Herz-OP Kino im Operationssaal: Ablenken und Film schauen mit der Videobrille

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

Beruhigende Filmszenen während der Herz-OP – das klingt zunächst unwirklich, doch die Segeberger Kliniken setzen auf neueste Technik. Denn die Videobrillen sorgen für weniger Stress und Angst bei Patienten während einer Operation.

Studien, Erfahrungsberichte und Evaluierungen zeigen auch, dass sich hiermit Kosten und Ressourcen einsparen lassen, indem die Verweildauer in der Klinik verkürzt wird. (© Jakub – stock.adobe.com)
Studien, Erfahrungsberichte und Evaluierungen zeigen auch, dass sich hiermit Kosten und Ressourcen einsparen lassen, indem die Verweildauer in der Klinik verkürzt wird.
(© Jakub – stock.adobe.com)

Ohne Narkose möchte keiner operiert werden. Doch was tun, wenn man ein Narkosemittel nicht verträgt? Neben Risiken wie Allergien können auch Unannehmlichkeiten und Beschwerden eintreten: Man wacht ungewollt während der OP auf und sieht, was man nicht sehen wollte oder man leidet danach an Übelkeit, Kreislaufproblemen und Schluckbeschwerden. Normalerweise durchläuft man bei einer sogenannten Allgemeinanästhesie drei Schritte: Schmerzausschaltung, Bewusstseinsverlust und Muskelentspannung. Mit einer neuen Methode können jetzt aber weniger Medikamente eingesetzt und dennoch Schmerzen verringert werden.

In über 80 Prozent der Fälle können Sedativa reduziert werden, über 70 Prozent der Patienten und ca. 75 Prozent der Mitarbeiter empfinden mehr Entspannung während eines Eingriffs: Mit der Brille statt der Pille. Diese Videobrillen sind klinisch getestet, praxiserprobt und sogar in einem Selbsttest vom Hersteller HappyMed geprüft worden. So kann man über einen kurzen Filmausschnitt auf der Website CEO Philipp Albrecht während seiner Knie-OP mit der Videobrille begleiten. Die Brille wird aber vor allem bei bestimmten herzchirurgischen Eingriffen eingesetzt.

Die Videobrillen wirken sich dabei auf Kreislauf und Körper aus: Gerade bei anstehenden Herz-OPs reagieren viele Menschen mit Angst, aufgrund der optischen und akkustischen Eindrücke im OP-Saal. Im Herz- und Gefäßzentrum führen die Brillen zu weniger Stress, Angst und Nervosität, indem Patienten vom eigentlichen Geschehen abgelenkt werden – und zwar mit Bridget Jones oder anderen beruhigenden Filmen und Dokumentationen, wie Fernreisen, Tierdokus und klassischen Konzerten. Die Brille funktioniert audiovisuell mit Kopfhörern und mobilem Mediacenter. Den entsprechenden Film kann der Patient selbst oder der behandelnde Arzt auswählen und pausieren. Bedient wird es dann mit der Fernbedienung oder dem Touchscreen.

„Die Videobrille lässt unsere Patienten während komplexer Untersuchungen in eine andere Welt eintauchen“, sagte so Prof. Dr. med. Holger Nef, Klinikdirektor des Herz- und Gefäßzentrums der Segeberger Kliniken. „Die Videobrille wurde speziell für den medizinischen Bereich entwickelt. Fühlt sich der Patient bei der Behandlung wohler, können auch Beruhigungsmittel erheblich reduziert werden. Der positive Effekt der Brille ist für unsere Patienten spürbar und messbar“.

So funktioniert es aber auch andersherum. Sollte die Brille nicht den gewünschten Effekt erzielen, heißt es in einem der vorgeführten Videos auf der Website, kann immer noch auf Narkosemittel umgestellt werden. Eine Vollnarkose setzt Patienten aber für gewöhnlich den ganzen Tag, manchmal auch zwei Tage außer Gefecht. Deshalb ist die Videobrille auch hier von Vorteil: Man ist schneller wieder auf den Beinen und verbringt weniger Zeit im Aufwachraum.

Über 200 Kliniken setzen die Videobrille bereits ein: Darunter die Segeberger Kliniken, die Universitätskliniken Schleswig-Holstein, Freiburg, Augsburg, die MRI Technische Uni München und sogar die Bundeswehr.

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