Das aktuelle Whitepaper von Jens Kögler, „Zeitenwende für Gesundheitsdaten? – Zwischen Datensilos, Interoperabilität und digitaler Innovation“, liefert eine Bestandsaufnahme der digitalen Transformation im deutschen Gesundheitswesen und identifiziert zentrale Handlungsfelder der kommenden Jahre.
Bei einem Expertenfrühstück wurde sprichwörtlich die Lupe auf das Gesundheitswesen gelegt und Problemfelder diagnostiziert.
(Hellal khan - stock.adobe.com)
Die DMEA hat auch in diesem Jahr zahlreiche Digitalisierungsexperten nach Berlin gelockt. Doch bevor am zweiten Tag die Messe ihre Pforten öffnete, hatte sich auf Einladung von Pure Storage eine Expertenrunde rund um Jens Kögler, Geschäftsführer von Koegler Consulting, über den Dächern von Berlin eingefunden, um bei einem Frühstück die Zukunft der Gesundheitsdaten zu diskutieren und auch ein Stück weit zu definieren.
Über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besprachen dabei zahlreiche Themen aus verschiedenen Disziplinen, und kurze Impulsvorträge gaben wichtigen Input für die Diskussionsrunde.
Ein Kernthema kristallisierte sich schnell heraus: Die Interoperabilität verschiedener Akteure im Gesundheitswesen. Insbesondere die Fragmentierung der IT-Landschaft wurde als zentrales Strukturproblem des deutschen Gesundheitssystems identifiziert. Während Patienten durch verschiedene Versorgungssektoren navigierten, blieben ihre Daten größtenteils in isolierten Systemen „gefangen“, sagte ein Teilnehmer. Der sektorenübergreifende Austausch von Gesundheitsdaten erfolge vielerorts noch über analoge Prozesse – bis hin zum Faxgerät als „letztem Refugium vordigitaler Kommunikation“.
Paradoxerweise mangele es jedoch nicht an technischen Lösungen. Standards wie FHIR oder LOINC existierten seit längerer Zeit und hätten sich international bewährt. Was fehle, sei die konsequente Implementierung und regulatorische Durchsetzung dieser Standards. „FHIR ist die Brücke, die wir dringend brauchen – doch wir stehen noch am Ufer und diskutieren, ob wir sie überhaupt überqueren sollten“, konstatierte ein Experte am Frühstückstisch treffend.
Die Gründe für diese Implementierungslücke sind dabei vielschichtig: Fehlende verbindliche Vorgaben, wirtschaftliche Interessen der Systemanbieter an geschlossenen Ökosystemen, aber auch mangelnde strategische Ausrichtung innerhalb der Gesundheitseinrichtungen selbst. Als positives Beispiel wurde der ISiK-Prozess angeführt, der zeige, wie regulatorischer Druck technologischen Fortschritt katalysieren kann.
Die Finanzierungslücke: Von Projektförderung zu nachhaltiger Transformation
Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) hatte der Gesetzgeber einen ambitionierten Versuch unternommen, die digitale Infrastruktur deutscher Krankenhäuser nachhaltig zu modernisieren. Doch das Programm offenbarte strukturelle Schwächen, die symptomatisch für den deutschen Weg der Digitalisierungsbemühungen stehen.
„Das KHZG war eine digitale Eintagsfliege. Es hat kurzfristig Geld in die Kliniken gespült, aber ohne nachhaltige Strategie“, urteilte ein Teilnehmer der Expertenrunde. Die Diskrepanz zwischen Förderlogik und technologischem Wandel trete hier besonders deutlich zutage. Während das KHZG primär auf einmalige Anschaffungen abzielte, verlangt die moderne IT-Welt im Healthcare-Sectot nach kontinuierlichen Betriebsmodellen wie SaaS oder integrierten Cloud-Services.
Für kleinere Einrichtungen wirkte das komplexe Antragsverfahren zudem prohibitiv. Hohe Ausgaben für externe Berater sowie die immerwährende Angst, Fördermittel zu verlieren, hätten teilweise zu übereilten Entscheidungen ohne langfristige strategische Ausrichtung geführt. Gleichzeitig wurden bestehende Projekte vernachlässigt, da IT-Dienstleister ihre Ressourcen auf KHZG-geförderte Maßnahmen konzentrierten – und in diesem Schritt auch die Preise erhöhten.
KI: Zwischen Potenzial und regulatorischem Korsett
Künstliche Intelligenz verspricht revolutionäre Anwendungsbereiche; von automatisierten Diagnosesystemen über präzise Prognosemodelle bis hin zur Prozessoptimierung im klinischen Alltag.
Das zentrale Nadelöhr ist hierbei die Datenverfügbarkeit. KI-Algorithmen benötigen umfangreiche, qualitativ hochwertige und strukturierte Datensätze, um valide und reproduzierbare Ergebnisse zu generieren. Genau diese sind im fragmentierten deutschen Gesundheitssystem jedoch schwer zugänglich. Datenschutzbedenken, uneinheitliche DSGVO-Interpretationen und fehlende Anreizstrukturen zur Datenbereitstellung bremsen die Entwicklung künstlich.
Hinzu komme ein regulatorisches Umfeld, das insbesondere für innovative Start-Ups schier übermenschlich hohe Barrieren errichtet. Der europäische AI-Act klassifiziert zahlreiche medizinische KI-Anwendungen als Hochrisikosysteme. Dies zieht umfangreiche Nachweispflichten nach sich. „Wir regulieren uns in Europa so lange zu Tode, bis wir feststellen, dass alle relevanten KI-Modelle in den USA oder China trainiert wurden – mit den Daten, die wir hier nicht nutzen dürfen“, warnte ein Experte.
Stand: 08.12.2025
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Als Lösungsansätze wurden unter anderem föderierte Datenräume, praxistaugliche Broad-Consent-Modelle und risikoadaptive Zulassungsverfahren genannt. „Regulatorische Sandkästen“ könnten zudem sichere Experimentierräume bieten, in denen innovative Lösungen unter kontrollierten Bedingungen getestet werden.
Die Expertinnen und Experten waren sich einig: Die digitale Transformation des Gesundheitswesens steht an einem kritischen Wendepunkt. Die technologischen Möglichkeiten und das kollektive Bewusstsein für einen Handlungsdruck sind vorhanden. Was jedoch fehle, sei die konsequente Umsetzung einer kohärenten Digitalstrategie.
Weitere Informationen zum Whitepaper
Das Whitepaper „Zeitenwende für Gesundheitsdaten? – Zwischen Datensilos, Interoperabilität und digitaler Innovation“ können Sie im Volltext über die Webseite von Koegler Consulting einsehen und herunterladen.