KI im Klinikalltag

Wird 2026 das Jahr der Governance?

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Mit großer Macht kommt große Verantwortung

„Klinisch validierte Systeme können ein verlässlicher Kopilot sein, wenn sie in die täglichen Arbeitsabläufe eingebettet, streng validiert, durch Sicherheitsmechanismen geschützt und mittels Experten-Aufsicht ergänzt werden“, erklärt Samios. „2026 werden Leistungserbringer erleben, wie digitale Helfer Dokumentation automatisieren, klinische Notizen synthetisieren, Versorgungslücken aufdecken und die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten verbessern.“

Doch je besser die Technologie, desto größer seien auch die Gefahrenquellen mahnt Dr. Holly Urban, Vice President Business Development Strategy bei Wolters Kluwer Health an. Frei nach Spiderman sagt sie: „Moderne Systeme im Gesundheitswesen bringen große Macht mit sich, aber diese Macht geht mit großer Verantwortung einher.“ Der Kompetenzabbau trete schleichend ein. Jüngere Ärzte verließen sich auf automatisierte Diagnosevorschläge, ohne dabei differenzialdiagnostisches Denken zu trainieren. Dokumentations-Software übernehme Anamnesen was zur Folge habe, dass Kommunikationsfähigkeiten verkümmerten. Von Algorithmen gewichtete Symptome resultiere in einem Ignorieren von ärztlicher Intuition.

Studien würden zeigen zeigen, dass ChatGPT, Gemini und andere „Allzweck-Modelle“ stets hinter evidenzbasierten Standards zurückblieben. Selbst wenn diese mit hochspezialisierten und optimierten Prompts „gefüttert“ würden. Ärzte verbrächten mehr Zeit damit, fehlerhafte Outputs zu korrigieren, als eigene Analysen zu erstellen. „Wir müssen neue Governance- und Aufsichtsrahmen einführen, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Ärzte ihre Fähigkeiten weiterentwickeln“, fordert Bonis daher. Die Lösung liege in der Balance. Die KI-Technologie müsse als Erweiterung, nicht als ersetzende Maßnahme begriffen werden.

„Da Schatten-KI verbreitet ist, sollten Ärzte speziell entwickelte Systeme verwenden“, fordert Samios. „Moderne Assistenten werden die Effizienz der medizinischen Fachkräfte und die Qualität der Versorgung steigern. Wir müssen die Sicherheit und die Beziehungen zwischen Ärzten und Patienten bewahren, indem wir Arbeitsabläufe so umgestalten, dass digitale Helfer von einem Werkzeug zu einem Partner werden und die Patienten im Mittelpunkt der Versorgung bleiben.“

Der Geist ist also – hinsichtlich der Schatten-KI – aus der Flasche. Ihn dahin zurückzubefördern ein Ding der Unmöglichkeit. Die gesundheitspolitischen Maßnahmen der nächsten Wochen und Monate werden daher wohl wegweisend für den bestimmungsgemäßen Einsatz von KI-Tools in der Versorgung werden.

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