Projekt MEDI:CUS Baden-Württemberg baut eigene Gesundheitscloud auf

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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In Baden-Württemberg ist der Weg frei für den Aufbau der landesweiten Cloud-Plattform für Gesundheitsdaten MEDI:CUS. Die Erwartungen an die neue Infrastruktur sind hoch: sicherer Austausch zwischen Krankenhäusern, Unikliniken, Patientinnen und Patienten; individuell abgestimmte Therapien und vereinfachte Prozesse – was geplant ist und wie die nächsten Schritte aussehen sollen.

Die Gesundheitscloud MEDI:CUS soll nicht nur die medizinische Versorgung in Baden-Württemberg verbessern, sondern auch die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen vereinfachen und auch das Klinikpersonal entlasten. (©  Prapat – stock.adobe.com)
Die Gesundheitscloud MEDI:CUS soll nicht nur die medizinische Versorgung in Baden-Württemberg verbessern, sondern auch die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen vereinfachen und auch das Klinikpersonal entlasten.
(© Prapat – stock.adobe.com)

Das baden-württembergische Kabinett gab am 6. Februar grünes Licht zum Aufbau einer landesweiten Cloudplattform für Gesundheitsdaten: Das Projekt zur Einrichtung der Plattform MEDI:CUS könne nun an den Start gehen und sukzessive auf- und ausgebaut werden. Ziel ist es, die medizinische Versorgung zu verbessern, aber auch die Prozesse in den Krankenhäusern zu vereinfachen.

Was die MEDI:CUS-Plattform können soll

Über die cloudbasierte Plattform sollen – vergleichbar einem App-Store – sowohl Basisdienste als auch Fachdienste genutzt werden können. Unter Basisdiensten werden Querschnittsfunktionen verstanden, wie zum Beispiel Nutzerdatenverwaltung, Identitätsmanagement und Cybersicherheit. Als spezifische Fachdienste sollen Software für Telekonsile sowie ein Datenaustausch-Messenger zur Verfügung gestellt werden. Durch die direkte, auch krankenhausübergreifende, Telekonsultation zwischen medizinischem Personal untereinander sowie zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten könnten dann ärztliche Zweitmeinungen eingeholt, aber auch Aufklärungsgespräche und Vor- oder Nachbesprechungen sicher und datenschutzkonform geführt werden. Dabei sollen Laborergebnisse, Bildmaterial oder medizinische Befundberichte ausgetauscht werden können.

In der Konzeptpräsentation sind mehrere Use Cases beschrieben, darunter auch ein vernetztes, KI-basiertes Frühwarnsystem für septische Komplikationen auf Intensivstationen sowie ein gemeinsames Online-Portal und/oder Rahmenverträge für den Bezug von Krankenhausanwendungen und IT-Hardware. Die Plattform-Infrastruktur soll auch als schnell nutzbarer Service für Speicherplatz und Rechenkapazität verfügbar sein.

Stimmen zum Projekt

Das Projekt, an dem sich mehrere Landesministerien beteiligen, ist mit großen Erwartungen verknüpft: „Wir erhoffen uns daraus neue, bessere Diagnosen und individuell auf die Patienten abgestimmte Therapien. Denn wir wollen die beste medizinische Versorgung für die Menschen im Land“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Patientendaten ständen dann dort zur Verfügung, wo sie zur Behandlung gebraucht würden, verdeutlicht Digitalisierungsminister Thomas Strobl: „MEDI:CUS hat ein großes Potenzial auf unserem Weg zur personalisierten Medizin und wir können teure und lästige Doppeluntersuchungen vermeiden.“

Gesundheitsminister Manne Lucha betont den Nutzen für die Krankenhäuser: „Mit der Gesundheitscloud geben wir den Krankenhäusern ein Instrument an die Hand, den vielfältigen Herausforderungen – vom Fachkräftemangel bis zu komplexen Mehrfacherkrankungen – wirksam zu begegnen.“

Die Gesundheitscloud ermögliche den schnellen und sicheren Austausch von Forschungs- und Versorgungsdaten zwischen Spitzenmedizin und Krankenhäusern in ganz Baden-Württemberg“, sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. Forschungsergebnisse gelangten so schneller in die medizinische Versorgung und damit zu den Menschen. Wie aus der Präsentation zum Projekt hervorgeht, wurden im Konzept auch Synergien zu bestehenden Initiativen berücksichtigt, diese sind beispielhaft aufgeführt. Dazu gehören die bwhealthCloud der baden-württembergischen Universitätskliniken (Ulm, Freiburg, Heidelberg und Tübingen) und die Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM); die MII (Medizinformatik-Initiative) hingegen ist nicht mit aufgeführt.

Die nächsten Schritte

Wie soll es nach der Ankündigung weitergehen? In einem ersten Schritt stehe nun der Aufbau einer belastbaren Projektstruktur, die fachliche und technische Ausdetaillierung der Basisinfrastruktur und initialer Fachdienste sowie die Suche nach geeigneten Implementierungspartnern an, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Ziel sei es, ab 2025 die Basisinfrastruktur zu implementieren, so dass die initialen Fachdienste in ersten Kliniken genutzt werden.

Langfristig werde dann die modulare Plattform in den Regelbetrieb überführt und stetig weiterentwickelt – mit Fokus auf die Skalierung, also eine möglichst breite Nutzung in der klinischen Versorgung der baden-württembergischen Kliniken.

Über das Projekt MEDI:CUS

MEDI:CUS steht für: Medizindaten-Infrastruktur: cloudbasiert, universell, sicher.
Es ist ein ressortübergreifendes Projekt der baden-württembergischen Ministerien. Beteiligt sind das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst; das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration; das Ministerium für Wirtschaft; das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen sowie das Staatsministerium. Die Projektleitung liegt beim Innenministerium.
In einem Vorprojekt mit drei externen Partnern als Dienstleister wurden 2023 zunächst mit den potenziellen Anwenderinnen und Anwendern auf Fach- und IT-Ebene Chancen und Risiken diskutiert, um die Machbarkeit zu evaluieren.
Das Projekt MEDI:CUS ist Teil der dritten Förderrunde des „Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg“, in deren Rahmen Projekte für insgesamt 24,2 Millionen Euro gefördert wurden, vorwiegend im und für den Bereich der medizinischen Infrastruktur.

Zur Präsentation des Projekts

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