Interoperabilität und Vernetzung sind für eine reibungslose digitale Transformation unabdingbar. Doch damit ist es noch nicht getan. Im Nachgang gilt es nämlich, über Bandbreiten-, Leistungs- und Interoperabilitätsprobleme im Bilde zu bleiben.
Im Krankenhaus und in der Pflege gilt es nicht nur, den Zustand der Patienten, sondern auch den der Netzwerke und Anwendungen zu überwachen.
In den vergangenen zehn Jahren haben neue Technologien das Gesundheitswesen weltweit revolutioniert und dazu beigetragen, die Patientenversorgung deutlich zu verbessern. Von der Aufnahme im Krankenhaus bis hin zu Terminen in der Arztpraxis und telemedizinischen Besuchen: Patienten kommen unweigerlich mit Anwendungen in Berührung, die nicht nur die medizinische Versorgung optimieren, sondern auch die Qualität der Versorgung nachhaltig beeinflussen.
In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren entscheidende Schritte unternommen, um die digitale Transformation im Gesundheitswesen voranzutreiben. Eine zentrale Grundlage hierfür bildet die Telematikinfrastruktur (TI), die als sichere Vernetzungsplattform für die sektorenübergreifende Kommunikation und den Austausch medizinischer Daten dient. Diese Infrastruktur ermöglicht es, digitale Anwendungen effizient zu integrieren und sorgt so für eine engere Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.
Das „Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens“ (Digitalisierungsgesetz, DigiG) wurde im Jahr 2023 beschlossen und ist im März 2024 in Kraft getreten. Es ist ein wichtiger Schritt für die digitale Transformation im Gesundheitssektor und schafft die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für Innovationen wie die Einführung des E-Rezepts und die Bereitstellung der elektronischen Patientenakte (ePA), die ab Anfang 2025 allen gesetzlich Versicherten zur Verfügung stehen soll.
Das Bundesministerium für Gesundheit hat zudem eine Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege erarbeitet, um die Versorgung und Pflege in Deutschland weiter zu verbessern. Diese Maßnahme soll das Vorhaben eines Rechts auf Interoperabilität und Datenportabilität – die Möglichkeit, Daten zwischen verschiedenen Systemen und Plattformen auszutauschen und zu nutzen, ohne auf eine spezifische Technologie oder Software angewiesen zu sein – gesetzlich verankern und in der Praxis schrittweise umsetzen.
Notwendigkeit der Interoperabilität von Anwendungen und Systemen
Patienten und Patientinnen, Ärztinnen und Ärzte sind auf eine zuverlässige Konnektivität angewiesen, um auf diagnostische Ergebnisse wie Röntgenaufnahmen, MRTs und EKGs sowie auf Rezepte und Folgedienstleistungen wie Physiotherapie zugreifen zu können. Diese Dienste sind auf vernetzte Anwendungen und Systeme angewiesen, die eine einwandfreie Interoperabilität erfordern. Der nahtlose Zugriff auf Daten muss für alle medizinischen Fachkräfte überall und jederzeit möglich sein, und zwar über eine beliebige Anzahl medizinischer Internet-of-Things-Geräte (IoMT): Von Computern auf Rollwagen (COWs) bis hin zu Tablets oder intelligenten Geräten über Ethernet- oder Wi-Fi-Verbindungen.
Angesichts der Vielzahl von Anbietern von Krankenhausinformationssystemen (KIS) – unter anderem Dedalus, CGM und Nexus – ist eine konsistente Interoperabilität zwischen den vielen Diensten zwingend notwendig. Das komplexe Ökosystem im Gesundheitswesen muss rund um die Uhr funktionsfähig sein, da der Betrieb pausenlos 24/7 im Jahr arbeitet und Ausfallzeiten für Patienten lebensbedrohliche Folgen haben können.
Herausforderungen für IT bei der Lokalisierung von Netzwerkproblemen
Treten Netzwerkprobleme auf, kann es für die IT-Abteilung schwierig sein, diese rechtzeitig zu finden und zu lösen. Die Ermittlung der Grundursache von Bandbreiten-, Leistungs- und Interoperabilitätsproblemen gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Auswirkungen auf die Produktivität des Gesundheitspersonals und die Patientenzufriedenheit sind zwar zweitrangig, können sich aber direkt auf das Endergebnis auswirken, indem sie die Zahl der Patienten verringern, die Zahl der kostspieligen Überstunden erhöhen, um Anwendungsausfälle zu kompensieren, und die Reputation durch schlechte Patientenerfahrung schädigen.
Visibilität als Problemlöser
IT-Experten tragen die Verantwortung, die Leistung und Sicherheit von Netzwerken und Anwendungen im gesamten Gesundheitswesen sicherzustellen. Ein Monitoring ist zur Gewährleistung von nahtloser Konnektivität und Sicherstellung der Netzwerk- und Anwendungsleistung entscheidend. Echte End-to-End-Transparenz ermöglicht es der IT-Abteilung, die Leistung geschäftskritischer Anwendungen zu sehen – unabhängig von ihrem Hosting-Standort. Visibilität an den Unternehmensgrenzen, insbesondere an Übergangspunkten zu externen Anbietern, ermöglicht wertvolle Einblicke in die Übergabeprozesse zwischen entfernten Standorten, privaten Rechenzentren und WAN-Anbietern sowie Drittanbietern von SaaS- oder UCaaS-Diensten.
Stand: 08.12.2025
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Wenn mehrere Anbieter involviert sind, fehlt der IT die Kontrolle, die ihnen zuvor in einem privaten Rechenzentrum gegeben war. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Anbieter Tools bereitstellt, die sich ausschließlich auf seine eigenen Dienste konzentrieren und kein vollständiges Bild für eine effektive Fehlerbehebung bieten. Eine proaktive, ganzheitliche Visibilitätsstrategie ist daher zwingend notwendig, um die Kommunikation von Remote-Nutzern bis hin zur endgültigen Anwendungsquelle vollständig zu überwachen.
Herstellerunabhängiges, paketbasiertes Netzwerk- und Anwendungsmanagement
Der beste Ansatz basiert auf einem herstellerunabhängigen, paketbasierten Netzwerk- und Anwendungsmanagement, das die notwendigen Einblicke im gesamten Ökosystem liefert, um die eigentliche Ursache von Problemen präzise zu identifizieren.
Die Implementierung einer proaktiven Visibilitätsstrategie kann einen entscheidenden Unterschied machen, da sie IT-Teams dabei hilft, Problemen mit potenziellen Auswirkungen auf Patienten zuvorzukommen und die Zeit für Fehlersuche und Beseitigung zu verkürzen. In einer Branche, in der Reaktionszeiten im Nanosekundenbereich entscheidend sind, ist ein paketbasiertes Netzwerk- und Anwendungsmanagement genau die richtige Lösung. Diese Technologie kann einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Digitalisierung des Gesundheitswesens leisten und die Zukunft der Branche nachhaltig prägen.
Christian Syrbe ist Chief Solutions Architect bei NETSCOUT.