Die BV-Med-Mitgliedsunternehmen erwarten ein Umsatzwachstum, hoffen auf bessere Standortbedingungen und präferieren das FDA-System gegenüber der EU-MDR, die dringend Reformen benötigt. Das zeigt die diesjährige Herbstumfrage des BV-Med. Bürokratieabbau und klare Kostenstrukturen stehen im Fokus. Trotz Herausforderungen werden Arbeitsplätze und Forschung weiter gefördert.
„Die KMU-geprägte Branche erstickt unter Bürokratielasten und Berichtspflichten, ohne dass diese zu einer Verbesserung der Versorgung oder der Sicherheit von Patienten beitragen. Entsprechend steht die Forderung nach einem Bürokratieabbau durch ein Belastungsmoratorium für Medtech-Unternehmen mit weitem Abstand an der Spitze der politischen Forderungen“, erklärt BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.
(Bild: BV-Med/Tina Eichner)
Im Rahmen der Jahrespressekonferenz stellte BV-Med-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll die Ergebnisse der diesjährigen BV-Med-Herbstumfrage vor. Die 116 teilnehmenden BV-Med-Mitgliedsunternehmen erwarten einen Umsatzanstieg von rund 3,1 % gegenüber dem Vorjahr und setzen darauf, dass die neue Bundesregierung die Standortbedingungen durch Bürokratieabbau, Mittelstandsförderung und eine eigenständige Medtech-Strategie verbessert. Allerdings herrscht eine stark angespannte Geschäftssituation, die laut der Umfrage durch den starken Kostenanstieg am Standort Deutschland herrührt. 80 % der befragten Unternehmen beklagen sich über den zunehmenden bürokratischen Aufwand als Kostentreiber. Darauf folgen mit 65 % die gestiegenen Zertifizierungskosten durch die MDR-Implementierung und mit 64 % die steigenden Personalkosten.
Der zunehmende Druck auf die Gewinnsituation der Branche wirkt sich auch auf die Investitionen am Standort Deutschland aus. 22 % der befragten Unternehmen verringern ihre Investitionen gegenüber dem Vorjahr, 19 % erhöhen ihre Investitionen. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen (31 %) verlagern Investitionen ins Ausland, davon 15 % ins EU-Ausland und 10 % in die USA.
Die Überlegenheit des europäischen Regulierungssystems gegenüber dem FDA-System ist vorbei
Eine deutliche Mehrheit von 56 % der Unternehmen präferieren das FDA-System. Nur 14 % der BV-Med-Mitglieder sprechen sich für das MDR-System der EU aus. Die MDR muss also nach Meinung der BV-Med-Unternehmen dringend weiterentwickelt und verbessert werden. 86 % der Umfrageteilnehmer wünschen sich dabei v. a. weniger Bürokratie. Dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr nochmals angestiegen. Wichtig sind den Unternehmen zudem berechenbare Kosten, die Abschaffung der Re-Zertifizierung alle fünf Jahre sowie vorhersehbare und klare Fristen.
„Die Medizintechnik-Branche steht an einem Wendepunkt.“
Die Medtech-Branche ist für eine kontinuierliche Versorgungssicherheit im Gesundheitssystem unentbehrlich. „Um eine hochwertige medizinische Versorgung auch künftig und insbesondere in Krisenzeiten sicherstellen zu können, müssen jetzt Vorkehrungen in einem strukturierten Dialog- und Strategie-Prozess für die Medtech-Branche getroffen werden“, fordert der Vorstandsvorsitzende des BV-Med, Mark Jalaß, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin.
Mark Jalaß, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Medizintechnologie (BV-Med)
(Bild: BV-Med/Tina Eichner)
Gute Voraussetzungen sieht der BVMed-Vorsitzende durch die explizite Anerkennung der Medizintechnik-Branche als Leitwirtschaft im neuen Koalitionsvertrag. Zudem habe Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner jüngsten Regierungserklärung Medizintechnik als Zukunftsbranche genannt. Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen für die Branche in Deutschland und Europa in den letzten Jahren erheblich verschlechtert. Das liege an der überkomplexen Regulierung, an schleppender Digitalisierung und mangelhafter Datennutzung sowie an stark steigenden Kosten für Energie, Rohstoffe, Transport, Logistik und Löhne. Jalaß fasst zusammen: „All das bedeutet: Die Medizintechnik-Branche steht an einem Wendepunkt. Deutschland und Europa müssen jetzt handeln, damit wir ein führender Medtech-Standort bleiben und den Patienten Innovationen auch in Zukunft zur Verfügung stehen.“
Dafür nennt der BV-Med-Vorsitzende sieben Handlungsfelder, die die Bundespolitik nun angehen müsse:
1. Medizintechnik als Leitwirtschaft etablieren: Nach der Anerkennung als Leitwirtschaft im Koalitionsvertrag setzt sich der BV-Med für einen eigenständigen Dialog- und Strategieprozess für die Medtech-Branche ein.
2. Regulierung modernisieren und Bürokratie abbauen: Der BV-Med fordert die Bundesregierung auf, sich in Brüssel weiterhin für zügige Verbesserungen der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) stark zu machen. Zudem gehe es darum, auf EU- und Bundesebene den Bürokratieabbau konsequent voranzutreiben, Berichtspflichten abzubauen sowie Fristen, Prozesse und Anforderungen zu vereinheitlichen und zu entbürokratisieren. Als Beispiel nannte Jalaß einen einheitlichen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 % für alle Medizinprodukte.
