Krankenhausreform Kommunikation entscheidet über Erfolg

Von Johannes Kapfer 5 min Lesedauer

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Politische Entscheidungsträger zögern aus Angst vor Kritik; dabei ist strategische Kommunikation der wichtigste Erfolgsfaktor für die Transformation der Krankenhauslandschaft. Diese und weitere Erkenntnisse legt eine aktuelle Studie nahe.

Im Gesundheitswesen gewinnt das Thema strategische Kommunikation stetig an Bedeutung.(blacksalmon - stock.adobe.com)
Im Gesundheitswesen gewinnt das Thema strategische Kommunikation stetig an Bedeutung.
(blacksalmon - stock.adobe.com)

Die deutsche Krankenhauslandschaft steht vor einer existenziellen Herausforderung. Mehr als ein Fünftel der Kliniken ist stark insolvenzgefährdet, beinahe kein Haus kann offene Stellen im notwendigen Maße besetzen, und die Fallzahlen sind seit 2019 im zweistelligen Prozentbereich gesunken. Trotz dieses massiven Handlungsdrucks haben – nach Einschätzung von Experten – rund ein Viertel der deutschen Krankenhäuser noch gar nicht aktiv mit einer Neuausrichtung begonnen. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim in Kooperation mit der Kommunikationsberatung Crunchtime Communications zeigt auf, woran das liegen könnte und welche Rolle strategische Kommunikation für den Erfolg der dringend notwendigen Transformation spielt.

Die Ergebnisse des „Krankenhaus-Radar 2025“ beruhen auf leitfadengestützten Interviews mit 16 Krankenhausexperten. Alle Befragten sind überzeugt, dass Krankenhausträger und Klinikmanagement wissen, dass Veränderungen notwendig sind und wie diese inhaltlich zu gestalten seien. Eine adäquate „Medizin-Strategie“ zu entwickeln, sei nicht Teil des Problems.

Die Angst vor Kritik und öffentlichem Druck lasse politische Entscheidungsträger zögern, rechtzeitig notwendige Veränderungen zu beschließen. „Das Zögern der Politik führt dazu, dass notwendige Entscheidungen oft erst dann getroffen werden, wenn die finanzielle Lage keine andere Wahl mehr lässt“, erklärt Johannes Fischer, geschäftsführender Gesellschafter von Crunchtime Communications und Lehrbeauftragter an der Universität Hohenheim.

Kommunikation als Erfolgsfaktor identifiziert

Die Studie zeigt deutlich, dass Kommunikation nach Einschätzung der befragten Experten den wichtigsten Erfolgsfaktor für erfolgreiche Transformationsprozesse in Krankenhäusern darstellt. Vier der fünf am häufigsten genannten Erfolgsfaktoren beziehen sich direkt auf kommunikative Aspekte.

  • Der Dialog und die Einbeziehung der Entscheiderinnen und Entscheider.
  • Die verständliche Information über das jeweilige Reform-Vorhaben sowie das Erklären des Nutzens und der Notwendigkeit gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit.
  • Die Gewinnung und Positionierung von fachlich qualifizierten und glaubwürdigen Fürsprechern wie Gutachtern, Experten oder Mitarbeitern.
  • Der ernsthafte und verantwortungsvolle Umgang mit Betroffenen, Kritikern und Gegnern.

Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, betont: „Strategien scheitern selten an ihrer inhaltlichen Qualität – sondern daran, dass es nicht gelingt, ausreichend Akzeptanz für ihre Umsetzung zu gewinnen. Auch die besten Konzepte entfalten nur dann Wirkung, wenn sie verstanden und mitgetragen werden.“

Die Experten hätten – laut der Studie – durchaus realistische Erwartungen an die Möglichkeiten strategischer Kommunikation. Sie seien sich einig, dass die Akzeptanz und Unterstützung mancher Stakeholder aufgrund von Eigeninteressen, Emotionen und inhaltlicher Komplexität auch mit umfangreichster Kommunikation nicht gewonnen werden könne. Kritik und Widerstand wären nach Meinung aller Experten angesichts der notwendigen tiefgreifenden Veränderungen zu erwarten und könnten nicht vollständig vermieden oder entkräftet werden.
„Es geht nicht darum, alle zu überzeugen“, stellt Johannes Fischer klar. „Der Fokus sollte vielmehr auf der aktiven Gestaltung des Dialogs mit Entscheidungsträgern, Führungskräften und Mitarbeitern sowie weiteren direkt Betroffenen und Beteiligten liegen.“

Bemerkenswert ist, dass die befragten Experten skeptisch sind, was die inhaltliche Einbeziehung der Stakeholder anbelangt. Zwar würde durch die Akzeptanz durch Partizipationsprozesse steigen, jedoch sei das Risiko „fauler“ Kompromisse und sich verzögernder Prozesse signifikant erhöht. Darüber hinaus würden Strategien durch Beteiligung in der Breite nicht inhaltlich besser werden. Die Experten warnen davor, sich von „den wenigen Lauten treiben zu lassen“, da deren Meinung selten repräsentativ und stark von Partikularinteressen geprägt sei. Wer sich daran orientiere, lande in einem „reaktiven Rechtfertigungsmodus“. Entscheidend sei, die Kommunikation von Anfang an strategisch mit klarer Zielgruppenfokussierung, koordinierter Ansprache und glaubwürdiger Beteiligung zu planen.

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