Gastkommentar

Deutschlands digitaler Gesundheitsweg: Vertrauen schaffen und Marken bilden

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Im Zusammenwirken mit Partnern ist ein ehrlicher und offener Dialog mit allen Beteiligten wie Verbänden, Berufskammern und Krankenkassen notwendig, um konkrete Ziele und KPIs zu definieren. Dabei gilt es auch, etwaige Ziel- und Interessenskonflikte möglichst frühzeitig zu klären. Warum nicht als Krankenkasse gemeinsam mit den, z.B. niedergelassenen, Ärzten das Anreizsystem für die Finanzierung neu denken und so Hebel nutzen, um Widerstände aufzugeben und sich an einer gemeinsamen digitalen Lösung zu beteiligen? Und wieso nicht ein System entwickeln, in dem Nutzerzufriedenheit oder langfristige Diagnoseerfolge durch Bereitstellung von Datenpunkten der Patient:innen als KPIs verankert sind?

An Leuchtturmprojekten lernen und wachsen

Zweifellos ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens mit ihren unterschiedlichen Interessen in eine gemeinsame Lösung zu integrieren. Hier gilt das Credo: Im Kleinen anfangen und gute, praktikable Lösungen realisieren. So ließen sich in kleinen Innovationshubs, die aus einem Zusammenschluss einzelner Akteure bestehen, Leuchtturmprojekte als funktionale Ökosysteme entwickeln. Denkbar wäre beispielsweise eine Kooperation einer Krankenkasse mit einem großen Krankenhausträger: Gemeinsam mit einer Testgruppe von Patientinnen und Patienten, die bereit sind, ihre Daten zugänglich zu machen, könnten die Verantwortlichen ein System inklusive Business Case entwickeln, das für einen oder mehrere klar abgrenzbare Anwendungsfälle gut funktioniert. Erfüllt diese Lösung alle Anforderungen und bietet eine herausragende User Experience, kann diese durch ihre Strahlkraft andere Akteure im Gesundheitswesen dazu animieren, sich diesem System anzuschließen. Einheitliche technische Standards ermöglichten es auch externen Anbietern, – wie beispielsweise Doctolib für die Terminplanung – mit relevanten Lösungen einen Beitrag zu leisten.

Vertrauen schaffen durch Markenbildung

Für Patienten wirkt das deutsche Gesundheitssystem mit seinen verschiedenen Playern und der fehlenden Daten-Transparenz mitunter zersplittert und undurchsichtig. Jeder Arzt, jede Ärztin hat eigene Anamnesebögen, eigene Diagnosen und viele Fragen werden immer wieder gestellt. Das ist keine ideale Voraussetzung für ein für die digitale Transformation notwendiges Klima des Vertrauens bei den Patienten. Um dieses Vertrauen aufzubauen, braucht es eine verlässliche staatliche oder unabhängige Instanz mit einer glaubwürdigen Marke, der die Menschen ihre Gesundheitsdaten anvertrauen. Eine universelle Anlaufstelle, die Daten intelligent miteinander verknüpft und nahtlose Lösungen bietet. Und eine klare Mehrwertkommunikation, warum sich das Teilen der Daten für die Patienten lohnt. Estland, Vorreiter im Bereich Digital Health, zeigt, wie es funktioniert: Elektronische Rezepte, elektronische Patientenakten und ein nationales Gesundheitsportal gehören längst zum Alltag der estnischen Bevölkerung. Möglich macht dies eine landesweite Infrastruktur. Sie integriert alle digitalen Gesundheitsdienste und bündelt den Zugriff auf sämtliche Patientendaten. Big-Data-Analysen sollen helfen, Therapien zu verkürzen, Diagnosen zu erleichtern und Qualitätskontrollen zu verbessern.

In Deutschland gibt es das „Nationale Gesundheitsportal“. Dabei handelt es sich bis dato allerdings lediglich um eine Informations-Website. Hier ließe sich beispielsweise ansetzen und mit einer klaren Vision und dem passenden Purpose eine Marke bilden, die die Menschen mit den richtigen Werten („Alles aus einer Hand“) überzeugt und Vertrauen schafft. Mit einer Plattform als Instanz, die einfach, sicher, zugänglich, inklusiv ist sowie öffentlich, authentisch kommuniziert, also ihre Markenwerte erlebbar einlöst, könnte schrittweise etwas aufgebaut werden, was wirklich weiterhilft.

Auch wenn sich Deutschland momentan noch schwertut – die Zukunft des Gesundheitswesens liegt in einer umfassenden Digitalisierung, die auf Vertrauen, Kooperation und Innovation basiert und Vorteile für alle bietet. Es ist an der Zeit, bestehende Prozesse zu überdenken, die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung zu stellen. Und an einer gemeinsamen Vision zu arbeiten, um die bestmögliche Versorgung für alle zu gewährleisten.

Michael Fleck
ist Business Partner für den Geschäftsbereich Digital Growth bei diffferent, der Strategieberatung für Neues Wachstum.

Bildquelle: diffferent

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