Moderne Medizin

Eine hybride ambulante Versorgung als Ziel

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Wie bewerten Sie den Status quo der Digitalisierung im Gesundheitswesen hierzulande?

Kreimer: Deutschland ist im internationalen Bereich in Sachen Digitalisierung weit abgeschlagen, genauer erreichen wir im europäischen Vergleich den vorletzten Platz. Mediziner sehen oft keinen Nutzen in digitalen Lösungen für ihren eigenen Praxisalltag. Zudem ist die Skepsis unter ihnen groß: 43 Prozent der ambulanten Ärzte befürchten, dass eine digitale medizinische Versorgung das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten verschlechtert. Und 74 Prozent der niedergelassenen Ärzteschaft sind laut einer Studie der Meinung, dass die Digitalisierung nicht zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität führen wird. Dies ist ein Symp­tom der verpassten Digitalisierung, aber vor allem auch des fehlenden Mehrwerts der Digitalisierung für die Ärztinnen.

Zeit für die Etablierung digitaler Lösungen in der eigenen Praxis zu erübrigen, ist bei überfüllten Praxen und zunehmender Bürokratisierung schwer und die geringe ­finanzielle Vergütung sowie Maximalwerte hinsichtlich der digitalen Behandlung von Patienten hemmen weiterhin die Adaptation.­ Ärzte verdienen bei einer telemedizinischen Behandlung aktuell im Schnitt weniger als bei einer physischen Behandlung vor Ort.

Wir müssen Ärzten und Patienten einen wirklichen Mehrwert der Digitalisierung aufzeigen, nur so können wir die Akzeptanz steigern und langfristig das System stabilisieren, da wir die Versorgung, wie wir sie heute kennen, ohne wirklich funktionierende technologische Lösungen in zehn Jahren nicht weiterhin sicherstellen können. Medizinische Versorgung wird in der Zukunft zu einer ärztlichen Kollektivaufgabe werden und die Geographie zunehmend zweitrangig in der Versorgung.

Sehen Sie sich als Vorreiter bei der Digitalisierung hausärzt­licher Versorgung in Deutschland?

Kreimer: Bereits vor dem Markteintritt von Doktor.de gab es in Deutschland telemedizinische Anbieter, die den Weg für die Akzeptanz telemedizinischer Lösungen geebnet haben. So haben Teleclinic,­ Kry und Zava über Jahre bereits aufgezeigt, welche Vorteile Telemedizin sowohl für Patienten als auch für Ärzte haben kann. Die Arbeit unserer Mitstreiter ist uns beim Markteintritt sehr zugutegekommen, auch wenn zwei von ­ihnen leider den Markt verlassen müssen, da in Deutschland gerade­ im Gesundheitsbereich der Beton besonders hart zu sein scheint.

Es war allerdings nie unser Ziel, ausschließlich telemedizinisch tätig zu sein. Wir möchten eine hybride ambulante allgemeinmedizinische Versorgung etablieren. Dahingehend ist unser Konzept einzigartig, da wir wissen, dass die digitale Versorgung von Patienten zwar Vorteile für sie selbst und die Ärzte bringt, eine physische Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht ersetzen kann. ­Daher ist der logische Schritt, das ­hybride Behandlungskonzept zu etablieren und somit von den Vorteilen beider Methoden zu profitieren, um ein neuartiges System zu schaffen.

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