Gemeinsamer Bundesausschuss Patientenbriefe leicht verständlich: G-BA-Projekt kommt in der Praxis an

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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„Was habe ich?“ Das fragen sich viele Patienten, wenn sie versuchen, ihren Krankenhausentlassbrief zu verstehen. Für die „Was hab‘ ich?“ gGmbH ist die Frage Programm: In einem Förderprojekt des G-BA hat der gemeinnützige Anbieter eine Software für laienverständliche Patientenbriefe erprobt, die jetzt in Kooperation mit einem KIS-Anbieter in vielen Kliniken zum Einsatz kommen soll.

Im Rahmen des Projekts PASTA erhielten Patienten und Patientinnen wenige Tage nach ihrer Entlassung aus der Klinik einen Patientenbrief in leicht verständlicher Sprache.(© fizkes – stock.adobe.com)
Im Rahmen des Projekts PASTA erhielten Patienten und Patientinnen wenige Tage nach ihrer Entlassung aus der Klinik einen Patientenbrief in leicht verständlicher Sprache.
(© fizkes – stock.adobe.com)

Krankenhausentlassbriefe enthalten die nötigen Informationen für die weiterführende ambulante Behandlung. Mediziner verstehen sie, Patienten meist nicht. „Wer kennt das unsichere Gefühl nicht, das sich beim Lesen eines Krankenhausentlassbriefes einstellt, weil sich Fachausdruck an Fachausdruck reiht?“, sagt Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Zwar diene der Entlassbrief in erster Linie der Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten, „aber natürlich möchte auch die betroffene Person verstehen, was über ihre Therapie und den Krankheitsverlauf berichtet wird“. Im Innovationsfonds-Projekt PASTA – Patientenbriefe nach stationären Aufenthalten – konnte ein positiver Einfluss von laienverständlichen Patientenbriefe auf die Gesundheitskompetenz, vor allem bei Älteren und chronisch Erkrankten, nachgewiesen werden.

Während des dreijährigen Projekts wurde eine Software zur automatisierten Erstellung laienverständlicher Patientenbriefe entwickelt und am Herzzentrum Dresden erprobt. Basierend auf den im Krankenhausinformationssystem gespeicherten Patientendaten erstellte die Software aus über 20.000 ärztlich geprüften, parametrisierten Textbausteinen individuell angepasste Texte. Insgesamt wurden 650 Patientenbriefe mit leicht verständlichen Angaben zum Krankheitsbild und Diagnosen ausgegeben – ergänzend zum herkömmlichen Entlassungsbrief. Die große Mehrheit der Patientinnen und Patienten bewertete die Ergebnisse demnach als hilfreich und informativ, auch die Anbindung an die Klinik-IT erwies sich als gut realisierbar – der Innovationsfonds empfahl daher 2022 die Überführung in die Regelversorgung.

"Was hab' ich?" und Dedalus arbeiten zusammen

Ende März haben der Health-IT-Anbieter Dedalus und „Was hab‘ ich“ ihre Kooperation bekanntgegeben. Damit können die über 800 Klinikpartner, die das KIS-System ORBIS des Anbieters nutzen, die leicht verständlichen Patientenbriefe zur Verfügung zu stellen, sowohl in gedruckter Form als auch über Patientenportale.

Ansgar Jonietz, Geschäftsführer der „Was hab‘ ich?“ gGmbH sieht in der Kooperation viel Potenzial: „Die Erstellung der Patientenbriefe funktioniert mit unserer Technologie sowieso schon komplett ohne Aufwand für das Klinik-Personal. Nun ist auch die einmalige IT-Anbindung zu Beginn dank der ORBIS-Integration nicht mehr nötig“. Je mehr Kliniken die Patientenbrief-Software nutzten, desto mehr Patientinnen und Patienten würden von leicht verständlichen Gesundheitsinformationen nach der Krankenhausentlassung profitieren. Gleichzeitig werde das Entlassmanagement der Kliniken weiter optimiert. Christoph Brandes, Leiter Country Solution Management bei Dedalus, spricht von einem wichtigen Brückenschlag „zwischen Medizin auf High Tech Niveau und Verständlichkeit“.

Der Innovationsausschuss hat auch weitere Nutzungen der Projektergebnisse durch verschiedene Akteure des Gesundheitswesens empfohlen, u. a. in den medizinischen Informationsobjekten (MIOs) des Krankenhausentlassbriefes. Die Rückmeldungen dazu sowie weitere Informationen sind auf der G-BA Website einzusehen.

Erläuterungen zur Software, Reaktionen von Patienten und Beispiele für Patientenbriefe finden Sie auf patientenbriefe.de.

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