Die Apotheken vor Ort werden in den nächsten Jahren eine Transformation durchleben. Durch die Kombination von fachlicher Expertise mit menschlicher Nähe und digitaler Unterstützung bleibt die Vor-Ort-Apotheke jedoch ein unverzichtbarer Ort der persönlichen Beratung.
„Wenn Vor-Ort-Apotheken patientenorientierte und digitale Zugänge etablieren, zum Beispiel eigene Shop-Lösungen oder Botendienste, können sie alles bieten, womit der Versandhandel aktuell lockt“, schreibt unsere Gastautorin Petra Terhardt.
Die Vor-Ort-Apotheken sind eine tragende Säule des deutschen Gesundheitswesens und ermöglichen eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Sie sind derzeit im Wandel und müssen sich etlichen Herausforderungen stellen – so etwa hohen bürokratischen Anforderungen, steigenden Betriebskosten oder den Sparmaßnahmen der Gesundheitspolitik. Zunehmend haben sie vielfach Probleme, geeignetes Personal zu finden und vakante Stellen nachzubesetzen.
Aber auch tiefgreifende Marktentwicklungen wie die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte als ein möglicher Einlöseweg für das E-Rezept und die Vorbereitung auf die flächendeckende Einführung des E-Rezepts selbst, sind Hürden, die es zu nehmen gilt.
Zuletzt fiel die Zahl der Apotheken in Deutschland im Jahr 2023 um 497 auf 17.571 – ein neues Rekordtief. Apothekenschließungen und Lieferengpässe tragen zur Gefährdung der Gesundheitsversorgung bei und dürfen nicht ignoriert werden. Durch zahlreiche Proteste machen die Apotheken auf diese Missstände aufmerksam und setzen sich für eine faire Honorierung und bürokratische Entlastung ein.
E-Rezept als erster Schritt zur Digitalisierung des Gesundheitssystems
Die verpflichtende Einführung des E-Rezepts ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Apothekerinnen und Apotheker an der Digitalisierung des Gesundheitswesens partizipieren. Wie bei allen großflächigen, strukturellen Änderungen sind Anfangsschwierigkeiten nicht ungewöhnlich. Es gibt inzwischen vier unterschiedliche Einlösewege für ein E-Rezept. Auf mittel- bis langfristige Sicht wird das elektronische Rezept aber zu einem Weniger an Administration und damit zu einem Erfolg führen.
Andere Länder sind uns in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens um Jahre voraus, Deutschland ist aktuell auf dem richtigen Weg. Das verdeutlicht auch der Blick zu unseren europäischen Nachbarländern: In Belgien wurde das E-Rezept 2018 eingeführt und ist mittlerweile zu 100 Prozent verbreitet. In Dänemark und Schweden werden rund 99 Prozent aller Verordnungen elektronisch ausgestellt – hier war das E-Rezept bereits 2017 eingeführt. Diese Beispiele zeigen: Nach einer Phase des Übergangs wird das E-Rezept angenommen und erfolgreich umgesetzt.
Die Apotheken vor Ort sind die erste Anlaufstelle, wenn es um niedrigschwellige Gesundheitsversorgung geht. Diese persönliche und kompetente Beratung kann eine Versandapotheke nicht leisten. Medikamente sind zudem direkt verfügbar – Patienten gehen in eine Vor-Ort-Apotheke und halten danach ihre Medikamente in der Hand. Wichtig ist, dass die Apotheken vor Ort ihren Fokus auf ihre Kernkompetenzen richten und die Chancen der Digitalisierung nutzen, um den großen Versandhändlern im digitalen Bereich Paroli zu bieten.
Wichtig ist auch, dass sich die stationären Apotheken zusammenschließen und gemeinsame digitale Angebote nutzen beziehungsweise aufbauen. Wenn Vor-Ort-Apotheken patientenorientierte und digitale Zugänge etablieren, zum Beispiel eigene Shop-Lösungen oder Botendienste, können sie alles bieten, womit der Versandhandel aktuell lockt.
Botendienst: Kombination von lokaler Präsenz und sofortiger Verfügbarkeit
Die gerade durch den pharmazeutischen Versandhandel entstehende Same-Day-Delivery leisten Apotheken bereits seit 130 Jahren – häufig können Medikamente innerhalb von zwei Stunden ausgeliefert werden. Das kann der Versandhandel aktuell noch nicht leisten. Deshalb gehört der Botendienst neben den pharmazeutischen Dienstleistungen inzwischen zu einer bedeutsamen Serviceleistung der Vor-Ort-Apotheke. Im Rahmen des E-Rezeptes gewinnt die Botenlieferung immer weiter an Relevanz, weil sich das Einkaufsverhalten der Kunden verändert hat. Stichwort: 24/7, sofortige Verfügbarkeit. Diese Bedürfnisse können Vor-Ort-Apotheken zum Beispiel erfüllen, indem sie einen eigenen Webshop anbieten, sodass der Kunde auch in seiner Stammapotheke bequem von zu Hause vorbestellen kann.
Pharmazeutische Dienstleistungen als neues Serviceangebot
Doch nicht nur technische Aspekte sind entscheidend. Auch der Fokus auf Dienstleistungen spielt eine wichtige Rolle. Durch umfassende Beratungsgespräche und zusätzliche Services wie pharmazeutische Dienstleistungen kann die Kundenbindung gestärkt werden. Es geht darum, den Kunden ein ganzheitliches Gesundheitsangebot zu bieten.
Die Entwicklung führt weg vom reinen Verkaufstisch für Medikamente hin zu Beratungsräumen.
Bei pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) handelt es sich um niederschwellige Angebote wie Inhalator-Schulungen oder Blutdruckmessungen. Hinzu kommen komplexe Leistungen wie die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation sowie die pharmazeutische Betreuung von Organtransplantierten und bei der oralen Antitumortherapie. Im Jahr der Einführung, 2022, machte die Medikationsanalyse unter den pharmazeutischen Dienstleistungen 15,6 Prozent aus. Im Juli 2023 rechneten bereits 23 Prozent der Apotheken mindestens eine pDL im Monat ab. Der Anteil der komplexen Medikationsanalysen betrug bereits 28 Prozent. Die restlichen 84,4 Prozent setzten sich aus Blutdruckmessungen und Inhalator-Schulungen zusammen. In Summe ist hier noch viel Potential vorhanden, um die pDL gewinnbringend in den Apotheken zu platzieren.
Stand: 08.12.2025
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Persönliche Begegnung wird durch digitale Möglichkeiten ergänzt
Die Patientengruppen unterscheiden sich in ihren Anforderungen hinsichtlich ihres Beratungsbedarfes deutlich und das hat nicht immer, wie man vermuten würde, etwas mit dem Alter zu tun. Die Apotheke vor Ort hat schon immer durch ihre kompetente Beratung überzeugt und das wird auch zukünftig ihr Alleinstellungsmerkmal bleiben. Die Nutzung von Software zur Entlastung der Mitarbeitenden von bürokratischen Aufgaben ist dabei sinnvoll. Dazu gehören auch Workshops, Vorträge oder Erlebniswelten zu spezifischen Gesundheitsthemen. Die Entwicklung führt weg vom reinen Verkaufstisch für Medikamente hin zu Beratungsräumen. Durch die Verbindung von fachlicher Expertise, persönlicher Nähe und digitaler Unterstützung bleibt die Apotheke ein unverzichtbarer Ort für individuelle Beratung.
Petra Terhardt Managing Director Sales NOVENTI Health SE