Am Deutschen Apothekertag trafen sich Delegierte aus ganz Deutschland, um ihre Hoffnungen und Erwartungen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu teilen. Dabei wurden Proteste und Perspektiven zum Apotheken-Reformgesetz (ApoRG) laut.
Delegierte aus 34 Apothekerkammern und -verbänden versammeln sich im Hauptsaal der Messe München.
Vom 9. bis 11. Oktober 2024 fand der Deutsche Apothekertag statt. Am ersten Tag trafen sich bereits mehr als 300 Menschen in der Messe München. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sollte hier auftreten. Er wurde jedoch aufgrund eines anderen Termins digital zugeschaltet. Die Veranstaltung wurde live übertragen und vor den Zuschauern breitete sich ein Meer aus weißen Kitteln aus: „Weil wir gebraucht werden“ stand auf den Kleidungen der vielen Apothekerinnen und Apotheker.
Der Deutsche Apothekertag 2024
Über 500 Apotheken mussten im vergangenen Jahr schließen. „In diesem Jahr werden es noch mehr“, sagte Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände). Das Apothekensterben ist deutschlandweit zu beobachten, und das sollte auch Thema des Deutschen Apothekertags werden: Besonders in den ländlichen Regionen kämpfen Apotheken aufgrund des Fachkräftemangels und der oft niedrigen Einwohnerzahlen um ihre Existenz. So zählte das statistische Bundesamt im vergangenen Jahr über 17.000 öffentliche Apotheken in Deutschland. Das sind etwa 4.000 weniger als noch vor zehn Jahren.
„Der finanzielle und bürokratische Druck auf unsere Betriebe steigt und steigt“, betonte Overwiening während ihrer Eröffnungsrede. Die Apotheken-Reform soll eingeführt werden, um die Gesundheitsversorgung flächendeckend zu verbessern – das sehen aber viele kritisch: statt einer Lösung sehen sie darin vielmehr eine „Apotheke ohne Apotheker“. Deshalb spricht sich gerade die ABDA immer wieder gegen die aktuellen Pläne des Gesundheitsministers aus und stellte ihn am Veranstaltungstag zur Rede.
„In vielen Teilen Deutschlands hätten wir ohne eine Reform bald nur noch den Versandhandel – das können wir nicht zulassen und daher brauchen wir eine Strukturreform!“, entgegnete Lauterbach. Auch er möchte eine Reform, die Honorare, Telepharmazie und die Rolle des Präsenzapothekers einschließt. Dabei erklärte er: „Die Apotheken müssen durch Apotheker geleitet werden, aber es muss nicht zu jedem Zeitpunkt rund um die Uhr ein Apotheker in der Filiale sein.“
So steht es auch im Referentenentwurf vom 14. Juni. Darin heißt es, dass Honorarreize vor allem in ländlichen Gebieten geschaffen werden. Eine Entbürokratisierung soll helfen, Kosten einzusparen und Fachkräfte effizienter einzusetzen. Dennoch bleibt es eine Aneinanderreihung von Vorwürfen am Tag der Apotheke: Nach Lauterbachs Rede über die Chancen der Telepharmazie, werden immer wieder Stimmen laut, die ihm widersprechen: „Wir sind schon längst digital. Ich sehe in Ihrem Referentenentwurf ein Paradox. Wie stellen Sie sicher, dass die neuen Aufgaben qualitativ zufriedenstellend durchgeführt werden?“, fragte eine Apothekerin aus Berlin. Sie ist wie viele andere im Saal der Meinung, dass die „Vor-Ort-Apotheke“ nicht zu ersetzen sei. Aus der Sicht der Heilberufler ist eine qualitative Beratung nur durch Präsenz möglich: Sie können weder alle Symptome per Video erkennen, noch Werkzeuge wie Blutdruckmanschetten anlegen.
„Ich verstehe Ihren Protest. Aber ich glaube die Strategie, alles beim Alten zu lassen, wird Ihnen nicht helfen“, antwortete Lauterbach. „Die Beratungen finden gerade deswegen telepharmazeutisch statt, um bestehende Standorte zu erhalten und neue aufzubauen.“ Er fügte hinzu, dass die Qualität der Arbeit nicht abnimmt, da die Apotheke vor Ort mit ihrem Fachpersonal bestehen bleibt. Die Digitalisierung trage lediglich dazu bei, die gleichen Aufgaben trotz fehlenden Mitarbeitenden zu erledigen. Das funktioniere, indem die Zeit flexibler eingeteilt und Prozesse durch Video-Zuschaltungen beschleunigt würden. „Der Ausbau der Telepharmazie entspricht dem Aufbau von Reformen in den Arztpraxen, im Pflegebereich, in der Notfallversorgung sowie im Rettungsdienst. Alle diese Bereiche, einschließlich der Apotheken, sind wichtig“, betonte der Gesundheitsminister. Er ist sich sicher: „Es wäre ein vergebener Kampf, die Digitalisierung aus den Apotheken fernzuhalten. Die Modernisierung ist eine Möglichkeit Leistungen zu erbringen, die man sonst nicht erbringen könnte.“
Auch wenn der deutsche Apothekentag auf keiner Seite zum Umdenken führt, so wird dennoch klar: Beide Seiten suchen nach Lösungen, um den Beruf zu stärken und die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Dass das aber nicht alle so sehen, zeigte die ABDA-Präsidentin auf der Bühne: Sie wandte sich zum Schluss an die vielen Menschen in weißen Kitteln: „Obwohl die Bundesregierung ein ganzes Jahr Zeit hatte, hat sie nichts unternommen: von verlässlichen Rahmenbedingungen und der Stärkung bewährter Strukturen, nicht die Spur!“
Stand: 08.12.2025
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