Digitale Transformation der Life-Sciences-Branche So einfach wie möglich – Patienten technologisch in klinische Studien einbinden

Von Werner Engelbrecht 5 min Lesedauer

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Seit mehr als einem Jahrzehnt steht die forschende Pharmaindustrie vor der großen Herausforderung, Patienten besser in klinische Studien zu einzubeziehen. F&E-Verantwortliche sind angehalten, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die Bedürfnisse von Patienten angemessen berücksichtigen.

COVID-19 hat die Digitalisierung in der klinischen Forschung beschleunigt und die Einführung von Lösungen für Patienten, die nicht vor Ort an klinischen Studien teilnehmen, vorangetrieben.(Bild:  Veeva Systems)
COVID-19 hat die Digitalisierung in der klinischen Forschung beschleunigt und die Einführung von Lösungen für Patienten, die nicht vor Ort an klinischen Studien teilnehmen, vorangetrieben.
(Bild: Veeva Systems)

Ein Grund für die Probleme der Pharmaindustrie, Patienten in klinischen Studien einzubeziehen ist, dass die Branche viele verschiedene Kommunikations- und Informationsansätze verfolgt. Ein Patient, der an einer Studie teilnimmt, kann Benachrichtigungen, ePRO-Tagebücher (elektronische Patientenberichte) und Fragebögen aus verschiedenen Software-Anwendungen erhalten und gleichzeitig Wearables oder elektronische Concierge-Dienste nutzen.

Indem Unternehmen zahllose Instrumente eingeführt haben, um Patienten einzubinden und Daten im Rahmen einer Studie zu erfassen, wirkt sich das auch auf die Arbeit der Sponsoren und Prüfzentren aus, die verschiedene Systeme erlernen und anwenden müssen, um die jeweiligen Prozesse ausführen zu können. Die Vielzahl an Ansätzen schränkt zudem die Möglichkeit ein, Erkenntnisse auszutauschen, Standardverfahren einzuführen oder – durch die Wiederholung von Studien – Skalierungseffekte zu erzielen. Auch die Kosten und die Komplexität der Studien steigen, was einer nahtlosen Patientenbetreuung im Wege steht.

Patienteneinbindung als Kernbestandteil der Studienplanung und -durchführung

COVID-19 hat die Digitalisierung in der klinischen Forschung beschleunigt und die Einführung von Lösungen für Patienten, die nicht vor Ort an klinischen Studien teilnehmen, vorangetrieben. Digitale Tools wurden schnell von einem „Nice-to-have“ zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel, damit Life-Sciences-Unternehmen Studienprozesse dezentralisieren können. Dennoch war es kein einfacher Weg, bis diese Instrumente allgemein akzeptiert wurden. Zwar hat die Branche große Fortschritte gemacht, es gibt aber noch viel zu tun, bevor Lösungen zur Patienteneinbindung zu einem Kernbestandteil der Studienplanung und -durchführung werden. Was sind nun die Herausforderungen, die vor uns liegen, und wie können wir sie bewältigen?

Die Perspektive der Patienten einnehmen

Fakt ist: Der Einsatz digitaler Technologien entspringt dem Wunsch, Patienten die Teilnahme an Studien zu erleichtern. Doch wie oft machen sich Studienverantwortliche Gedanken darüber, wie Patienten den gesamten Prozess wahrnehmen? In der Regel betrachten Sponsoren die unterschiedlichen Schritte einer Studie separat, da sie deren Sinn verstehen.

Für die Patienten wiederum ist jede Interaktion einfach Teil der Studie, und der Einsatz verschiedener Lösungen kann verwirren oder als unnötig empfunden werden. Schließlich müssen die Teilnehmer einer klinischen Studie manchmal bis zu fünf verschiedene Softwareanwendungen nutzen – ein Procedere, das aufwendig und sicher nicht sehr patientenfreundlich ist.

Wie eine gute App funktioniert, lässt sich am besten im Verbraucherbereich lernen und verstehen. Hier laden die Menschen die App runter und nutzen diese intuitiv. Nur selten müssen sie im Bereich „Hilfe“ nach Unterstützung suchen. Erst recht müssen sie keine Schulung absolvieren, um Nutzen aus einer App zu ziehen.

Plattformlösungen, statt isolierte Prozesse

Das bedeutet nicht, dass Sponsoren bei Anwendungen im Bereich klinischer Studien den technischen Support ganz aufgeben sollten. Es ist aber wichtig, es Patienten von vorneherein so einfach wie möglich zu machen, Technologien zu nutzen, um an klinische Studien teilzunehmen. Und die Mitarbeiter von Prüfzentren haben bereits genug zu tun und müssen nicht noch zusätzlich als IT-Helpdesk fungieren.

Als Branche sollten wir deshalb einen Schritt zurücktreten und darüber nachdenken, wie wir technologische Lösungen einsetzen können, ohne die Patienten zu belasten. Unternehmen werden sich bald von dem Einsatz unterschiedlicher Technologien, die zu isolierten Prozessen führen, verabschieden und sich stattdessen auf die Entwicklung einer einzigen Plattform mit verbundenen Systemen konzentrieren. Dies kann einen konsistenten Einsatz für Patienten und Standorte ermöglichen und gleichzeitig einen reibungsloseren Austausch von Informationen zwischen den Interessengruppen der Studie gewährleisten.

Auf der nächsten Seite: Standardisierte Prozesse als Schlüssel zum Erfolg

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