RZV übernimmt Pilotprojekt aus NRW in eigenen Betrieb Das Virtuelle Krankenhaus ist bundesweit verfügbar

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Das Virtuelle Krankenhaus NRW hat die Pilotphase erfolgreich absolviert. Unter dem Dach der RZV GmbH steht die Plattform nunmehr Gesundheitseinrichtungen bundesweit zur Verfügung. Über die Pläne berichtet Nadja Pecquet, Leiterin des Virtuellen Krankenhauses.

(© RZV GmbH)
(© RZV GmbH)

Mit dem Virtuellen Krankenhaus VKh.NRW hat das Land Nordhrein-Westfalen ab 2020 deutschlandweit die erste Telemedizin-Plattform aufgebaut, über die Ärztinnen und Ärzte aus Kliniken und Praxen landesweit telekonsiliarische Beratungen aus vom Land ausgewiesenen Zentren einholen konnten. Die Indikationen umfassten: Intensivmedizin, therapierefraktäre Herzinsuffizienz, Seltene Erkrankungen und resektable Lebertumore. 2024 wurde die Telemedizinplattform um eine Lösung für verteilte, virtuell gestützten Tumorboards erweitert.

Technische Basis

Im VKh.RZV kommen workflowbasierte Portale für Telekonsile und räumlich verteilte Fallkonferenzen, wie Tumorboards, zum Einsatz sowie eine sichere, im eigenen Rechenzentrum betriebene elektronische Fallakte. RZV hatte die Fallakte bereits im Pilotprojekt bereitgestellt und gemeinsam mit der NRW gGmbH weiterentwickelt. Die Fallakte verfügt über ein eigenes DICOM-Archiv und unterstützt den Austausch strukturierter Daten.

Nach der erfolgreichen Pilotphase, die im Dezember 2024 endete, hat der IT-Dienstleister RZV das Projekt zum 1. Januar übernommen. Unter dem neuen Namen Virtuelles Krankenhaus RZV (VKh.RZV) soll es über die Versorgung in NRW hinaus für Gesundheitseinrichtungen deutschlandweit zur Verfügung stehen.

Nadja Pecquet, Leitung Virtuelles Krankenhaus bei RZV(© RZV GmbH)
Nadja Pecquet, Leitung Virtuelles Krankenhaus bei RZV
(© RZV GmbH)

Die Leitung übernimmt Nadja Pecquet, die frühere Geschäftsführerin der Virtuelles Krankenhaus NRW gGmbH.

„Unsere Vision ist es, mit dem VKh.RZV ein vernetztes telemedizinisches Ökosystem zu schaffen, in dem sektoren- und professionsübergreifend Expertise verbunden wird, mit dem Ziel, die wohnortnahe Gesundheitsversorgung für die Menschen zu verbessern“, erklärte sie gegenüber der Redaktion. Grundsätzlich richte sich das Angebot an alle Gesundheitseinrichtungen, die einen Bedarf für den fallbezogenen einrichtungsübergreifenden Austausch haben. „Zunächst dürfte das Angebot primär Krankenhäuser ansprechen, für den Austausch untereinander, aber auch mit Praxen aus dem ambulanten Bereich, um Telekonsile aber auch Fallkonferenzen, wie Tumorboards, durchzuführen. Diese Einrichtungen können die Lösungen des Virtuellen Krankenhauses RZV im Subskriptionsprinzip lizenzieren.“

Das Portfolio kann erweitert werden – über die ursprünglichen Startindikationen aus der Pilotphase des VKh.NRW hinaus. „Das Virtuelle Krankenhaus RZV kann sehr einfach an unterschiedliche Use Cases angepasst werden, sodass sich auch neue medizinische Fragestellungen einfach abbilden lassen“. Das soll jeweils im Dialog mit den Kunden abgestimmt werden.

Finanzierung und Fördermöglichkeiten

Die bisherigen Teilnehmer könnten die Plattform nahtlos weiternutzen, jedoch würden – nach dem Ende der Kostenübernahme durch das Land – die Verträge zwischen Leistungserbringern und RZV derzeit neu verhandelt, meldete der IT-Dienstleister.

Wie können Einrichtungen die Nutzung finanzieren und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Die Einrichtungen zahlten gestaffelt nach dem Umfang der Nutzung, man biete hier maßgeschneiderte Lösungen, die einen messbaren Nutzen bieten sollen, so Nadja Pecquet. Zu den Fördermöglichkeiten erklärte sie: „Das KHZG bietet mit dem Fördertatbestand 9 einen Rahmen zur Refinanzierung solcher telemedizinischen Strukturen.“ Zentren mit besonderen Aufgaben könnten zudem telemedizinische Leistungen im Rahmen der Zentrumszuschläge geltend machen. „Und auch der Entwurf zum Krankenhaustransformationsfonds sieht die Förderung telemedizinischer Netzwerkstrukturen vor.“

Weitere Daten zur Pilotphase des VKh.NRW

Über 5.000 Telekonsile wurden während der Pilotphase durchgeführt. In der Corona-Pandemie konnten für die Gruppe der beatmeten Patientinnen und Patienten eine gegenüber dem Bundesdurchschnitt rund 20 Prozent niedrigere Sterblichkeitsrate nachgewiesen werden. Im September 2024 belegte das VKh.NRW den ersten Platz in der Kategorie „Start-ups“ bei den Deutschen Gesundheits-Awards im Rahmen der Veranstaltung „Big Bang Health“.
Für Aufbau, Entwicklung und Pilotbetriebs des Virtuellen Krankenhauses hat das Land NRW eine eigene gemeinnützige Trägergesellschaft, die gNRW GmbH gegründet und mit rund 13 Millionen Euro Fördermitteln ausgestattet. Diese wurde nach Abschuss der Pilotphase Ende 2024 wieder aufgelöst.

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