3. Krankenhausversorgung zukunftssicher gestalten: Bei der Anpassung der Krankenhausreform muss Medtech aus BV-Med-Sicht stärker in den Fokus, denn moderne Technologien sind Lösungsanbieter für bessere Versorgung und effizientere Prozesse. Der BV-Med setzt sich für Anreize für medizinischen Fortschritt und Qualitätsverbesserungen ein. Zudem müsse die Krankenhausplanung bedarfsgerecht gestaltet werden, unterstützt durch kontinuierliche Bedarfsprognosen.
4. Ambulante Versorgung stärken: Um die häusliche Versorgung zu stärken, fordert der BV-Med, dass gleichwertig qualifizierte Pflegefachkräfte aus Homecare-Unternehmen in die Befugniserweiterung und die Versorgung einbezogen werden. Bei der Weiterentwicklung der Hilfsmittel-Versorgung setzt sich der Verband für eine einfachere und schnellere Aufnahme innovativer Produkte ins Hilfsmittelverzeichnis sowie für Bürokratieabbau durch die Einführung eines bundesweit einheitlichen Rahmenvertrages ein. Zudem fordert der BV-Med eine nationale Wundstrategie mit verbindlichen Versorgungspfaden, einer frühzeitigen Diagnostik sowie interdisziplinärer Zusammenarbeit und digitalen Lösungen.
5. Digitalisierung & KI aktiv nutzen: Der BV-Med spricht sich für eine bessere Nutzbarkeit von Gesundheitsdaten und einen verbesserten Zugang der Medtech-Unternehmen zu Real-World-Daten aus. Zudem müssten KI-basierte Systeme gefördert und regulatorisch abgesichert werden. Des Weiteren spricht sich der BV-Med laut Jalaß für eine Verschiebung der KI-Verordnung aus, da einfach noch zu viele Fragen offen seien.
6. Nachhaltigkeit gezielt fördern: Beim Thema Nachhaltigkeit setzt der BV-Med auf Anreize und sinnvolle Förderprogramme für nachhaltige Innovationen insbesondere für KMU.
7. Internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern: Im Rahmen der Zollverhandlungen fordert der BV-Med aus humanitären Gründen Ausnahmeregelungen für Medizinprodukte. Außerdem müsste die regulatorische Angleichung mit Partnerstaaten vorangetrieben und verlässliche Rahmenbedingungen für Exportförderung geschaffen werden.
Investitionen in Arbeitsplätze und Forschung steigen
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation investiert die Branche weiter in Arbeitsplätze und Forschung. Ein Drittel der BV-Med-Unternehmen erhöhen laut der Herbstumfrage die Zahl der Mitarbeitern gegenüber dem Vorjahr, 51 % halten die Zahl der Stellen stabil. Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche sind weiter ausgezeichnet.
Positiv ist auch die Entwicklung bei den Forschungsausgaben. Im Durchschnitt investieren die an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen 9,2 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.
Der Innovationsklima-Index des BV-Med ist gegenüber dem Vorjahr von 3,6 auf 3,9 leicht gestiegen. Dies lässt sich wohl auf die deutlichen Signale aus Brüssel zur MDR-Änderung und die dadurch entstehende Hoffnung auf Seiten der Hersteller zurückführen. Auch die Aussage der Bundesregierung, die Medizintechnik als Leitwirtschaft anzuerkennen, trage ihren Teil zur leichten Steigerung des Innovationsklima-Indexes bei.
Die Nutzung von KI-Lösungen ist auf dem Weg zum Standard
91 % der BV-Med-Unternehmen, die sich an der Herbstumfrage 2025 beteiligten, verwenden in verschiedenen Unternehmensbereichen bereits künstliche Intelligenz (KI) zur Entwicklung von Lösungen und Unterstützung von Prozessen. Am häufigsten wird KI im Marketing genutzt, aber auch im Vertrieb oder in der Produktion.
Nachhaltigkeits-bezogene Aktivitäten gewinnen in der Medtech-Branche weiter an Bedeutung
63 % der befragten Mitglieder gaben an, Aktivitäten zur Emissionsreduktion und Ressourcenschonung im Produktionsumfeld etabliert zu haben, um beispielsweise den Wasserverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu steigern oder erneuerbare Energien besser zu nutzen. Bereits 62 % der Mitgliedsunternehmen haben laut der BV-Med-Umfrage eine nachhaltige Unternehmensführung etabliert.
Stand: 08.12.2025
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Zur BV-Med-Herbstumfrage
Der BV-Med führte bei seinen Mitgliedsunternehmen im August und September 2025 eine umfassende Online-Befragung mit insgesamt 28 Fragen durch. Von den ordentlichen 220 BV-Med-Mitgliedern mit Stimmrecht haben sich 116 Unternehmen beteiligt.
An der Umfrage nahmen zu 78 % Hersteller, zu 18 % Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger, zu 17 % Fach- und Großhändler, zu 4 % Zulieferer sowie zu jeweils 3 % DiGA-Hersteller und Software- bzw. Datenservice-Unternehmen teil.
Die Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, haben ihren Hauptsitz zu 66 % in Deutschland, zu 18 % in den USA und zu 10 % im europäischen Ausland.
Alle Ergebnisse der Herbstumfrage und weitere Informationen gibt es auf der Website des BV-Med.
Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unserer Schwesterpublikation Devicemed.