre Dienstleister übermittelt. Die Fäden aus unterschiedlichen medizinischen Umsystemen laufen zentral im SAP IS-H zusammen – ermöglicht durch offene und einheitliche Schnittstellen. Diese Offenheit führt dazu, dass sich eine Vielzahl von Add-On-Lösungen innerhalb der Krankenhaussystemlandschaft etabliert haben. Beispielhaft ist hierbei der IS-H-Reklamations-Monitor (RKT) oder der klinische Arbeitsplatz zu nennen. Beide Lösungen sind zusätzlich eng mit dem KIS „i.s.h.med“ verzahnt. Neben den etablierten Add-Ons ist das SAP IS-H durch eine Vielzahl von kundenindividuellen Erweiterungen und Modifikationen geprägt. Durch externe Einflüsse, wie neue Abrechnungsvorschriften im Gesundheitswesen, ist es zudem ein fortlaufend adaptiertes System, welches operativ für die IT-Abteilungen Aufwand bedeutet.

Diese Vielzahl der Anpassungsmöglichkeiten stellt die Krankenhäuser vor die Herausforderung, den konkreten Funktionsumfang zu ermitteln und die Anforderungen an eine Nachfolgelösung herauszuarbeiten. Dabei sollten zunächst folgende Fragen in einer Ist-Analyse gestellt werden:

  • 1. Ist der Scope des IS-H bekannt?
  • 2. Welche individuellen Entwicklungen liegen vor?
  • 3. Wie sieht der Customer Code (Quantität und Qualität) aus?
  • 4. Welche Erweiterungen und Modifikationen liegen vor

So kann leichter beurteilt werden, ob eine Nachfolgelösung den Kriterien entspricht bzw. aus welchen Systemen sie bestehen muss und wie eine Gesamtlösung aussehen kann.

Die Nachfolgelösung muss sich in die bestehende Applikationslandschaft der Krankenhäuser nahtlos einfügen und mit bestehenden Lösungen interoperabel genutzt werden können. SAP baut hierbei auf eine Any-KIS-Strategie – grundsätzlich können sich alle Partner mit der Nachfolgelösung anschließen– und unterstützt fachlich und technisch, zum Beispiel mit der Offenlegung des SAP IS-H-Quellcodes.

Auf der nächsten Seite: Wie weit sind die KIS-Anbieter?

(ID:50231792)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung