Pflegende Angehörige Offener Brief an Lauterbach fordert Anerkennung

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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In Deutschland gibt es rund fünf Millionen Pflegebedürftige. Nur eine Million von ihnen befindet sich in einer professionellen Pflegeeinrichtung. Die überwiegende Mehrheit wird von pflegenden Angehörigen betreut. Diese sind oftmals überfordert und müssen zudem gegen bürokratische Windmühlen kämpfen.

Das Gros aller Pflegebedürftigen wird hierzulande von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt. (©  Lilli - stock.adobe.com)
Das Gros aller Pflegebedürftigen wird hierzulande von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt.
(© Lilli - stock.adobe.com)

Als pflegende Angehörige bezeichnet man Menschen, die sich in häuslicher Pflege um einen oder mehrere Verwandten kümmern. Sie stellen innerhalb des Pflegesektors sogar die größte Interessensgruppe dar und sind dennoch kaum repräsentiert. Ohne pflegende Angehörige wäre das – bereits ohnehin überlastete – System Krankenpflege kaum noch handlungsfähig. Ihre Arbeit ist zwar unersetzlich, gerecht entlohnt wird sie allerdings selten. Jährlich werden etwa zwölf Milliarden Euro an Pflegeleistungen nicht in Anspruch genommen. Unter anderem deswegen haben sich einige Vertreter der Digital-Care-Branche mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gewandt. Sie fordern unter anderem mehr Unterstützung und Wertschätzung für pflegende Angehörige.

Die Unterzeichner des Briefs, allesamt Unternehmen und Verbände aus dem Pflegesektor, sehen große Handlungsbedarfe, um die häusliche Pflege auch zukünftig nachhaltig gestalten zu können. Schließlich werde die Zahl der pflegebedürftigen Personen im Lauf der nächsten Jahrzehnte stetig steigen, während sich die Anzahl der Pflegeeinrichtungen perspektivisch verringere.

Im Detail fordern sie, dass pflegenden Angehörigen die Unterstützung ermöglicht werde, die ihnen zustehe. Konkret gehe es auch darum, den pflegenden Angehörigen eine unabhängige Pflegeberatung zur Seite zu stellen oder ihnen speziell zugeschnittene digitale Hilfsangebote zu bieten. Weiterhin wird auf eine erhöhte „Transparenz im Bürokratiedschungel“ gepocht. Durch einen Wegfall von bürokratischen Hürden würde mehr Netto-Pflegezeit bleiben. Niedrigschwellige Entlastungsangebote – etwa Kurzzeitpflegemodelle – schaffen beispielsweise im Krankheitsfall Räume für die pflegenden Angehörigen und stellen die Versorgungsqualität sicher.

In eine ähnliche Kerbe schlägt eine weitere Forderung des offenen Briefs. In den Augen der Verfasser sollen die Lebensabschnitte „Kindererziehung“ sowie „Pflege von Angehörigen“ vor dem Fiskus gleichgestellt werden. Rückkehrrechte nach Beendigung der Pflege, eine staatliche Übernahme der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge oder ein sogenanntes Pflegegehalt sind dabei nur einige der möglichen Ansätze zur Entlastung der pflegenden Angehörigen. Schlussendlich sollen auch digitale Unterstützungsangebote in die Versorgung integriert werden.

Markus C. Müller, CEO der Nui Care GmbH sowie Initiator des offenen Briefs, betont, dass pflegende Angehörige das Rückgrat der häuslichen Pflege in Deutschland seien. „Viele von ihnen sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit“, mahnt er an und macht indirekt den Staat dafür verantwortlich. Die Sparpolitik des Bundesgesundheitsministeriums und die „unzureichenden Veränderungen durch die Pflegereform“ würden die Situation der Angehörigen eher verschärfen anstatt für Entlastung zu sorgen. Er fordert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aus diesem Grund zu zeitnaher Handlung auf. Schließlich „dulde das Thema keinen Aufschub“.

Stand jetzt ist eine Reaktion vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums ausgeblieben.

Den gesamten Brief können Sie hier einsehen:

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