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Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen

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Unterstützung im OP-Saal

Auch für Operationen wird der Einsatz von KI ­stetig weiterentwickelt. Die robotergestützte Chi­rurgie ist vor allem in größeren Kliniken längst angekommen. Bei minimalinvasiven OPs zum Beispiel werden sehr kleine Instrumente und eine Minikamera verwendet. „Die rechnergestützte Vergrößerung des Operationsgebiets bietet eine deutlich vergrößerte Darstellung. Zum anderen können mithilfe der Kameras Blickwinkel eingestellt werden, die man der herkömmlichen Chirur­gie so nicht hat“, beschreibt Dr. med. Andreas Seekamp, Universitätsprofessor und Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Kiel, die Vorteile des computergestützten Verfahrens.

Bei der robotergestützten Chirurgie seien die kleinen OP-Instrumente dann sogar an Roboterarmen befestigt – was einen größeren Bewegungsspielraum und eine höhere Präzision ermögliche. Wie Dr. Seekamp im Rahmen des Deutschen Chirurgie-Kongresses erläuterte, sitzt der Chirurg währenddessen an einer Konsole mit hochauflösendem Monitor, was auch für die Körperhaltung schonender sei als stundenlanges Stehen. Während der OP nimmt der Roboter die Bewegungen der Hände über ein elektromagnetisches Feld und Joysticks auf. „Diese Bewegungen führt der Roboter über winzige Instrumente aus und eliminiert dabei auch das natürliche Ruhezittern der Hände“, betont Seekamp.

Ersetzt wird der Chirurg trotz aller KI aber nicht. Laut Seekamp sei die roboterassistierte Chirurgie eher ein additives Verfahren, dass das minimalinvasive Spektrum erweitere. „Bis heute gibt es kein System, welches ohne eine/-n erfahrene/-n und versierte/-n Chirurgen oder Chirurgin auskommt“, betont der Universitätsprofessor. Zumal die Roboterassistenten derzeit noch sehr teuer sind. „Hinzu kommt, dass die Anwendung eines OP-Roboters bei der Abrechnung durch die Fallpauschalen nicht lohnend vergütet wird“, gibt Dr. med. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, zu bedenken. Auch das Fehlen qualitativ hochwertiger Vergleichsstudien zwischen herkömmlichen Methoden und der bild- und computergestützten robotischen Chirurgie sei ein Grund dafür, dass die Technik noch nicht flächendeckend verfügbar sei.

Bislang eine Zukunftsvision ist die Fern-OP. Der räumlichen Entkoppelung vom OP-Saal seien derzeit aufgrund der erforderlichen hohen Übertragungsgeschwindigkeiten enge Grenzen gesetzt. „Irgendwann müssen die Operateure und Operateurinnen aber nicht mehr vor Ort sein; können vielleicht von ihrem Office als Chefchirurgin oder Chirurg in einen schwierigen Operationsschritt eingreifen“, ist Schmitz-Rixen sicher. Derzeit geht ohne Mensch aber noch nichts. „Kein Roboter­ macht etwas selbstständig“, versichert Seekamp. „Am Ende steht immer der Operateur.“

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