Hacker- und Malware-Attacken Höhere Cyberresilienz im Healthcare-Bereich

Ein Gastbeitrag von Suzanne Button 4 min Lesedauer

Cyberangriffe auf Krankenhäuser sind keine Einzelfälle mehr – ganz im Gegenteil, sie häufen sich. Vor diesem Hintergrund sollten Gesundheitseinrichtungen bei ihren Sicherheitsstrategien über den Tellerrand und über Landesgrenzen hinweg schauen.

Robuste Cybersicherheitsprotokolle sind essenziell, um wichtige Gesundheitsdienste zu sichern und Patientendaten zu schützen.(©  ArtemisDiana – stock.adobe.com)
Robuste Cybersicherheitsprotokolle sind essenziell, um wichtige Gesundheitsdienste zu sichern und Patientendaten zu schützen.
(© ArtemisDiana – stock.adobe.com)

Immer wieder kommt es zu zielgerichteten und ungezielten Cyberattacken auf Einrichtungen des Gesundheitswesens. Schwere und Folgen der Attacken variieren: Mal sind personenbezogene Daten von Patienten, Mitarbeitern und Geschäftspartnern kompromittiert. In anderen Fällen, etwa im Krankenhaus Agatharied bei München, mussten so gut wie alle IT-Systeme vom Netz genommen werden, und das Universitätsklinikum Frankfurt war erst zehn Monate nach dem Angriff wieder komplett digital erreichbar.

Auch der britische National Health Service (NHS) war im Juni 2024 Opfer einer umfassenden Cyberattacke geworden: Insgesamt wurden aufgrund des Angriffs mehr als 6.000 Termine und Verfahren bei mehreren Krankenhäusern in London verschoben, auch Bluttransfusionen waren nicht möglich. Ursache war ein Ransomware-Angriff auf einen Pathologiedienstleister, bei dem Hunderte von Gigabyte sensibler Patientendaten ins Internet gelangten.

Lebensnotwendige Operationen finden zwar auch dann weiterhin statt. Dennoch ist eine Verschiebung geplanter Operationen für Patienten, die monatelang auf einen OP-Termin warten, gravierend. Eingriffe auf unbestimmte Zeit verschieben zu müssen, ist nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Gesundheitsorganisationen herausfordernd.

Alle diese Vorfälle zeigen, dass Cyberattacken den Betrieb eines Krankenhauses, egal welcher Größe und Spezialisierung, weitgehend lahmlegen und sensible Daten von Patienten, Mitarbeitern und Geschäftspartnern gefährden können. Da Cyberkriminalität ein globales Problem ist, sollten Gesundheitseinrichtungen über Landesgrenzen hinweg voneinander lernen. So birgt der NHS-Hack auch Lektionen für deutsche Gesundheitseinrichtungen.

Ursachen sind unzureichende Schutzmaßnahmen

Professor Ciaran Martin, der erste CEO des National Cyber Security Centre (NCSC) und heute an der Universität Oxford, sieht vor allem drei Ursachen für den NHS-Angriff: veraltete Technologie, die Unfähigkeit, Schwachstellen richtig zu erkennen, und das Fehlen grundlegender Sicherheitspraktiken. Diese ursächlichen Bedingungen treffen auch über Großbritannien hinaus auf Gesundheitseinrichtungen zu – gerade auf solche, die sich durch öffentliche Gelder finanzieren und in den letzten Jahrzehnten von Sparmaßnahmen betroffen waren. Daher betont Ciaran Martin weiter: „Ransomware-Angriffe auf das Gesundheitswesen sind ein großes globales Problem.“

Weckruf für Gesundheitsdienstleister

Im Fall des NHS-Angriffs wird es laut einer NHS-Quelle mehrere Monate dauern, bis der Betrieb wieder voll aufgenommen werden könne. Diese lang andauernden Auswirkungen sind eine deutliche Erinnerung an die wachsende Bedrohung durch Cyberkriminalität und auch ein Weckruf für deutsche Gesundheitsdienstleister, ihre Abwehrmaßnahmen zu verbessern. Weitreichende Störungen wie bei den Londoner NHS-Krankenhäusern zwangen die Einrichtungen dazu, auf manuelle Abläufe zurückzugreifen und nicht dringende Eingriffe zu verschieben.

Das unterstreicht, wie wichtig robuste Cybersicherheitsprotokolle sind, um wichtige Gesundheitsdienste zu sichern und Patientendaten zu schützen. Lösungen, die auch für den öffentlichen Sektor und Gesundheitseinrichtungen einen gewaltigen Unterschied machen, gibt es schon: Tools, die große Datenmengen in Echtzeit indizieren, durchsuchen und analysieren können, sind von unschätzbarem Wert für die Erkennung von und die Reaktion auf Cyber-Bedrohungen. Da sich die Bedrohungslandschaft weiterentwickelt und bösartige Akteure immer raffiniertere Taktiken und neue Technologien einsetzen, müssen die Verteidiger wachsamer denn je sein – und ebenfalls auf moderne Tools setzen.

KI unterstützt Cyber-Abwehr

Während Hacker immer mehr vom Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) profitieren, kann KI auch Sicherheitsexperten im Gesundheitssektor bei der Verteidigung gegen Ransomware massiv unterstützen. Gerade bei beschränkten öffentlichen Budgets und Fachkräftemangel, kann KI-Technologie pragmatisch Abhilfe schaffen und überlastete Sicherheitsexperten entlasten. So können hunderte von Alerts mithilfe von generativer KI (GenAI) automatisch auf false-positives geprüft werden, bevor sie überhaupt zum Security-Analysten kommen.

Das entlastet Analysten von monotonen, bislang rein manuellen und immens zeitintensiven Aufgaben. Dadurch können sie nicht den Alerts, sondern den tatsächlichen Angriffen die notwendige Aufmerksamkeit zukommen lassen. Auch KI-Assistenten im SIEM (Security Information and Event Management) unterstützen dabei, Sicherheitsvorfälle zu untersuchen und zu beheben. Um automatisch Erkenntnisse, Handlungsempfehlungen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, verarbeiten sie natürliche Sprache (NLP). Dies befähigt Analysten auf unterschiedlichen Qualifikationsstufen, schnell und exakt auf Bedrohungen zu reagieren.

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Gerade im öffentlichen Gesundheitssektor in Deutschland benötigen Entscheidungen für neue Systeme einen zeitlichen Vorlauf. Das sollte jedoch kein Grund sein, vor nötigen Veränderungen zurückzuschrecken. Die Unternehmensleitung für bestehende Lösungen und aktuelle Bedrohungen zu sensibilisieren, ist als erster Schritt von entscheidender Bedeutung. Die sich häufenden Cyberangriffe und ihre drastischen Auswirkungen bieten eine überzeugende Basis dafür. Das Ziel: sicherzustellen, dass die Bemühungen um mehr Cybersicherheit kohärent sind.

Doch auch auf nationaler Ebene und in der Europäischen Union (EU) müssten dasselbe Bewusstsein für Bedrohungen geschaffen und das Know-how zu Lösungen verbreitet werden – für Sicherheit EU-weit. Die passende Ausrüstung von Unternehmen, die an vorderster Front der zunehmenden Cyberattacken stehen, ist für die Cyberresilienz und die EU-weite IT-Sicherheit von größter Bedeutung.

Suzanne Button
ist Field CTO (EMEA) bei Elastic.

Bildquelle: Elastic

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