Verantwortung Diagnostik aus der Drogerie: sicher oder riskant?

Von Agnes Panjas 2 min Lesedauer

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Immer mehr Drogerien und Supermärkte bieten medizinische Diagnostikdienstleistungen wie Augenscreening, Blutproben sowie rezeptfreie Medikamente an. Die Bundesärztekammer warnt vor erheblichen Risiken durch fehlende ärztliche Aufsicht und ungenaue Diagnosen.

Ob Augenscreening, Hautanalyse, Blutproben oder der Kauf rezeptfreier Medikamente in der Drogerie –  das ist in Deutschland alles möglich, birgt aber laut Bundesärztekammer auch Risiken für die Patienten und Patientinnen.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Ob Augenscreening, Hautanalyse, Blutproben oder der Kauf rezeptfreier Medikamente in der Drogerie – das ist in Deutschland alles möglich, birgt aber laut Bundesärztekammer auch Risiken für die Patienten und Patientinnen.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Wer hier und auch in vielen anderen Regionen des Landes einen Termin beim Haus- oder Facharzt sucht, der muss oft lange warten. Im Kontext des Ärztemangels, insbesondere auf dem Land, bieten immer mehr Supermarktketten in Zusammenarbeit mit Klinikbetreibern Videosprechstunden an – direkt hinter den Kassen. Auch die Drogeriemarktkette dm drängt mit einer eigenen Online-Apotheke auf den Gesundheitsmarkt. Über diese können rezeptfreie Medikamente, wie beispielsweise Schmerzmittel, erworben werden. Diese kurzfristigen Lösungen können jedoch wichtige Aspekte der persönlichen medizinischen Betreuung vernachlässigen.Die Bundesärztekammer warnt vor medizinischen Diagnostikangeboten in Drogeriemärkten. Gesundheitschecks, die ohne ärztliche Einbindung durchgeführt werden, könnten erhebliche Risiken für Patientinnen und Patienten bergen.

Die Gefahren medizinischer Diagnostik ohne Arzt

„Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext. Das kann Menschen unnötig verunsichern – oder sie im Gegenteil in falscher Sicherheit wiegen und notwendige Behandlungen gefährlich verzögern“, betont Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Er weist darauf hin, dass ärztliche Behandlung weit über das Ablesen einzelner Messwerte hinausgehe. „Zu einer verantwortungsvollen Diagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, gegebenenfalls differenzialdiagnostische Überlegungen sowie eventuell die gemeinsame Entscheidung über therapeutische Maßnahmen“, so Reinhardt. Nur Ärztinnen und Ärzte könnten Befunde im Gesamtzusammenhang einordnen und medizinisch verantwortbare Entscheidungen treffen. „Damit diese fachliche Verantwortung nicht unterlaufen wird, ist der Gesetzgeber dringend gefordert, klare Grenzen zu ziehen und solche Angebote konsequent zu regulieren und – wo erforderlich – vollständig zu untersagen“, so der Bundesärztekammer-Präsident.

Risiken durch unzureichende medizinische Expertise

Die in Drogerien angebotenen Gesundheitsdienstleistungen – etwa Hautuntersuchungen, sogenannte Augenscreenings mittels KI oder Blutdiagnostik – erforderten umfassende Fachkunde und eine ärztliche Einordnung der Ergebnisse.

Gerade bei der Blutdiagnostik können präanalytische Fehler bei der Blutentnahme, falsche Lagerung oder verzögerter Probentransport Laborwerte erheblich verfälschen.

Dr. Klaus Reinhardt, Bundesärztekammer-Präsident

Hinzu komme, dass Drogeriemärkte weder personell noch räumlich auf medizinische Notfälle wie Kreislaufkollapse oder akute Komplikationen vorbereitet seien. „Wer diagnostische Leistungen anbietet, trägt Verantwortung – und diese lässt sich in einem Ladengeschäft ohne medizinische Infrastruktur schlicht nicht erfüllen.“

Sichere medizinische Betreuung nur in Arztpraxen

Arztpraxen böten dagegen einen geschützten Rahmen für medizinische Beratung und Behandlung. „Hier werden gesundheitliche Fragen kompetent, vertraulich und mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen behandelt. Berufsrechtliche Vorgaben stellen zudem sicher, dass Beratung und Behandlung mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgen“, so Reinhardt.

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