Bertelsmann Stiftung Gesucht: bessere Bedingungen für Hausärzte

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung planen viele Hausärztinnen und Hausärzte, ihre Wochenarbeitszeit zu reduzieren oder ihre Tätigkeit zu beenden. Das Primärarztsystem würde diese Problematik verschärfen – es braucht also dringend Entlastungsmöglichkeiten.

Viele Hausärzte wollen ihre Arbeitszeit reduzieren.(Bild:  Gina Sanders – stock.adobe.com)
Viele Hausärzte wollen ihre Arbeitszeit reduzieren.
(Bild: Gina Sanders – stock.adobe.com)

Ein Viertel der Hausärztinnen und -ärzte in Deutschland plant, ihre Tätigkeit in den nächsten fünf Jahren aufzugeben. Diejenigen, die ihren Beruf weiter ausüben möchten, wollen ihre Wochenarbeitszeit bis 2030 durchschnittlich um zweieinhalb Stunden reduzieren. Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Universität Marburg. Der Nachwuchs könne diese Entwicklungen nur teilweise kompensieren, daher drohe sich die Anzahl der unbesetzten Hausarztsitze in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln – aktuell liegt dieser Wert bei über 5.000.

Primärarztsystem erfordert Zeit

Das von der Bundesregierung geplante Primärarztsystem dürfte auf diese Problematik weiter einzahlen. Das Primärarztsystem sieht vor, dass Patienten bei Beschwerden zunächst die Hausarztpraxis aufsuchen und von dort gegebenenfalls an Fachärzte weitervermittelt werden. „Es ist grundsätzlich notwendig und sinnvoll, die Patientenströme besser zu steuern. Wenn Hausärztinnen und Hausärzte diese Aufgabe übernehmen, kostet sie das jedoch Zeit. Deshalb wird es wichtig sein, sie gleichzeitig an anderen Stellen so viel wie möglich zu entlasten“, betont Uwe Schwenk, Director Gesundheit bei der Bertelsmann Stiftung.

Beim Stichwort „Entlastung“ kommt die Bürokratie ins Spiel. Laut der aktuellen Umfrage nutzen die Hausärztinnen rund 80 Prozent ihrer Arbeitszeit für Sprechstunden und Hausbesuche, die restliche Zeit wird für Verwaltungsaufgaben, Fortbildungen und sonstige Tätigkeiten gebraucht. Uwe Schenk betont die Notwendigkeit, „bislang ungenutzte Potenziale zu heben“.

Entlastung

Eine Entlastungsmöglichkeit für Hausarztpraxen besteht laut Bertelsmann Stiftung darin, Aufgaben wie Terminmanagement, Befundaustausch, Diagnostik und Behandlungsabläufe stärker zu digitalisieren. Die digitalen Lösungen laufen im Praxisalltag jedoch nicht immer stabil: 25 Prozent der Befragten berichten, dass Software-Probleme die Praxis- und Behandlungsabläufe ein- oder mehrmals am Tag beeinträchtigen.

Eine weitere Entlastungsmöglichkeit wäre, Aufgaben an nichtärztliche Berufsgruppen im Gesundheitswesen zu übertragen, zum Beispiel an speziell dafür ausgebildete medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte. Sieben von zehn befragten Hausärztinnen und -ärzten schätzen das damit verbundene Entlastungspotenzial als groß ein.

„Um die hausärztliche Versorgung zu sichern, müssen die notwendigen Digitalisierungsmaßnahmen gelingen, unnötige Arztbesuche reduziert sowie neue Formen der fachübergreifenden Zusammenarbeit etabliert werden“, sagt Schwenk.

Bürokratie und Arbeitszeit

Um Hausärzte zu gewinnen oder zu halten, könnten auch die Arbeitsbedingungen angepasst werden. Laut Umfrage kann sich die Mehrheit der Befragten, die ihre Tätigkeit beenden wollen, vorstellen, „unter bestimmten Bedingungen“ doch länger zu praktizieren. Als Hebel werden genannt: weniger Bürokratie sowie geringere und flexiblere Arbeitszeiten. Aktuell arbeiten die befragten Ärzte rund 44 Stunden pro Woche. Im Jahr 2012 war es sogar noch mehr, damals wurden 57,6 Stunden pro Woche angegeben.

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